13.11.12

Wundersamer Wandel Wie das Notebook ein Desktop-PC wird

Von Jan Ungruhe
Wundersamer Wandel: Wie das Notebook ein Desktop-PC wird

Foto: pa/dpa-tmn

Wundersamer Wandel: Wie das Notebook ein Desktop-PC wird Foto: pa/dpa-tmn

Die Quittung für das Arbeiten am Notebook kann schnell ein steifer Nacken sein. Aber muss man deshalb gleich einen Deskop-PC kaufen?

Frankfurt/Main/Dresden. Mit der Handlichkeit von Notebooks ist das so eine Sache. Was unterwegs praktisch ist, bringt zu Hause oder im Büro auch Nachteile mit sich. Der Bildschirm ist klein, der Sound lässt zu wünschen übrig und Schnittstellen sind rar. Und vor allem: Ergonomisch sind Laptops eine mittelschwere Katastrophe. "Die Frage lautet jetzt: Möchte ich das Geld aufbringen, um mir zusätzlich einen Desktop-PC zu kaufen?", sagt EDV-Experte Paul Seifert. Das muss gar nicht sein. Denn wer eine Dockingstation fürs Notebook anschafft, kann daran Monitor, Tastatur, Maus und mehr anschließen.

Mit dieser Hilfskonstruktion kann man sowohl die Vorzüge eines Notebooks als auch jene eines Desktop-PCs nutzen. "Einerseits kann ich mit meinem Notebook auf der Couch sitzen und im Internet surfen. Mit einem Handgriff habe ich aber auch die Möglichkeit, komfortabel an meinem Schreibtisch zu arbeiten", erklärt Seifert, der beim Fachverband Elektro- und Informationstechnik Hessen/Rheinland-Pfalz den Fachausschuss Bürosystemtechnik leitet.

Falls das Notebook auf der Rück- oder Unterseite über einen Spezialanschluss für eine Dockingstation verfügt, kommen Lösungen des Herstellers infrage, in die das Notebook einfach eingerastet wird. Die Peripherie-Hardware wird dauerhaft an der Dockingstation angeschlossen, was lästige Steckerei und Kabelsalat erspart. "Die Anschaffung lohnt sich, wenn ich am Arbeitsplatz eine feste Umgebung mit Monitor, Tastatur, Drucker und Maus habe und die Kabel nicht ständig an- und abstecken möchte", sagt Informatik-Experte Stephan Hermsdorf von der Technischen Universität Dresden. Praktisch: Während das Notebook in der Dockingstation steckt, wird es gleichzeitig geladen.

Beim Kauf ist jedoch zu beachten, dass die Station auch tatsächlich zum Gerät passt. "Selbst bei den Geräten des gleichen Herstellers passen nicht alle Dockingstationen an alle Modelle", gibt Hermsdorf zu bedenken. Ein Blick ins Datenblatt hilft meist weiter. In der Regel steht dort, mit welchen Modellen die Dockingstation kompatibel ist. Zudem sollte abgeglichen werden, ob die Station auch Anschlüsse für alle Geräten bietet, die an ihr genutzt werden sollen. Hersteller-Lösungen bewegen sich in einer Preisklasse um 100 Euro.

Preiswerter sind oft Universal-Lösungen, die in der Regel an allen Notebooks funktionieren. Für sie sollte man um die 50 Euro einkalkulieren. Der Anschluss ans Notebook wird nicht über eine Spezial-, sondern USB-Schnittstelle realisiert. Auf einen Schlag stünden dann sechs, sieben Schnittstellen für weitere Geräte zur Verfügung, sagt Christian Schlüter von der Stiftung Warentest.

Allerdings muss man durch die Verbindung per USB-Kabel unter Umständen Einschränkungen in Kauf nehmen. "Geschwindigkeit, Qualität und Funktionsumfang sind geringer als bei den Dockingstationen der Gerätehersteller", sagt EDV-Experte Seifert. Das Notebook werde beispielsweise nur dann geladen, wenn es per Netzteil mit Strom versorgt wird. Zudem nehme die Grafikleistung aufgrund des Umwegs über die USB-Dockingstation deutlich ab. Für diejenigen, die eine Dockingstation nur gelegentlich benötigen, sei eine Universal-Lösung dennoch eine gute Alternative, sagt Seifert.

Dieser Auffassung ist auch Warentester Schlüter. Umfangreiche Testserien zu Dockingstationen gebe es jedoch noch nicht, sagt der Experte. "Mit der Kompatibilität sollte es jedenfalls keine Probleme geben." Wie bei den Hersteller-Dockingstationen sollte man aber auch bei den Universal-Lösungen darauf achten, dass die Anschlüsse an der Station zu allen Geräten passen, die angeschlossen werden sollen.

Wem die Grafikleistung seines Notebooks nicht genügt, dem hilft eine Dockingstation auch nicht weiter. Als Lösung kommen höchstens externe Grafikkarten infrage, die meist per USB mit dem Notebook verbunden werden. "Eingebaute Chips erzielen aus Platz-, Wärme- und Kostengründen oftmals nur eine durchschnittliche Leistung", sagt Informatik-Experte Hermsdorf. In vielen Fällen sei diese ausreichend. Bei Spezialanwendungen wie Videoschnitt oder anspruchsvollen 3D-Spielen könne es aber ratsam sein, eine externe Grafiklösung anzuschaffen. Analog dazu verhält es sich mit externen USB-Soundkarten, die Hobbymusikern mehr Möglichkeiten und Musikfreunden eine bessere Klangqualität bieten können.

(dpa)