Einrichtung

Wohntrends: Jetzt wird es bunt, kuschelig und retro

Foto: Koelnmesse GmbH / dpa

Zehn Wohntrends haben die Experten für 2017 ausgemacht. Dabei geht es um Komfort und Geborgenheit. Aber auch die Hausbar kommt wieder.

Köln.  Viel Einzigartiges und Extravagantes war auf der Möbelmesse IMM Cologne in diesen Tagen zu sehen. Auch vieles, das nie in den Handel kommen wird. Aber einige Neuheiten werden in viele Möbelhäuser einziehen. Ein Ausblick.

Kuschelmöbel bekommen einen samtigen Bezug: Wer es zu Hause gern gemütlich hat, den dürfte es freuen, dass Möbel in samtiger Optik angesagt sind. "Lovers Paradise" heißt zum Beispiel ein Schlafsofa mit Dach von Signet – das plüschige Sofa ist ein Hingucker. Designer Gerald Klimke nennt das Veloursofa "eine Verrücktheit" und einen "kuriosen Ausrutscher" – steht die Firma Signet doch eigentlich für Funktionsmöbel. Doch "Lovers Paradise" ist kein Einzelfall, wie die Messe in Köln zeigte: Plüschige Möbel in knalligen Farben gab es viele zu sehen. In samtigen Sesseln des Labels Freifrau Sitzmöbelmanufaktur lässt sich sogar schaukeln.

Essbänke statt harte Stühle: Seit einigen Jahren gibt es immer mehr gemütliche weiche Sitzmöbel für den Esstisch. "Ein neuer Trend ist die Kombination von Küchen- mit Wohnmöbeln", sagt Kirk Mangels von der Arbeitsgemeinschaft Moderne Küche (AMK). Zunächst kamen daher Sessel am Esstisch zum Einsatz, aktuell liegt ein Fokus auf bequemen Essbänken.

Renaissance der Hausbar: "Schränke mit versteckter oder offen sichtbarer Bar sind eigentlich ein Luxusmöbel, das man scheinbar nicht braucht", sagt Designer Christian Haas. "Aber es ist ein tolles Stück, um einen guten Drink zu zelebrieren." Außerdem eignet sich eine Hausbar nach Ansicht des Kreativen wunderbar, um einer aktuellen Grundstimmung in der Gesellschaft nachzugehen: In unsicheren, verrückten Zeiten bleibt man vielerorts lieber zu Hause, als sich nachts in Clubs und Bars zu tummeln. "Man lädt Freunde auf ein oder zwei gute Drinks nach Hause ein", sagt Haas, der für Hersteller Schönbuch den Barschrank Guard entworfen hat.

Getafelt wird an Holztischen: Esstische bilden zunehmend das Zentrum in vielen Wohnungen – massive Holzplatten setzen sich als Material dabei durch. Idealerweise sind dabei noch die Maserungen des Baumstamms zu erkennen: Die Platte wirkt, als komme sie direkt aus dem Wald. Auch die Form des Tisches orientiert sich oft am Holz.

Grazile Beistelltische: Der Trend zum Beistelltisch – gar zu vielen kleinen Tischchen im Raum – hält weiter an. Dabei stützen sich viele Modelle auf dünne Stäbe im Untergestell.

Grün als beworbene Trendfarbe: Bereits 2016 waren viele Grüntöne für Möbel, Stoffe und Deko-Objekte gefragt. Das wird sich 2017 nicht ändern. Das mag auch daran liegen, dass das renommierte Farbunternehmen Pantone aus den USA das grasgrüne "Greenery" zur Farbe des Jahres erkoren hat – und die Werbemaschine nun weltweit anläuft. Unternehmen setzen nach dieser Wahl bewusst auf grüne Stücke, allerdings nicht nur auf Grasgrün, sondern vor allem auch auf dunkle Nuancen. Für Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie steht Grün für die Sehnsucht vieler Menschen nach einem Stück Natur in ihrem Zuhause: "Städter haben Land- und Wanderlust und ein Bedürfnis nach tiefem Luftholen in einer atemlosen Gesellschaft."

Viele Möbel gibt es auch in klein: Weil sich viele Menschen nur noch kleine Wohnungen leisten können, es zudem immer mehr Singlehaushalte gibt, dürfen auch Möbel nicht mehr zu viel Platz beanspruchen – entsprechend wächst der Markt für multifunktionale und kleine Stücke. Trendforscher Frank A. Reinhardt spricht sogar von der Entwicklung "einer ganz neuen Kategorie von Möbeln". Außerdem gibt es noch einen weiteren Grund, warum der Handel diese Sparte so bewirbt: "Das Ganze ist getrieben vom Onlinehandel. Es ist einfacher, kleine Möbel zu verschicken."

Wohnliche Küchen: Bänke, Sideboards und Podeste lassen diesen Bereich sehr wohnlich erscheinen, dabei befinden sich Fronten in Hochglanzlack auf dem Rückzug, während Holz und Holzoptik ihre Stellung behaupten können. Im grauen Farbspektrum spielt Betonoptik eine herausragende Rolle, bleibt aber insgesamt ein Nischenangebot, wie Kirk Mangels von der AMK betont. Die Kombination aus verschiedenen Farbgebungen und Materialien sei generell beliebt. Außerdem würden Kunden Gefallen finden an der Kombination aus mattem Unilack und Echtholzfurnier oder aus Lacklaminat in mattem Uni und einer Holznachbildung.

Heimatdesign mit Kultcharakter: Hirschgeweihe, Kuckucksuhren, der Holzstuhl mit dem ausgesägten Herz: Rustikale Möbel und Dekorationen mit Tradition sind aus vielen Wohnräumen nicht mehr wegzudenken. Aufgetaucht sind sie schon vor einigen Jahren – und bisher nicht wieder verschwunden. "Heimatdesign hat für viele Menschen einen kultigen Charakter bekommen", erklärt sich Trendexpertin Geismann diesen Stil im Wohnraum.

Kugelrund geht's unter der Decke zu: Lampen dürfen auffällig sein – und gern rund. Webstuhllampen wirken hier gemütlich und natürlich; Modelle aus Holz und Glas verbinden indessen Moderne und Tradition.

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