Gestaltung

Im Bad wird's gemütlich und noch hygienischer

Die Möblierung des Bades kann auch das Fahrrad an der Wand einschließen

Foto: Karsten Jipp / dpa-tmn

Die Möblierung des Bades kann auch das Fahrrad an der Wand einschließen

Eine Sanitärmesse zeigt: Der Einrichtungsstil der 70er-Jahre kehrt zurück. Auch Spa-Gefühle sollen geweckt werden. Die Japaner machen es uns vor

Frankfurt.  Die 70er-Jahre waren für Badezimmer eine besonders grausame Zeit: Fliesen, Wanne, Toilette und Waschbecken trugen verwaschene Farben in Bahamabeige und Moosgrün. Auch Braun war beliebt. Wer heute solche Badezimmer zu sehen bekommt, ist meist wenig begeistert. Branchenexperten auf der Messe ISH in Frankfurt am Main erwarten aber, dass der Stil der Siebziger wieder Vorbild fürs moderne Bad wird. Wie kann das sein?

"Die Siebziger kommen viel subtiler und in Akzenten zurück", sagt Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft. Wie im gesamten Wohnbereich gebe es auch im Bad den Megatrend zur Individualisierung: Jeder darf, wie er mag und kann. Entsprechend breitgefächert sei die Auswahl bei den Keramikfarben, so Stefan Seitz von der ISH.

Grundsätzlich ist aber auch nicht die Keramik der Hingucker. Es sind vor allem die Möbel und Accessoires, die neuen Kollektionen der Hersteller, mit denen das Bad jetzt dekoriert werden kann. Vieles davon könnte auch im Wohnzimmer Platz finden. Und hier kommt der Stil der 70er-Jahre ins Spiel. "Das Badezimmer soll heute nicht mehr nur zweckmäßig sein wie früher, sondern auch optisch ansprechen", sagt Wischmann. Schließlich verbänden viele Menschen diesen Bereich nicht mehr nur mit der Dusche und der Toilette, ergänzt Trendforscher Frank A. Reinhardt. "Man hält sich in diesem Raum richtig auf."

Vieles könnte auch im Wohnzimmer stehen

So gibt es stilvolle Schränke und Regale mit viel Stauraum. Sogar Stühle, Tische, Liegen und Sofas dürfen jetzt im Badezimmer stehen. Villeroy & Boch stellte beispielsweise auf der ISH die Komplettkollektion Finion aus Badkeramik, Möbel und Beleuchtungskonzept vor: Die Möbel haben grifflose Türen, Push-to-open-Auszüge und sogar integrierte Smartphone-Ladestationen. Alles Elemente, die man bereits von modernen Wohnzimmer-Möbeln kennt.

Neu ist auch, dass sich mittlerweile Hersteller auf dem Markt für Badezimmer-Möbel bewegen, die sich bislang damit begnügten, nur den Wohnbereich zu bestücken: Team 7 zum Beispiel kooperiert mit dem Badeinrichter Keuco für die Edition Lignatur mit Möbeln aus Massivholz.

Auch Wände und Böden machen den Wandel mit: Statt nüchterner Fliesen zieht immer mehr Holz in das Bad ein – entweder über feuchtigkeitsresistentes Parkett und Laminat oder über Fliesen in Holzoptik. Es gibt sogar schon erste Badewannen mit Stoffbezügen an den Außenwänden.

Zuversichtlich geben sich Badeinrichter auch hinsichtlich der Verbreitung von Toiletten mit integrierter Intimdusche, sogenannten Dusch-WCs oder Washlets. In Asien sind sie bereits weitverbreitet: Danach wird nach dem Toilettengang der Intimbereich geduscht. Richtung, Stärke, Massage-Art und Temperatur des Wasserstahls lassen sich meist individuell regeln. Anschließend wird geföhnt.

WC mit Sitzheizung und Musikuntermalung

Das Problem bislang: Asiatische Modelle haben eine eher klobige Form, und vor allem ist viel Technik sichtbar. Dieses Design konnte in Europa nur schwer überzeugen. Auf der ISH präsentierten einige Hersteller nun Modelle mit einem für den europäischen Markt abgestimmten Design. So hat Villeroy & Boch seine ViClean-Serie – sie besteht bisher aus separaten Dusch-WC-Aufsätzen für Keramik-WCs – um ein komplettes Dusch-WC erweitert. Clou dabei: Bei geschlossenem Deckel sieht man kaum einen Unterschied. Das gelingt, da die Technik in der Keramik steckt. Auch Hersteller Grohe setzt bei seinem Modell Sensia Arena auf schlankes Design. Außerdem verzichten Hersteller für Europa bewusst auf viele technischen Spielereien wie die Sitzheizung oder musikalische Untermalung beim Toilettengang.

Kirsten Wienberg von Villeroy & Boch ist zuversichtlich, dass die Skepsis gegenüber Dusch-WCs weichen wird. "Sie sind heute bereits Bestandteil vieler hochwertiger Bäder." Stefan Seitz, Leiter ISH-Brandmanagement, prophezeit: "Endkunden haben zwar noch eine gewisse Scheu, aber wenn sie ein Dusch-WC ausprobiert haben, wollen sie es nicht mehr missen." Grohe-Chef Michael Rauterkus berichtet sogar, Nutzer sprächen von einem kurzen "Spa-Gefühl".

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