Gestaltung

Feurige Wärmespender: Was bei Kaminen und Öfen wichtig ist

Lars W. vor dem Kamin im Esszimmer, der auch vom Wohnraum dahinter zu sehen ist

Foto: Michael Rauhe

Lars W. vor dem Kamin im Esszimmer, der auch vom Wohnraum dahinter zu sehen ist

Gut geplant kann das Flammenspiel von allen Seiten bewundert werden. Wo nicht mit Holz befeuert werden kann, ist Gas oft eine Option.

Hamburg.  Feuer zu machen, begeistert Menschen schon seit Jahrtausenden. Der Anblick der tanzenden Flammen, das Knistern des Holzes und die wohlige Wärme werden schon immer mit großer Gemütlichkeit, Freude und Entspannung gleichgesetzt. Ein Kamin ist die beste Möglichkeit, diese Glücksgefühle ins Haus zu holen, besonders schön sind sogenannte Durchsichtkamine, bei dem der Charme des Feuers von zwei Seiten aus zu bewundern ist.

"Bei meinem besten Freund in Österreich kann man schon durch die Eingangstür von der Straße aus sehen, wenn das Feuer in seinem Kamin brennt – das begeistert mich jedes Mal", schwärmt Lars W. Der Sachverständige hat sich und seiner Familie vor drei Jahren sein Traumhaus gebaut. Der Kamin nimmt dort eine zentrale Stellung ein. "Ich wollte nach Jahren in einem Haus, in dem uns einiges störte, eine Immobilie bauen ohne Kompromisse", sagt Lars W., der in Jutta Petersen-Glombek die ideale Architektin fand, um mit ihr zusammen sein kubusförmiges Holzhaus zu planen. Doch auch mit einem weiteren Experten saß der Bauherr etliche Male zusammen: mit Peter Heumann, Architekt bei der Firma Vereinigte Ofen- und Kaminwerkstätten Hamburg AG (VOK), dem größten Aussteller für Kamine und Öfen in Norddeutschland.

Wandblock bietet auch Nische zur Lagerung von Holz

Seit ihrem Einzug in das 155 Quadratmeter große Haus, das dank Vorfertigung binnen eines Tages aufgestellt werden konnte, genießt die Familie den Blick in die züngelnden Flammen – und zwar nicht nur vom großen Esstisch aus, sondern auch vom Sofa. Denn der Tunnelkamin von Hersteller Brunner ist dank feuerfester Glasscheiben von zwei Seiten sichtbar in einen stabilen Wandblock eingebettet. Der fungiert zugleich als Raumtrenner zwischen Ess- und Wohnbereich und hält außerdem noch mit einer Schublade und dem grifflosen Schrank sowie einer mit Stahl verkleideten Nische Stauraum für alles Mögliche und zum Lagern von Holz bereit.

"Frisch gehacktes Kaminholz sollte zwei bis drei Jahre lagern, damit die Restfeuchte weg ist", sagt Andrea Nehry von VOK und stapelt dabei fachmännisch und mit schneller Hand etliche kleine Scheite im Kreuzverbund im 53 mal 88 Zentimeter großen Tunnelkamin. Zum Anzünden werden auf das Holz Kleinholz und spezielle Kaminanzünder gelegt. Nach 15 Minuten knistert es behaglich, Wärme breitet sich aus. Eigentlich fehlt jetzt nur noch dichtes Schneegestöber für die perfekte Kulisse, aber auch die plötzlich hell einfallende Wintersonne schmälert die Faszination des Flammenspiels nicht. F euerfeste Glasscheiben verhindern dabei, dass Funken auf dem Eichenboden zum Risiko werden können. Andrea Nehry rät Käufern, sich vor der Anschaffung zu überlegen, was man sich von einem Kamin erhofft: Wärme oder vor allem Optik – idealerweise beides zusammen?

"Viel Flamme bedeutet viel Energie", sagt Manfred Berns vom Ofenstudio "Schöne Wärme". Als gesetzliche Vorgabe müsse heutzutage jede Feuerstätte 75 Prozent Kraft haben, die meisten Öfen liefern 80 Prozent. Wer es gern schnell warm haben wolle, sollte sich für einen leichten klassischen Ofen aus Stahl entscheiden. "Früher gab es schwere Speicheröfen, doch in Zeiten von Zentralheizungen braucht die kaum noch jemand", sagt Berns.

Beim Altbau vorher immer einen Fachmann fragen

Der Einbau eines Kamins ist bei Neubauten fast immer unproblematisch, selbst bei dem Holzkubus von Lars W. war das Gewicht kein Problem, denn das Haus steht auf soliden Füßen: Betonkeller und ganz normaler Estrich sorgen für ausreichende Belastbarkeit. Beim nachträglichen Einbau – insbesondere in einer Altbauwohnung, wo noch alte Schornsteinzüge vorhanden sind – sollte man vorher unbedingt immer einen Fachmann zu Rate ziehen. Er prüft, ob der vorhandene Schornstein die richtigen Maße für einen Kamin oder Ofen hat, ansonsten wird der Zug behindert. In Mietwohnungen ist zudem die Einwilligung des Eigentümers erforderlich. Existiert kein Schornstein, kann er nachträglich gebaut werden. "Es gibt fast immer eine Möglichkeit", ist Andrea Nehrys Erfahrung.

Allerdings: Auch der Schornsteinfeger muss hinzugezogen werden und darf keine Einwände haben. Wenn nicht durch die oberen Stockwerke gemauert werden darf oder soll, kann die Abgasleitung auch durch die Außenwand gebohrt und an derselben entlang nach oben geführt werden. Fällt auch das flach, lässt sich eventuell ein Gaskamin installieren, denn dieser kann in Ausnahmefällen mit Genehmigung des Schornsteinfegers einen Außenwandanschluss haben.

Nicht alle Öfen sollten noch benutzt werden

Das Bundesumweltamt schätzt, dass in Deutschland etwa 14 Millionen sogenannter Holzfeuerungen existieren, also Heizmöglichkeiten, bei denen mit Holz geheizt wird. Man unterscheidet zwischen Einzelraumfeuerungen wie Kachelöfen und Kaminöfen, die einzelne Räume beheizen, und Zentralheizungskesseln, die das ganze Haus wärmen. Neue Holzfeuerungsanlagen haben zwar immer noch höhere Feinstaubemissionen als Gas- oder Ölheizungen, im Vergleich zu alten Öfen ist der gesundheitsbedenkliche Aspekt jedoch minimal.

Besonders emissionsarme Pelletöfen und Kamine sind mit der Plakette "Blauer Engel" ausgezeichnet. Wer nicht weiß, ob er eventuell einen Ofen oder Kamine von einem Vorbesitzer übernommen hat, der nicht mehr betrieben werden darf, erfährt dies auf der Webseite des Industrieverbandes Haus-, Heiz- und Küchentechnik unter www.ratgeber-ofen.de.

Lars W. war bei seinem verglasten Kamin die Optik wichtig, denn die Wärme kommt hauptsächlich über die Fußbodenheizung ins Haus, die durch die Wärmepumpe im Garten gespeist wird. "Mit unserem Holzhaus und dem Kamin haben wir uns ein Stückchen Österreich nach Hamburg geholt." Außerdem komme ihm dadurch die Zeit bis zum nächsten Skiurlaub nicht so lang vor.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.