07.06.12

Steigende Arbeitsbelastung

1400 Prozent mehr Fehltage durch Diagnose Burnout

Seit 2004 ist die Zahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen rasant gestiegen. Neben Burnout sind Angststörungen oder Rückenleiden Gründe.

Foto: picture-alliance / beyond/Chris/beyond/Chris Müller
Burnout
Die Diagnose Burnout führte laut einer Untersuchung seit 2004 zu einem extremen Anstieg der Fehltage bei Arbeitnehmern

Berlin. Die Volkskrankheit Burnout wirkt sich laut einer Untersuchung immer stärker auf die Fehltage der Arbeitnehmer aus. Deren Zahl nach einer Burnout-Diagnose ist einer Studie zufolge seit dem Jahr 2004 um fast 1.400 Prozent gestiegen.

Symptome wie Antriebsschwäche, gedrückte Stimmung, Reizbarkeit, Erschöpfung seien durchaus ernst zu nehmen, sagte der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Rainer Richter, am Mittwoch bei der Vorstellung der Untersuchung "Arbeitsunfähigkeit und psychische Erkrankungen 2012". Im Jahr 2004 fehlten demnach 100 Versicherte 0,6 Tage aufgrund eines Burnouts, 2011 waren es neun Tage.

+++Soziale Anerkennung senkt Risiko für Burnout+++

+++Psychotherapeuten suchen nach einer Burn-out-Definition++

In 85 Prozent der Fälle werden Richter zufolge neben Burnout auch eine psychische oder körperliche Erkrankung wie etwa Depressionen, Angststörungen oder Rückenschmerzen diagnostiziert.

Burnout-Ursache immer abklären lassen

Erschöpft, niedergeschlagen, antriebslos, vom Job entfremdet: Wer sich über Wochen und Monate so fühlt, sollte unbedingt einen psychologischen Experten zurate ziehen. Denn das können Anzeichen für einen Burnout sein, warnt die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) in Berlin. Und ein Burnout wiederum kann Vorbote einer ernsthaften psychischen oder körperlichen Erkrankung sein. Er gilt nicht als eigenständige Erkrankung, kann aber durchaus zu Krankschreibungen führen.

Bei 85 Prozent der Krankschreibungen wegen Burnouts diagnostizierte der Arzt zusätzlich psychische Probleme wie eine Depression oder körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen. Das ergab eine Studie, die die BPtK am Mittwoch (6. Juni) in Berlin vorstellte. Nur 15 Prozent der Burnout-Krankschreibungen erfolgten demnach ohne weitere Diagnose. Doch auch dann könne ein Burnout auf eine entstehende psychische oder körperliche Erkrankung hinweisen.

Ein Warnzeichen sollte es sein, wenn ein Arbeitnehmer auch in seiner Freizeit ständig über den Job nachgrübelt und dadurch keine Distanz mehr zu seiner Tätigkeit schaffen kann. "Nach einer anstrengenden Arbeit ist eine gewisse Erschöpfung angemessen, beim Burnout hält das Gefühl des Ausgelaugtseins und der Überlastung aber nicht nur ein paar Tage an", sagte BPtK-Präsident Prof. Rainer Richter. "Wenn es über eine längere Zeit nicht mehr gelingt, den Kopf frei zu kriegen, sich wieder zu erholen, ist das ein Alarmsignal."

Eine Krankschreibung könne auch dann schon sinnvoll sein, um einer ernsthaften psychischen Erkrankung vorzubeugen. Denn die Seele habe ein großes Selbsthilfe- und Selbstheilungspotenzial, das sich zum Beispiel in einer Auszeit vom Job aktivieren lasse. Allerdings müsse dafür schnell abklärt werden, was wirklich hinter den Symptomen steckt, betont Richter. Ist zum Beispiel bereits eine Depression im Entstehen, sei verordnete Ruhe meistens falsch, denn sie nehme den Betroffenen nur noch mehr inneren Antrieb.

Burnout-Syndrom
Burnout bedeutet soviel wie "ausgebrannt sein". Ein Burnout-Syndrom bekommen meist Menschen, die über lange Zeit an ihrer Leistungsgrenze arbeiten, sich in ihrem Beruf überengagieren und extrem hohe Erwartungen an sich selbst stellen.
Gerade weil Burnout vor allem ehrgeizige Mitarbeiter trifft, ist deren schleichendes Abgleiten in den Burnout oft nicht erkennbar.
Ausgangspunkt ist oft Überengagement im Beruf, der zum Lebensinhalt wird. Der Betroffene verleugnet seine Bedürfnisse.
Anzeichen sind häufige Flüchtigkeitsfehler, völlige Erschöpfung, chronische Müdigkeit, Energiemangel und Konzentrationsstörungen.
Oft folgt ein reduziertes Engagement, einige Betroffene machen Schuldzuweisungen und werden aggressiv.
Es kann aber auch zu Depressionen und Angststörungen kommen. Die Suchtgefahr steigt.
Wer einem Burnout-Syndrom vorbeugen will, sollte sein Privatleben stärker pflegen, Konfliktstrategien erlernen, häufiger Kompromisse durchsetzen und sich gegen Überforderung im Beruf wehren.
(dapd/dpa)
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Fussball
20:00Rückblick
Tore, Skandale, Absteiger: Das war die 50. Bundesliga-Saison

Der Mega-Transfer von Mario Götze zum FC Bayern, der Absturz von Tim Wiese bei 1899 Hoffenheim, Torschützenkönig Stefan Kießling oder das Ende der Ära von Thomas Schaaf in Bremen - das bleibt hängen. mehr...


Ein Bild, das alles sagt: Rafael van der Vaart am Boden
17:49Fußball-Bundesliga
Nur Kampf reicht nicht - HSV verpasst Europa

Der HSV hat den Einzug in die Europa League am letzten Spieltag verpasst. Die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink unterlag 0:1 gegen Bayer Leverkusen. Kießling trifft und wird Torschützenkönig. mehr...


Fassungslos: Die Düsseldorfer Jens Langeneke (l.) und Andreas Lambertz
18:22Bundesliga-Abstieg
Wahnsinns-Finale: Fortuna steigt ab, 1899 in der Relegation

Düsseldorf nach 0:3 in Hannover direkt wieder abgestiegen. Salihovic rettet Hoffenheim mit zwei verwandelten Elfmetern in die Relegation. Augsburg nach schwacher Hinrunde doch noch gerettet. mehr...


Ein von Trümmern verwüstetes Einkaufszentrum in Erfurt. Heftige Unwetter mit Hagel hatten das Glasdach des Marktes einstürzen lassen
17:51Wetter
Heftige Unwetter verhageln das Pfingstwochenende

In Erfurt stürzte das Glasdach eines Supermarktes ein. Hunderte Feuerwehrleute waren mit dem Auspumpen von Kellern beschäftigt. Ein Blitz schlug in ein Wohnhaus ein. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Berlin
So wenige Drogentote wie seit 25 Jahren nicht mehr

In Deutschland gibt es immer weniger Drogentote. Laut der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, sind die Zahlen auf…mehr »

Top Bildergalerien mehr
HSV

Das Spiel gegen Leverkusen in Bildern

Nordseeinsel

Sylter Marsch - vom Ellenbogen bis Hörnum

Entwürfe für neue Süderelbebrücke bei Moorburg

Eimsbüttel

Haltestelle Osterstraße ist jetzt barrierefrei

tb_meravis.gif
Meravis

Neuer Raum für Hamburgmehr

Highlights