30.11.12

Umbau

Gymnasium Uhlenhorst wird zum Wohnhaus

Die Baugemeinschaft Kekse nennt ihr Projekt in Barmbek "Schulfrei". Einziehen werden 50 Kinder und 50 Erwachsene.

Von Holmer Stahncke
Foto: Huke-Schubert Berge Architekten/GUB Visualisierung
Bis Weihnachten 2013 soll der Umbau zu einem Wohnhaus erfolgt sein. Die Pläne dafür liefert das Büro Huke-Schubert Berge Architekten
Bis Weihnachten 2013 soll der Umbau zu einem Wohnhaus erfolgt sein. Die Pläne dafür liefert das Büro Huke-Schubert Berge Architekten

99 Jahre lang wurde im Gymnasium Uhlenhorst in Barmbek fürs Leben gelernt. Seit 2007 stand es leer. Jetzt wollen 100 Hamburger, darunter auch einige Lehrer, in diesem Gebäude weder lernen noch unterrichten, sondern leben. Das GUB, wie die Schule im Stadtteil hieß, wird von der Baugenossenschaft Fluwog Nordmark für die Baugemeinschaft "Die Kekse" in ein Wohnhaus mit 39 Wohnungen umgebaut.

Die Frage, ob es nicht ein seltsames Gefühl sei, auch die Freizeit in einer Schule zu verbringen, beantwortet die Kekse-Sprecherin, selbst eine Lehrerin, mit einem klaren Nein: "Wir haben unser Wohnprojekt extra 'Schulfrei' getauft." Außerdem, so der für den Umbau verantwortliche Architekt Sven Kukuk von Huke-Schubert Berge Architekten, werde in dem 1908 erbauten Gebäude nur noch wenig an das alte Gymnasium erinnern: "Nur das Treppenhaus bleibt im Original erhalten." Ansonsten werden die unterschiedlich großen Klassenzimmer teilweise zu Wohnungen zusammengezogen, teilweise aber auch zu Einzimmerwohnungen umgebaut. Die breiten Korridore werden verschmälert und vor die alte Fassade neue Elemente und Balkone gesetzt. Auch die hohen Fenster werden behutsam verkleinert, da das fertige Wohnhaus den Passivhausstandard erfüllen soll.

Ein Gemeinschaftraum mit Café wird Nachbarn im Quartier offen stehen

Wie mit dem Gebäude umzugehen sei, war lange Zeit im Bezirk Nord umstritten. Als feststand, dass es in dem von Nachkriegsbauten geprägten Quartier einer Baugemeinschaft überlassen werden sollte, bewarben sich die Kekse, die Fluwog und Huke-Schubert Berge Architekten gemeinsam um das GUB. 50 Erwachsene, darunter auch Mitglieder der Gruppe "Leben mit Behinderung" und 50 Kinder werden sich das Haus teilen. Im Souterrain wird es einen Gemeinschaftraum geben, der auch für die Nachbarn im Quartier offen stehen soll, die Hausbewohner werden in einer gemeinsamen Werkstatt basteln, und für die Kinder wird auf dem Hof ein Spielplatz errichtet. Dass Baugemeinschaften sich eine Baugenossenschaft als Partner suchen, um ein Haus zu bauen, ist in Hamburg nicht selten. Für die Fluwog ist es die vierte Zusammenarbeit dieser Art, allerdings die erste, in der ein Altbau umgebaut wird. "Wir alleine hätten dieses Projekt finanziell niemals stemmen können", sagt die Kekse-Sprecherin, die namentlich nicht genannt werden will. Erst die Baugenossenschaft habe das Unmögliche möglich gemacht. Obwohl ein Umbau häufig teurer als ein Neubau ist, werden die Kekse-Mitglieder ausgesprochen günstig wohnen. "Ein Teil der Wohnungen wurde im ersten Förderweg gebaut, sodass die Mieten 5,80 Euro pro Quadratmeter betragen, die frei finanzierten Wohnungen werden zu 9,25 Euro vermietet", sagt Fluwog-Vorstand Burkhard Pawils. "Wir haben dafür mit spitzem Bleistift gerechnet und ein langfristiges Gesamtkonzept erarbeitet, um diese günstigen Mieten zu ermöglichen." Bei Mitgliedern von Baugemeinschaften würden bei der Vergabe von öffentlich geförderten Wohnungen andere Einkommensgrenzen gelten als bei Neubauten, fügt er hinzu.

Weihnachten 2013 sollen die Kekse-Mitglieder in ihrem neuen Haus feiern. Bis dahin haben Architekten und Handwerker viel zu tun. "Die wenigen nicht-tragenden Wände werden herausgenommen, um mehr Freiraum bei der architektonischen Neugestaltung zu haben", sagt Architekt Sven Kukuk. Im Seitentrakt der Schule, der nur zwölf Meter tief ist, werden die Wohnungen durchgehen, also von beiden Seiten belichtet werden. "Die hohen Raumhöhen bleiben erhalten", ergänzt Architektin Beata Huke-Schubert. "Teilweise werden auch Galerien eingebaut." Auch ein Fahrstuhl sei angedacht.

Der Bau, der in den 1960er-Jahren sein neo-barockes Giebeldach verlor, soll auch ein neues Dachgeschoss mit Wohnungen erhalten. Eine Aula, die in die Baumaßnahmen integriert werden müsste, gibt es nicht mehr. Dennoch wollen "Die Kekse" auch der Nachbarschaft im Quartier den Zugang zum Haus ermöglichen. "Eine unserer Frauen wollte immer schon mal ein Café betreiben", sagt die Kekse-Sprecherin. "Jetzt plant sie, einmal in der Woche ein Café im Gemeinschaftsraum zu öffnen."

Die Zusammenarbeit zwischen Baugemeinschaften und Baugenossenschaften ist genau geregelt. "Die Kekse-Mitglieder werden alle auch Mitglieder der Baugenossenschaft, haben aber besondere Rechte", erklärt Burkhard Pawlin. "So können sie Nachmieter selbst bestimmen, da Baugemeinschaften sich ja unter einem bestimmten Konzept zusammenfinden und zusammen leben wollen. Da müssen Nachmieter reinpassen."

Zum Konzept der Kekse gehört nicht nur das Zusammenleben junger Familien mit Kindern, sondern auch die Integration älterer und behinderter Bewohner. Ein Konzept, das, wie Bezirksamtsleiter Harald Rösler betont, wunderbar in die Barmbeker Landschaft passt. "Barmbek ist auf dem Sprung, und dieses Projekt gehört dazu."

Nachbarn dürfen übrigens die alte Schule noch einmal besichtigen, bevor die Umbaumaßnahmen beginnen.

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