04.02.13

Universitätsklinikum Eppendorf

Neues Gerät soll Krebstherapie präziser und schneller machen

Seit Montag ist am UKE eines der modernsten Bestrahlungssysteme weltweit im Einsatz. Die Behandlungsdauer verkürzt sich von 30 auf 5 Minuten.

Von Cornelia Werner
Foto: dpa
Neues Bestrahlungssystem für Krebspatienten im UKE
Das UKE hat eines der modernsten Bestrahlungssysteme für Krebspatienten in Betrieb genommen

Hamburg. Eines der weltweit modernsten Geräte für die Strahlentherapie wird jetzt am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Betrieb genommen. Es ist ein neuer Linearbeschleuniger, der während der Behandlung um den Patienten kreist und den Tumor aus verschiedenen Positionen mit unterschiedlicher Intensität bestrahlt. Dank neuer Technik kann er das bösartige Gewebe noch genauer als bisherige Geräte ins Visier nehmen und den Krebs auf den Millimeter genau mit Röntgenstrahlen zerstören, ohne gesundes Gewebe zu schädigen.

Eine Strahlentherapie hat immer das Ziel, durch die Anwendung von ionisierenden Strahlen, wie zum Beispiel Röntgenstrahlung, die Krebszellen so zu schädigen, dass sie sich nicht mehr vermehren können, oder sofort absterben. Eine Strahlentherapie gehört heute bei vielen Krebsarten zum Behandlungskonzept, das häufig aus mehreren Teilen besteht, wie zum Beispiel die Kombination von Operation, Chemotherapie, Bestrahlung und Hormontherapie beim Brustkrebs.

Doch die Strahlen können auch für gesundes Gewebe gefährlich werden. Deswegen geht es in der Strahlentherapie auch immer darum, den Tumor so präzise zu bestrahlen, dass das umliegende Gewebe möglichst keinen Schaden nimmt.

Der neue Linearbeschleuniger im UKE verfügt im Vergleich zu bisherigen Geräten über zwei zusätzliche Röntgenröhren am Boden, die durch diagonale Aufnahmen vom Patienten eine millimetergenaue Positionierung der Bestrahlung ermöglichen, wie Prof. Cordula Petersen, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am UKE, erklärte. Außerdem könne der Bestrahlungstisch jetzt in zwei zusätzlichen Ebenen korrigiert und Körperbewegungen des Patienten berücksichtigt werden. Für weitere Sicherheit sorgen Positionskugeln, die auf dem Körper des Patienten angebracht und von einer Laserkamera aufgenommen werden. Dank der neuen Technik kann die Strahlendosis von bisher drei bis fünf Gray pro Minute auf bis zu 24 Gray pro Minute erhöht und die Bestrahlungszeit dadurch von 30 Minuten auf drei bis fünf Minuten verkürzt werden.

Eingesetzt wird das neue Gerät vor allem, um Tumoren im Kopf- und Halsbereich zu behandeln. "Für den Patienten beinhaltet die Technik neue Chancen: Dank der großen Präzision können auch tiefer liegende Tumoren im Körper oder Gehirn, die bisher als kaum behandelbar galten, hoch dosiert bestrahlt werden. In solchen Fällen ersetzen die Röntgenstrahlen das Skalpell. Diese sogenannte Radiochirurgie kommt als Behandlung von außen ohne Schnitt oder Narben aus und bildet inzwischen häufig eine schonende Alternative zur Operation", sagte Privatdozent Dr. Jan Regelsberger von der Klinik für Neurochirurgie im UKE. So sei die gezielte Bestrahlung bei manchen Tumoren, zum Beispiel an der Schädelbasis oder am Hörnerv, eine echte Alternative zur Operation. Denn das Problem sind immer wieder tief liegende Tumoren, die nur schwer zu erreichen sind, oder solche, bei denen lebenswichtige Regionen des Gehirns in enger Nachbarschaft liegen. So ist für Regelsberger auch denkbar, einen Teil eines Tumors operativ zu entfernen und Tumorreste, bei denen ein Eingriff zu riskant ist, durch die Strahlentherapie zu zerstören.

Behandelt werden könnten mit dem neuen Gerät zum Beispiel auch kindliche Hirntumoren oder gutartige Tumore der Hirnanhangdrüse, sagte Privatdozent Dr. Andreas Krüll, Ärztlicher Leiter des Ambulanzzentrums am UKE, Bereich Strahlentherapie. Aber auch kleine Tumoren oder Metastasen in der Lunge, bei denen eine Operation nicht möglich sei, könnten so zerstört werden, ebenso kleine Tumore in der Leber oder in der Wirbelsäule und im Rückenmark sowie Missbildungen von Blutgefäßen.

Aber diese moderne Technik hat auch ihren Preis: Die Kosten für die Installation des neuen Linearbeschleunigers und eines weiteren Strahlentherapiegeräts, das bereits im Sommer 2012 in Betrieb genommen wurde, lagen insgesamt bei 5,5 Millionen Euro. Mit dem neuen Gerät können 60 Patienten pro Tag bestrahlt werden. "Die Behandlung kommt den stationären und ambulanten Patienten im UKE zugute", sagte Krüll. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Behandlung; ein weiteres Gerät dieser Art gibt es in Deutschland derzeit nur noch in der Universitätsklinik Freiburg.

Im UKE soll jetzt wissenschaftlich untersucht werden, welche Vorteile dieser Linearbeschleuniger für den einzelnen Patienten und für die Gesamtgruppe der Tumorpatienten haben wird, kündigte Prof. Martin Zeitz, der Ärztliche Direktor des UKE, an. Er geht davon aus, dass die Strahlentherapie durch die enormen technischen Verbesserungen künftig noch mehr Bedeutung bekommen wird - nicht nur in der Krebstherapie.

Und Hamburgs Wissenschaftssenatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt sieht das neue Strahlentherapie-Gerät als ein "anschauliches Beispiel" dafür, wie die physikalische Grundlagenforschung in moderne Behandlungsmethoden münden kann: "Linearbeschleuniger bringt man in Hamburg normalerweise eher mit Einrichtungen wie dem Desy in Verbindung."

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