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Perlen für den Gaumen: Das sollten Sie wissen

Eine Frau greift zu einem Glas Sekt (Symbolbild)

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Eine Frau greift zu einem Glas Sekt (Symbolbild)

Champagner, Sekt, Crémant? Was sie unterscheidet und was für die Hochzeitssaison Trend ist, weiß Marlies Fischer.

Weiße Kleider, Blumen, Tränen, Glockengeläut: Im Mai wird besonders gern geheiratet. Und auf jeden Fall muss am schönsten Tag im Leben prickelnd auf die Zukunft angestoßen werden. Aber womit – Champagner, Sekt, Cava, Crémant oder Prosecco? Es gibt große Unterschiede bei den perlend-alkoholischen Getränken.

"Sekt mit Orangensaft ist nicht mehr gefragt", weiß Melanie Goldberg, Geschäftsführerin der Hochzeits-Agentur Marry me. "Eher wird Crémant verlangt, der günstiger ist als Champagner, ein erfrischender Cocktail." Und da ist nicht mehr Hugo angesagt, sondern ein Drink namens Lillet Wild Berry. Dafür wird Lillet, ein Aperitif aus Weinen und Fruchtlikören, mit Eis, Früchten und alkoholfreier Limonade aufgegossen.

Getrunken wird in der Regel aus normalen Sektflöten. "Sektschalen hat keine von uns vermittelte Location mehr im Programm", sagt Goldberg, die pro Jahr 40 Hochzeiten in Hamburg und Umgebung sowie bis zu 30 im Ausland organisiert. Schalen waren vor allem in den 50er- bis 70er-Jahren in Mode. Aber sie sind unpraktisch, weil Perlen und Bukett des Getränks zu schnell aus der zu großen Oberfläche entweichen.

Crémant ist in der Tat fast wie Champagner und etwas anders als Sekt. Seit dem 1. September 1994 werden in der EU moussierende Getränke mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung so benannt, die außerhalb der Champagne nach dem Verfahren der Flaschengärung (französisch méthode champenoise) hergestellt werden. Bekannte Vertreter sind der Crémant d'Alsace aus dem Elsass oder Crémant de Loire aus dem Gebiet der Loire. In Deutschland ist der Winzersekt das Pendant zum Crémant.

Seinen Erfolg verdankt der Champagner auch deutschen Winzern

Deutschland gilt als der weltweit größte Schaumweinmarkt, weil 2012 von den rund zwei Milliarden Flaschen Sekt, die in der Welt erzeugt werden, rund 423 Millionen Flaschen in Deutschland getrunken wurden. Trocken oder süß, rot, weiß oder rosé, aus dem Supermarkt oder vom Winzer: Die Auswahl ist riesig und der Preis niedrig. Durchschnittlich kostet eine Flasche weißer Sekt 3,74 Euro.

Champagner gibt es dafür natürlich nicht. Beim Discounter kostet die Flasche zwar weniger als 20 Euro, aber es gibt auch Sorten, die dreistellige Euro-Preise aufrufen. Er darf nur aus der Champagne, dem Weinbaugebiet nordöstlich von Paris, stammen. Kreidehaltiger Boden und kühles Klima bieten optimale Bedingungen für die weißen Trauben.

Bei der Produktion gelten strenge Richtlinien. Dazu gehören unter anderem eine vorgegebene Pflanzendichte, Handlese, eine schnelle und schonende Pressung, die Flaschengärung und eine Mindestlagerzeit auf der Hefe. Überdies erfordert das gegorene Produkt spezielle Flaschen mit besonderen Korken, welche dem Überdruck standhalten.

Seinen Erfolg verdankt der Champagner auch deutschen Winzern und Kaufleuten. Der Westfale Florenz-Ludwig Heidsieck gründete 1785 in Reims sein eigenes Unternehmen. Die drei Söhne des Kölner Bankiers und Weinhändlers P. A. Mumm investierten 1814 ihr Kapital in die Firma P. A. Mumm & Co. Der Mainzer Johann Krug und der Württemberger Jacob Bollinger kamen im 19. Jahrhundert mit fachlichen und kaufmännischen Kenntnissen über die Grenze. Ihre Familiennamen stehen noch heute für teuerste und feinste Sorten.

Johann Strauß hat dem Champagner in seiner Operette "Die Fledermaus" ein musikalisches Denkmal gesetzt. "Die Majestät wird anerkannt rings im Land, jubelnd wird Champagner der Erste sie genannt", singt die Festgesellschaft beim Prinzen Orlofsky. Und in der DDR riet Sängerin Angelika Mann 1977 in ihrem Champus-Lied "Trink den Champagner wie das Leben". Nur dass die meisten DDR-Bürger ihn gar nicht kaufen konnten, sondern mit süßem russischen Krimsekt zufrieden sein mussten.

Wer zu italienischen Antipasti das passende Getränk servieren möchte, wird Asti Spumante oder Prosecco einschenken. Entscheidend und namensgebend ist hier die Rebsorte, eine weiße Traube aus der norditalienischen Provinz Treviso. Seit 2010 ist laut EU-Verordnung Prosecco allerdings nicht mehr der Name einer Rebsorte, sondern eine Herkunftsbezeichnung für das spezielle Anbaugebiet in Norditalien. Denn auch hier gibt es große Preis- und Qualitätsunterschiede, zu erkennen etwas am Schraubverschluss oder richtigen Korken. Und ja, das italienische Prickel-Getränk gibt es auch in handlichen 0,2-Liter-Dosen.

Trocken und teuer: Cava aus Spanien wird in Deutschland immer gefragter

Champagner, Sekt und Co. nennen die Briten "sparkling wine" oder schlicht "bubbly". Auf der Insel beginnt jetzt wieder die Saison mit Pferderennen in Ascot, Tennis in Wimbledon und Opern in Glyndebourne. Überall wird alkoholischer Sprudel ausgeschenkt, und zwar zunehmend aus heimischer Produktion. Weinexperten prophezeien schon, dass Traubenerzeugnisse aus Südengland den französischen Marken große Konkurrenz machen könnten.

Deutschland ist neuerdings ein wichtiger und vor allem wachsender Markt für Cava. Dieser spanische Qualitätsschaumwein muss bei traditioneller Gärung mindestens neun Monate in der Flasche verbringen, kommt überwiegend aus dem Weinanbaugebiet Penedès in Katalonien und reift in kühlen Kellergewölben. Der Name leitet sich deshalb von "cueva" ab, was auf Spanisch Höhle oder Keller bedeutet. Die Sorten Riserva und Gran Riserva haben sehr wenig Restsüße, sind trocken wie Champagner und auch so teuer. Aber zur Hochzeit sind viele großzügig. Schließlich soll es der schönste Tag im Leben sein.

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