Leserfrage

Gilt die falsche Berechnung weiter?

An dieser Stelle geben Experten kostenlos Rat

Die Frage: Vor Jahren kam ans Licht, dass die Eigentümer der Dachgeschosswohnungen zu viel zahlen; der Bauträger hatte die Dachüberstände bei der Berechnung der Eigentumsanteile miteinbezogen. 1990 haben alle Eigentümer beschlossen, Kosten nach den realistischen Quadratmeterzahlen zu verteilen. Laut neuem Verwalter kann ein neuer Eigentümer aber auf der (falschen) Teilungserklärung beharren. Ist das richtig?

Der Experte: Es muss zwischen Betriebs- und Verwaltungskosten einerseits und Instandsetzungskosten und Kosten baulicher Maßnahmen andererseits unterschieden werden.Vor der Reform des Wohnungseigentumsrechts im Jahr 2007 bedurfte es für jegliche Änderungen von Kostenverteilungsschlüsseln einer Änderung der Teilungserklärung, es sei denn, diese hatte eine sogenannte Öffnungsklausel, die eine Änderungsmöglichkeit durch Beschluss ausdrücklich vorsah. Wenn dies bei Ihnen nicht der Fall ist, dürfte die Entscheidung der Gemeinschaft von 1990, nach Wohnfläche abzurechnen, mangels Beschlusskompetenz nichtig sein. Wenn alle Eigentümer zugestimmt haben, wäre es noch denkbar, in der Entscheidung keinen Beschluss, sondern eine Vereinbarung zu sehen, die aber mangels Grundbucheintragung nicht gegen Rechtsnachfolger wirkt: Wenn also eine Wohnung verkauft worden ist, entfaltet die Vereinbarung – so es sich um eine handelt – keine Wirksamkeit. Beschlüsse müssen dann mit notwendiger Mehrheit erfolgen. Gelingt dies nicht, so könnten Sie eine Änderung der Teilungserklärung gerichtlich erzwingen – allerdings nur bei einer Zuvielbelastung von mindestens 25 Prozent.

Experte: Carl Christian Voscherau,
Fachanwalt für Miet- und WEG-Recht
www.breiholdt-voscherau.deZusendung von Fragen an:Wohnen.leben@abendblatt.de

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