27.11.12

Berufsalltag

Auspowern oder faulenzen: Richtig abschalten

Kurze Pausen nützen nichts, wenn man nicht richtig abschaltet. Das gilt auch am Feierabend: Wer weiter an die Arbeit denkt, macht sich Stress.

Von Lea Sibbel
Foto: pa/chromorange
Frau liest ein Buch
Abschalten nach der Arbeit ist wichtig: dabei helfen können Lesen oder Ausdauersport

Dresden. Berufstätige kommen entspannter aus dem Büro, wenn sie schon während der Arbeit mehrere kurze Pausen machen. "In den Pausen sollte ich etwas ganz anderes machen", sagte Prof. Dirk Windemuth vom Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Für manche ist es hilfreich, dann zum Beispiel kurz vor die Tür zu gehen. "Oder ich setze mir einen Signalreiz", erklärt Windemuth. Das heißt: Der Berufstätige verändert nur eine Kleinigkeit – stellt beispielsweise ein Bild vor sich auf den Schreibtisch – und signalisiert sich damit: Jetzt habe ich Pause.

Nach Feierabend sollten Berufstätige dann richtig abschalten. Dazu gehört, nur noch im Notfall für den Chef erreichbar zu sein. Und die E-Mails – trotz aller technischen Möglichkeiten – E-Mails sein zu lassen. Denn die Trennung von Arbeit und Privatleben ist wichtig: Zieht sich der Stress durch beide Bereiche, kann das schlimmstenfalls zum Burnout führen.

Beim Autokonzern Daimler versucht derzeit die Chefetage, die Work-Life-Balance seiner Mitarbeiter zu verbessern: Sind sie im Urlaub, werden Mails, die in ihrem Postfach ankommen, gelöscht – wenn sie das vorher so verabredet haben. Eine Abwesenheitsnotiz verweist die Absender an einen Vertreter. Den Chef um solch eine Regelung zu bitten, hält Windemuth allerdings für wenig sinnvoll: "Das zeigt nur, dass ich selbst nicht genug Disziplin habe."

Statt im Urlaub oder nach Feierabend weiter der Arbeit nachzugehen, sollten Berufstätige die Zeit für ihre Hobbys nutzen. Vor allem Sport baut Stress ab. "Ausdauersport hat außerdem den Vorteil, dass er mich körperlich stressresistenter macht", erklärt Windemuth. Kleine Stresssoren lassen Puls und Blutdruck so nicht mehr in die Höhe schnellen. Diese präventive Wirkung hat Yoga nicht – zur Entspannung tut es trotzdem gut.

Ein weiterer Stresspuffer: soziale Unterstützung. Nach Feierabend sollten sich Berufstätige mit Menschen austauschen, die ihnen wichtig sind. Das kann für den Arbeitsplatz ebenso gelten: "Wenn es Kollegen gibt, bei denen ich mich ausheulen kann, baut das auch Stress ab", sagt Windemuth.

Sport, mit der Familie quatschen, ins Kino gehen – auch die Freizeittermine sollten nicht in Stress ausarten. Deshalb ist manchmal der beste Tipp für den Feierabend: Nichtstun. "Sie können sich auch aufs Sofa werfen, den Fernseher anmachen oder einen Schundroman lesen", sagt Windemuth. Das Faulenzen sollte nur nicht die Regel werden.

dpa
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