Architektur

Ungewöhnlicher Rückzugsort: Ein Landhaus im Stil einer Ranch

Kristina Loock liebt es, auf den niedrig gehaltenen Fensterbänken im Wohnzimmer zu sitzen.

Foto: Roland Magunia

Kristina Loock liebt es, auf den niedrig gehaltenen Fensterbänken im Wohnzimmer zu sitzen.

In Bargefeld-Stegen hat sich Familie Loock einen besonderen Rückzugsort geschaffen. Ihr Landhaus orientiert sich an einer US-Ranch.

Hamburg.  Ein Haus auf dem Land. Viele denken dabei an roten Backstein, weiße Sprossenfenster mit dazu passenden Fensterläden und an der Fassade rankenden Rosen. Nicht so Kristina Loock. Die 49-Jährige hat in den USA als Architektin viele Jahre in renommierten Designbüros gearbeitet – und fühlt sich eng verbunden mit dem bekannten US-Architekten Charles Moore. Der schuf Mitte der 60er-Jahre in Kalifornien an einem unberührten Küstenstreifen die Sea-Ranch – eine Anlage bestehend aus Holzhäusern, die sich fast nahtlos in die Umgebung einfügt.

Das alles sollte man wissen, wenn man den Fliederhof in Bargfeld-Stegen (Kreis Stormarn) betrachtet. Eine Anlage bestehend aus zwei Doppelhaushälften, einem Einfamilienhaus und einem Garagenhaus – alle komplett verkleidet mit Lärchenholz. Im Laufe der Jahre wird es verwittern und eine Einheit bilden mit den grau gerahmten Fenstern und Türen. So markant die Anlage jetzt also noch in hellem Holzton hervorsticht: Irgendwann wird auch sie sich, wie die Bauten von Charles Moore, in die norddeutsche Landschaft einfügen.

Holzhäuser binnen weniger Tage aufgebaut

Kristina Loock hat diese "Hofanlage mit Scheunencharakter" im Auftrag ihrer Eltern entworfen – und mit Unterstützung durch das Hamburger Architekturbüro Herzer gebaut, wie sie betont. Sie habe jemanden gebraucht, "der alles zusammenhält, die Koordination und die Bauausführung übernimmt". Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte, denn über dieses Büro bekam sie auch den Kontakt zu der Zimmerei Hamdorf.

"Und die arbeitet mit neuer Technik, konnte alles vorab am PC modellieren, ausrechnen, dann das Holz exakt und montagefähig zuschneiden und vor Ort problemlos zusammenfügen." Die Art, wie gearbeitet wurde, sei beeindruckend gewesen: "Alle vier Holzhäuser waren binnen weniger Tage aufgebaut."

Zurück zu den Wurzeln

Und warum ein Haus in Bargfeld-Stegen? "Weil wir uns mit der Gemeinde eng verbunden fühlen", erzählt die Entwerferin. Ihr Vater sei nur wenige Meter entfernt auf dem Hof des Onkels aufgewachsen. Auch sie selbst und ihre Schwester hätten schöne Kindheitserinnerungen. "Den Hof des Onkels gibt es zwar nicht mehr, trotzdem haben wir uns zur Kartoffelernte immer wieder hier mit Freunden und Familie zusammengefunden – unter einer großen Eiche und nahe einer Quelle."

Auch die Bienenstöcke des Vaters stünden hier weiterhin. Alles, woran es fehlte, sei eine entsprechende Unterbringung, wenn sich alle auf den Weg nach Stormarn machen: die Eltern aus Bremen, die Schwester mit ihren Kindern aus Mitteldeutschland und Kristina Loock mit ihren Töchtern aus Hamburg.

Nicht jeder im Dorf glücklich über moderne Anlage

Seit November ist dieses Problem nun gelöst. Der Rückzugsort der Familie ist seitdem bezugsfertig. Ebenso wie die zwei Doppelhaushälften auf dem gut 1800 Quadratmeter großen und gepflasterten Grundstück: Sie sind vermietet. An manchen Tagen blicken die Bewohner auf grasende Kühe. Landleben pur.

Kristina Loock weiß, dass nicht jeder im Dorf glücklich ist über die moderne Hofanlage, andererseits macht die Kommune nur wenige Vorgaben, wenn es ums Bauen geht. Sehr zum Bedauern der Diplom-Ingenieurin. In den vielen Neubaugebieten rundherum wirke "vieles eher zersiedelt", findet sie.

Von der Ausstattung dem Passivhausstandard nahe

Umso reduzierter und klarer hat sie alles am und im 115 Quadratmeter großen Haus gehalten. Trotzdem herrscht eine wohnliche Atmosphäre: Im Wohnzimmer ist Holz sowohl an der Decke als auch am Boden zu sehen. Sitzbänke vor den großen Panoramafenstern laden zum Verweilen ein. Wer hier Platz nimmt, blickt nicht nur auf Wiesen und Felder, sondern auch auf den Kamin, der an diesem kalten Februarmorgen für wohlige Wärme sorgt. Fragt man Kristina Loock nach der Effizienzklasse des Hauses, so stutzt sie kurz.

"Wir haben nicht auf Energieautarkie hingearbeitet", sagt sie. Letztlich kämen die Gebäude in der Ausstattung dem Passivhaus-Standard sehr nahe. So sei jede Wohneinheit mit einer eigenen Gastherme ausgestattet, worüber auch das Trinkwasser erwärmt werde. Außerdem erfolgt die Wärmeübergabe über eine thermostatgesteuerte Fußbodenheizung, und zur Unterstützung der Heizungsanlage wurden auf den westlich ausgerichteten Dachflächen solare Kollektoren eingebaut. "Feuchtegesteuerte Lüfter sorgen in den neuralgischen Räumen für ein ausgeglichenes Klima."

Fenster erkennen, wenn es regnet

Fasziniert ist sie immer noch von den vielen Extras, die Dachfensterhersteller hierzulande anbieten. So können die Fenster im Obergeschoss über Schalter elektrisch gesteuert werden und besitzen eine integrierte Verdunklungsfunktion. Außerdem verfügen sie über einen sogenannten Regenwächter. Er sorgt dafür, dass sich die Fenster automatisch schließen, sollte man nachts von einem Wetterumschwung überrascht werden.

Andererseits – wäre es nach dem Hersteller gegangen, würde in jedem Zimmer eine Fernbedienung liegen. Für Kristina Loock und ihre Familie keine Lösung. Also wurden in jedem Zimmer Steuerrelais in die Wand eingebaut, um alles komfortabel per Schalter abzurufen. Der Vorführeffekt zeigt indes: Unzählige Schalter führen vorerst noch zu Trial-and-Error-Aktionen. Dafür behalten alle auf dem Fliederhof den Überblick, wenn sie auf die Umgebung schauen.

"Wir wohnen wie auf einer Hallig", sagt Kristina Loock. Stimmt. Wie kommt's? "Wegen des hoch stehenden Grundwassers haben wir die Häuser auf Lagen von Kies gebettet, damit das Wasser von unten keine Probleme bereitet." Landleben halt.

55 Fragen und Antworten rund um das Thema "Bauen mit Holz" beantwortet eine Broschüre der Aachener Stiftung Kathy Beys unter www.aachener-stiftung.de/fileadmin/ASKB/Media/Holzbaufragen.pdf

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