15.11.12

Silikon-Skandal

Prozess um mangelhafte Brustimplantate abgesagt

Nach dem Skandal um mangelhaftes Silikon in Brustimplantaten ziehen erste Opfer vor Gericht. Der Prozessbeginn verzögert sich allerdings.

Foto: dapd
Prozess wegen Brustimplantaten
Eine Klägerin gegen den französischen Hersteller von Brustimplantaten, PIP, präsentiert vor Beginn eines Prozesses auf Schmerzensgeld und Schadenersatz das schadhafte Brustimplantat

Frankenthal. Ein Schadenersatzprozess um mangelhafte Brustimplantate vor dem Landgericht Frankenthal ist am Donnerstag abgesagt worden. Zuvor musste das Gerichtsgebäude wegen einer anonymen Bombendrohung geräumt werden. Ob ein Zusammenhang besteht, war völlig unklar. Ein neuer Termin für die Verhandlung stand zunächst nicht fest. Wie das Büro der Rechtsanwältin Ruth Schultze-Zeu in Berlin mitteilte, klagt die Mandantin unter anderem gegen den TÜV-Rheinland auf Schmerzensgeld und Schadenersatz.

Die Frau hatte sich Implantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) einsetzen lassen. 2010 wurde bekannt, dass diese mit mangelhaftem Billig-Silikon gefüllt waren. Der TÜV-Rheinland habe seine Überwachungspflichten nicht erfüllt, lautet der Vorwurf. Schultze-Zeu will unter anderem gerichtlich erreichen, dass der TÜV-Rheinland sämtliche Unterlagen und Daten zur Akteneinsicht zur Verfügung stellen muss, die sich mit dem Zertifizierungs- und Überwachungsverfahren befassen.

In einem ersten Prozess zu einem ähnlichen Fall am Dienstag in Karlsruhe hatten die Richter den betroffenen Frauen wenig Hoffnung auf schnellen Schadenersatz gemacht. Weder die deutschen Aufsichtsbehörden noch die Versicherung des Herstellers seien nach erster Einschätzung verantwortlich, hatte der Vorsitzende Richter am Landgericht in der mündlichen Verhandlung gesagt.

In Deutschland sind nach Behördenangaben rund 5000 Frauen betroffen. Allein eine Kanzlei in München vertritt nach eigenen Angaben rund 250 PIP-Geschädigte. Gegen den Firmengründer läuft zudem ein Anklageverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung. Er hatte zugegeben, bewusst das billigere Silikon eingesetzt zu haben.

Brustimplantate in Deutschland
Weltweit sollen bis zu 500 000 Frauen bei Brustvergrößerungen minderwertige Silikonkissen der französischenFirma PIP erhalten haben. In Deutschland wird ihre Zahl auf bis zu10 000 geschätzt. Es gibt Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe. Weitere Zahlen und Fakten:
- Brustvergrößerungen sind die häufigsten plastischen Operationen in Deutschland.
- Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie (DGÄPC) ließen sich im Vorjahr 29,2 Prozent der weiblichen Patienten, die einen Schönheitschirurgen aufsuchten, die Brust vergrößern.
- Fettabsaugung (17,5 Prozent) und Lidstraffung (12,9 Prozent) folgten auf den Plätzen zwei und drei.
- Die DGÄPC geht davon aus, dass sich die Zahl der jährlichen Eingriffe von 2001 bis 2011 von rund 20 000 auf knapp 60 000 fast verdreifacht hat. Genaue Zahlen werden nicht erfasst.
- Rund 80 Prozent der Patientinnen, die sich die Brust vergrößern lassen, wünschen sich aus ästhetischen Gründen einen größeren Busen, chätzt die DGÄPC. Bei den übrigen Eingriffen wird die Brust aus medizinischen Gründen wieder aufgebaut - zum Beispiel nach einer Krebsoperation.
dpa
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