07.12.12

Wohnen

Modern und nachhaltig: Sperrholz-Häuser in Barmbek

In Hamburg entstehen Gebäude aus dem nachwachsenden Rohstoff, der immer mehr Fürsprecher findet.

Von Hans-Jörg Munke
Foto: spine architects
Der Holzbauteil für die geplanten drei Gebäude kann innerhalb von zwei Wochen aufgestellt werden
Der Holzbauteil für die geplanten drei Gebäude kann innerhalb von zwei Wochen aufgestellt werden

Nachhaltiges Bauen ist mehr, als nur Energie zu sparen. "Das fängt bereits beim Baumaterial an", sagt Neil Winstanley vom Hamburger Büro SpineArchitects. Der Architekt muss es wissen, denn gemeinsam mit seinem Team realisiert er Hamburgs erste mehrgeschossige Wohnbauten in Holzmassivbauweise. Statt Mauerwerk und Stahlbeton kommt dabei Brettsperrholz zum Einsatz.

Winstanley selbst wird zu den künftigen Bewohnern zählen. Er gehört der Baugemeinschaft Plan_A an, die auf einem Grundstück am alten Güterbahnhof in Hamburg-Barmbek ihren Traum vom familienfreundlichen Wohnen in drei kubischen viergeschossigen Gebäuden umsetzt. Insgesamt entstehen elf Wohnungen. "Wir wollten gern mit einem natürlichen nachwachsenden Material bauen", sagt Winstanley.

Außerdem seien ihm wegen der im Bebauungsplan festgelegten Außenmaße schlanke Wandquerschnitte wichtig. "Und das geht am besten mit Holz", wie der Architekt hervorhebt. Gut zehn Zentimeter seien als Wandstärke ausreichend, bei Beton sei es mehr als das Doppelte. "Letztlich bekommen wir auf diese Weise mehr Netto vom Brutto."

Auch zentrale Themen wie Schall- und Brandschutz lassen sich im Holzmassivbau problemlos regeln. Um Schallschutzauflagen erfüllen zu können, werden die Wände akustisch von den Decken getrennt. Damit es einem Feuer standhalten kann, wird das Material auf "Abbrand" bemessen, denn Holz verkohlt in einer kalkulierbaren Geschwindigkeit. So öffnen sich auch langsam die Behörden für die innovativen Gebäude. "Man betritt zwar Neuland, aber Vorbehalte gibt es kaum, eher Neugier und Offenheit für die neue Technologie", resümiert Winstanley.

Erfreulich für die Bauherren: Auch die Bauzeiten werden kürzer. Im Falle der Barmbeker Mehrfamilienhäuser rechnet man für den Holzbauteil mit zwei Wochen Aufstellzeit pro Haus. Möglich wird das durch ein hohes Maß an industrieller Vorfertigung. "Die Bauteile werden direkt in der Fabrik mit computergesteuerten Maschinen hergestellt und als gesamte Wand auf die Baustelle gebracht. Derzeit gibt es in ganz Deutschland allerdings nur fünf Hersteller", sagt Jonas Lencer.

Der norddeutsche Architekt arbeitet derzeit im Londoner Büro dRMM. Die kreativen Köpfe des internationalen Architekten-Teams haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Holzmassivbauten vom kleinteiligen Experiment bis zum urbanen Investorenbau realisiert. Die aktuelle Entwicklung in Hamburg betrachtet Lencer gespannt und versucht die norddeutschen Kollegen im Rahmen von Vorträgen an seinen Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Lencer begeistern vor allem die statischen Eigenschaften des Materials: "Den Anforderungen moderner Architektur mit weiten Öffnungen, Wandvorsprüngen und dem Einsatz von Wandscheiben kommt das Brettsperrholz sehr entgegen. Zudem ist es auch bei Feuchtigkeitsänderungen sehr formstabil." Dem Experten ist aber auch der Umweltaspekt wichtig: "Wird das Holz nachhaltig angebaut, ist die CO2-Bilanz gegenüber konventionellen Bauweisen erheblich günstiger, da das Kohlendioxid aus dem Holz für Jahrzehnte im Gebäude gebunden bleibt. Die gesamte Bauindustrie gehört zu den größten CO2-Emittenten weltweit." Auch der Rückbau sei viel unproblematischer.

Welche Bereicherung Holzmassivbauten sein können, sieht man am gerade fertiggestellten Wälderhaus der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e. V. im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Die Architektur zeigt, dass es für die Kreativität kaum Grenzen gibt. "Wir bauen zunächst unsere Entwürfe aus Karton. Man kann dann vieles mit ein wenig Überlegung auch in Holz umsetzen", so Lencer, denn die statischen Eigenschaften seien übertragbar. Dazu kommt die besondere Wohnqualität von Holzgebäuden, die man bereits im Raphael-Hotel des Wälderhauses erleben kann. Darauf freuen sich auch Architekt Winstanley und seine Baugemeinschaft: "Wir erwarten eine große Behaglichkeit in den Häusern, denn Holz ist ein guter Isolator und lässt keine Kältebrücken zu." Jonas Lencer bringt seine Vision auf den Punkt: "Der Holzbau muss raus aus der Nische." Und er verspricht: "Boomt die Technologie in Hamburg dann wirklich so, wie wir alle hoffen, dann komme ich wieder nach Hause und eröffne hier ein Büro."

www.spine-architects.com/

drmm.co.uk/

www.waelderhaus.de/

www.holzbauforum.info/

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