Immobilien Bauen und Sanieren mit historischen Materialien

Jan Lange begutachtet ein altes Fenster, das er nach der Aufarbeitung verkauft

Foto: Rainer Büldt

Jan Lange begutachtet ein altes Fenster, das er nach der Aufarbeitung verkauft

Alte Türen, Fenster und Ziegel sind gefragt. Spezialisierte Händler können weiterhelfen. Damit die Suche nach dem bestimmten Detail nicht zu aufwendig wird, hilft der Unternehmerverband Historische Baustoffe mit einer Karte weiter

Jan Lange handelt mit historischen Baumaterialien. Eigentlich hat er Flugzeugbauer gelernt, doch als der heute 45-Jährige damals während der Lehre ein Airbus-Modell aus Holz anfertigen sollte, hat es ihn gepackt – die Lust, mit dem Werkstoff zu arbeiten.

Wer ihn heute in seiner Werkstatt im Wendland besucht, findet sich umgeben von alten Ziegeln, Dachpfannen, Türen, Fenstern – und vielen Eichenbalken. "Es ist wie mit Rohdiamanten: Sind sie erst einmal sauber abgeschliffen, ist jeder von ihnen wieder schön anzusehen und gut zu verwerten", sagt Lange. Bauherren und Sanierer – "viele aus dem Raum Hamburg" – wüssten dies zu schätzen. Ebenso wie die anderen sorgsam aufbereiteten historischen Materialien. Und dann erzählt Lange von einem Ehepaar, das sein Dachgeschoss sanieren musste. "Dabei verschwanden Holzbalken unter Dämmplatten." Ein Zustand, mit dem sich die beiden nicht abfinden wollten. Sie besorgten sich bei dem Händler schöne, alte Eichenbalken – und schauen jetzt wieder auf Fachwerk.

In einem anderen Fall hilft er gerade einer Architektin aus Hamburg bei der Beschaffung von schönen, alten Eichenbohlen. "Sie will daraus einen Küchentisch fertigen lassen, der in der von ihr und ihrem Mann aufwendig wiederaufgebauten Scheune hier in der Nähe stehen soll." Aber auch Bauherren befinden sich unter seinen Kunden. "Einige von ihnen wünschen sich eine Verblendung mit Ziegeln im alten Reichsformat."

Bei der Suche nach alten Materialien profitiert er von einem Phänomen, das er mit ein wenig Bedauern auch im Wendland beobachtet: der Verödung von Dörfern in strukturschwachen Regionen. "Mit ihr geht der Verfall von Höfen und Scheunen einher. Das ist zwar schade, andererseits sorgen ich und andere Händler dafür, dass diese Materialien nicht ganz verschwinden."

Trotzdem kann sich die Suche nach dem einen bestimmten Detail auch für Kunden als zeitintensiv erweisen. Historische Baumaterialien sind halt nicht wie im Baumarkt gleich verfüg- oder bestellbar. "Wer spezielle Sachen benötigt, muss sich rechtzeitig auf die Suche machen und Ausdauer mitbringen", empfiehlt Rainer W. Leonhardt.

Seit 35 Jahren sammelt der Berliner Baustoffe aus vergangenen Jahrhunderten bis zum Jahr 1930. Zwar kommen seine Kunden meist aus der Hauptstadt und Umgebung, bei seltenen Baumaterialien erhält er aber auch Anfragen aus dem Ausland.

Um Sanierern, Bauherren und Käufern die Suche zu erleichtern, hat der Unternehmerverband Historische Baustoffe auf seiner Homepage www.historische-baustoffe.de eine Karte hinterlegt: Auf ihr sind alle 28 Mitglieder per Klick mit Adresse schnell aufzurufen. Die Zahl der Verkaufsstätten dürfte laut Schätzungen der Händler allerdings bei etwa 150 liegen. Immerhin bieten die meisten ihre Produkte mittlerweile via Internet an.

Schnäppchenjäger sollten jedoch wissen, was auf sie zukommt. "Kauft man beispielsweise eine alte Tür für 100 Euro, sollte man einkalkulieren, dass noch weitere, höhere Kosten entstehen für den maßgefertigten Rahmen, die Beschläge und gegebenenfalls die Oberflächenlackierung", sagt Olaf Elias, Baustoffhändler aus Oberkrämer (Brandenburg). Bis eine Tür funktionstüchtig sei, müssten also Zeit und Geld investiert werden.

Durch die Auflagen des Denkmalschutzes entsteht laut Michael Hölker vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel die meiste Nachfrage. "Zum Beispiel bei Dachpfannen, da gibt es klare Vorgaben, was Farben und Formen angeht." Falls diese nicht mehr erhältlich seien, könne man auf Repliken ausweichen. "Je nach Produkt kosten die aber schnell 50 Prozent mehr als das Original", sagt Leonhardt.

Apropos Repliken: Sie kann man leicht erkennen, wenn auf Beschlägen Stempel fehlen, sagt Elias. Leonhardt empfiehlt, bei ihnen auch auf die fein von Hand gearbeiteten Muster und Verzierungen zu achten. "Auf alt getrimmte Wandfliesen sind meist zu perfekt gearbeitet. Die Pinselstriche der verzierten Kacheln von damals zeigen kleine Nuancen."

Alte Dielen für Fußböden oder zur Vertäfelung von Wänden und Decken seien derzeit besonders gefragt, sagt Elias. "Gern wird auch Altholz in Bäder eingebaut." Es sei schwerer und fester als gewöhnliche Hölzer aus dem Baumarkt. "Altes Holz ist zudem dunkler und hat eine gewachsene Patina."

Geschätzt werde derzeit auch ein Stilmix von alten und neuen Bauteilen, so Elias weiter. Alte Heizkörper, etwa aus Gusseisen, seien jedoch kaum noch interessant. Ein Grund: Heizungsbauer wollen für den Einbau nicht die Gewähr übernehmen.

Denn: "Wer mit alten Baumaterialien hantiert, sollte Fachkenntnisse mitbringen oder sie sich aneignen", sagt Elias. Er empfiehlt aus diesem Grund Kunden, bei Sanierungsvorhaben immer einen erfahrenen Restaurator hinzuzuziehen.