04.12.12

Social Network

Facebook lässt Nutzer wohl ein letztes Mal abstimmen

Bisher konnten Nutzer über Regeländerungen abstimmen. Doch nur ein Bruchteil nutze dies. Nun wird über die Abschaffung abgestimmt.

Foto: dpa
Der Schriftzug "Facebook" spiegelt sich im Auge einer Frau. Das soziale Netzwerk will seine Nutzer erneut abstimmen lassen – wohl zum letzten Mal
Der Schriftzug "Facebook" spiegelt sich im Auge einer Frau. Das soziale Netzwerk will seine Nutzer erneut abstimmen lassen – wohl zum letzten Mal

Berlin. Die Facebook-Nutzer haben die letzte Chance, ihr einzigartiges Mitsprache-Recht bei dem weltgrößten Online-Netzwerk zu bewahren. Die mehr als eine Milliarde Mitglieder können eine Woche lang über vorgeschlagene neue Regeln abstimmen, mit denen unter anderem solche Abstimmungen abgeschafft werden sollen. Facebook will auf den Abstimmungsmechanismus verzichten, nachdem bei der vergangenen Meinungsäußerung im Juni nur 0,04 Prozent der Mitglieder teilgenommen hatten.

Die Hürde für den Erfolg einer Facebook-Abstimmung ist sehr hoch: Es müssen 30 Prozent aller Mitglieder teilgenommen haben. Das wären aktuell über 300 Millionen Menschen. Facebook will die Abstimmungen unter anderem durch neue Möglichkeiten ersetzen, direkt Fragen an die Verantwortlichen für Datenschutz zu stellen. In den ersten Stunden seit Beginn der Abstimmung am späten Montag stimmten rund 19.000 Nutzer gegen die neuen Regeln und nur gut 2200 dafür.

Unterdessen sammelt eine Gruppe erbitterter Facebook-Kritiker aus Wien Geld für ein rechtliches Vorgehen gegen die irische Datenschutz-Behörde. Die dortigen Datenschützer hätten bei ihrer Überprüfung von Facebook "oft schlampig und ungenau" gearbeitet, argumentierte der Sprecher der Gruppe "europe-v-facebook.org", Max Schrems, am Dienstag.

Man wolle die irische Behörde nun erneut auffordern, "Unterlagen und Beweise" auszuhändigen, sagte Schrems. Er rechne nach bisheriger Erfahrung aber nicht damit, dass dies passieren werde. "Wir haben dann nach irischem Recht nur 21 Tage für eine Berufung und das Kostenrisiko liegt bei 100.000 bis 300.000 Euro", erklärte Schrems. Deshalb werde jetzt eine Spendenaktion gestartet. Eine Berechnungsgrundlage für die Summe nannte die Gruppe zunächst nicht. In den ersten Stunden am Dienstag kamen rund 6000 Euro zusammen.

Dass es bei Facebook jetzt überhaupt zu einer Abstimmung über die neuen Regeln kommt, bedeutet, dass mindestens 7000 Mitglieder einen Kommentar zum Vorschlag des Netzwerks abgegeben haben. Nehmen an einer Abstimmung weniger als 30 Prozent der Mitglieder teil, setzt Facebook nach der bisherigen Regelung die Änderungen einfach in Kraft.

Im Juni hatte "europe-v-facebook" mit einem Aufruf maßgeblich dazu beigetragen, dass Facebook im Juni die damaligen Vorschläge für neue Regeln zur Abstimmung stellen musste. An der Stimmabgabe beteiligten sich binnen einer Woche aber nur rund 350.000 Nutzer.

Das Online-Netzwerk, das immer wieder von Datenschützern kritisiert wird, nannte die Abstimmungen oft als Beispiel für die Möglichkeiten der Nutzer, die Regeln mitzugestalten. Das Verfahren wurde 2009 eingeführt, als Facebook noch rund 200 Millionen Nutzer hatte.

Facebook will mit der Regeländerung auch einige Datenschutz-Einstellungen erneuern. So behält sich das Online-Netzwerk das Recht vor, Daten mit anderen Firmen im Konzernverbund zu teilen – was angesichts von Übernahmen wie etwa dem Kauf des Fotodienstes Instagram notwendig wurde. Jetzt erklärte Facebook, das sei auch nötig, damit Nutzer in Europa überhaupt mit Freunden in Amerika kommunizieren können, denn das europäische Geschäft liegt bei der Tochter in Irland.

Außerdem wird in den neuen Regeln deutlicher darauf hingewiesen, dass andere Anwender unter Umständen weiterhin Informationen sehen können, die man aus dem eigenen Profil entfernt hat. Diese Klarstellung hatte die zuständige irische Datenschutzbehörde gefordert.

Unter anderem deutsche Datenschützer hatten die Abstimmungen angesichts der hohen Beteiligungshürde scharf kritisiert. Zudem warfen sie Facebook vor, die Mitglieder nicht ausreichend über die Abstimmung informiert zu haben. Diesmal bekamen alle Facebook-Nutzer E-Mails mit Informationen über die geplanten Änderungen und den Beginn der Abstimmung.

Die Wiener Studentengruppe "europe-v-facebook.org" wirft Facebook schon seit mehr als einem Jahr die Verletzung europäischer Datenschutzregeln vor und überhäufte auch die irischen Datenschützer mit Hinweisen. Die Behörde fand allerdings keine schwerwiegenden Verstöße, sondern empfahl weitgehend nur Nachbesserungen.

Facebook in Zahlen und Daten
Facebook in Zahlen und Daten
Seit Ankündigung der Börsenpläne veröffentlicht Facebook erstmals Zahlen zu seinem Geschäft. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:
Facebook ist seit drei Jahren profitabel. 2011 gab es eine Milliarde Dollar Gewinn, im Jahr davor 606 Millionen und 2009 auch schon 229 Millionen Dollar. Im Jahr 2008 lag der Verlust bei 56 Millionen Dollar und 2007 bei 138 Millionen Dollar. Im ersten Quartal 2012 sank der Gewinn im Jahresvergleich um zehn Prozent auf 137 Millionen Dollar.
Facebook ist inzwischen ein außerordentlich lukratives Geschäft. Den Milliardengewinn 2011 schaffte das Online-Netzwerk mit nur 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. Im ersten Quartal 2012 stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um 45 Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar.
Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. 2011 lag der Anteil bei 85 Prozent.
Die virtuellen Welten des Onlinespiele-Spezialisten Zynga sind ein wichtiges Element des Facebook-Geschäfts. Zuletzt steuerte der Anbieter von Games wie "Farmville" oder "Cityville" 15 Prozent der Facebook-Umsätze bei.
Facebook hat mehr aktive Mitglieder als man bisher dachte. In den Börsenunterlagen spricht das Online-Netzwerk von 845 Millionen aktiven Nutzern im Monat Ende 2011. Im ersten Quartal waren es bereits 901 Millionen. Und 526 Millionen nutzten Facebook jeden Tag.
Mark Zuckerberg wird Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff haben. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen werden. Nach der Aktienplatzierung wird Zuckerberg fast 60 Prozent der Stimmen kontrollieren.
Facebook hatte zuletzt 3539 Mitarbeiter. Die Zahl der Beschäftigten stieg allein im vergangenen Jahr um 50 Prozent.
Mark Zuckerbergs Vater, der Facebook 2004 und 2005 finanziell unterstützt hat, bekam im Dezember 2009 zwei Millionen Aktien der Klasse B.
Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren. Über einen Markteintritt in China hat Facebook laut Börsenprospekt noch nicht entschieden. Am russischen Konkurrenten Vkontakte ist der Investor DST beteiligt, der auch ein großer Facebook-Anteilseigner ist.
Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Mehr als 22 Millionen Nutzer seien beim Marktführer aktiv, berichtete das Blog Allfacebook.com vor wenigen Monaten unter Berufung auf den Facebook AdPlanner, ein Werbe-Tool des Unternehmens. 2010 waren es noch 10 Millionen.
Facebook ist auch ein riesiges Fotoalbum: Jeden Tag laden die Nutzer 300 Millionen Bilder hoch. (dpa)
Chronologie: Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern
In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg:
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook aus ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen.
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook – die Pinnwand – kommt dazu.
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer.
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet.
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer.
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle.
Dezember 2006: Facebook hat mehr als 12 Millionen Nutzer.
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer.
Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent – die Bewewrtung liegt also bei 15 Milliarden Dollar.
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst "Beacon", der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen Werbung ins Netzwerk.
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr.
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet.
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer.
Dezember 2008: Facebook Connect verknüpft den Dienst mit vielen Webseiten im Netz.
April 2009: Facebook hat mehr als 200 Millionen Nutzer.
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook – bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar.
Dezember 2009: Facebook hat mehr als 350 Millionen Nutzer.
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer.
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook.
Juli 2011: Facebook hat mehr als 750 Millionen Nutzer.
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den "Gefällt-mir"-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen – trifft jedoch auf wenig Resonanz.
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz.
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. (dpa)
(dpa)
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