In eigener Sache Für Abendblatt-Abonnenten bleibt der Zugang kostenlos

Foto: Hamburger Abendblatt

Selten löste eine Ansichtssache so viele Kommentare aus. Das Bekenntnis von Matthias Iken zum Paid content bewegt viele - und regte ihn zu Antworten an.

Hamburg. Liebe Leserinnen und Leser,

es bedarf ja nicht vieler Sätze, um sich mit der halben Nutzerschar im Netz anzulegen. Aber wer austeilt, muss auch einstecken können. Daher versuche ich, auf einige Kommentare einzugehen. Eines noch vorweg, weil es wichtig ist: Abonnenten der Zeitung zahlen natürlich NICHTS für unsere Internet-Inhalte, weil im Printabo die Nutzung sämtlicher Inhalte enthalten ist.

1. DIE ANSICHTSSACHE VON MATTHIAS IKEN

2. SO GEHT'S FÜR PRINT-ABONENNTEN

3. SO GEHT'S FÜR NEUE KUNDEN

Hans Dampf: Tja, das war's dann wohl. RSS-Feeds sind gelöscht und neue bei n-tv und Tagesschau angelegt. Solange es weiterhin kostenfreie Alternativen gibt, wird ein kostenpflichtiges Abo nicht funktionieren.

Lieber Hans Dampf, vielleicht funktioniert es nicht. Aber sicher funktioniert Tagesschau.de gerade deshalb so gut, weil jeder GEZ-Gebühren zahlt.

C. Lindström: Das wird sich nicht durchsetzen. Es wird immer ein Gratisanbieter kommen oder bleiben, der dann eine Art Monopolstellung hat und sich über die Werbeeinnahmen finanzieren kann. Wer nutzt denn schon im Internet privat z.B. kostenpflichtige Email-Service oder Communities? Würde Facebook Gebühren kassieren, sind in einem Monat alle bei Gratis-Konkurrenz.

Liebe C. Lindström, Ich denke eher: Es werden sich nur so lange Gratisanbieter finden, wie sich Investoren ein Geschäft versprechen. Denn dieser Ansatz gilt auch in der Netökonomie. Die Netzeitung zum Beispiel, als erste eigenständige Zeitung im Web, wird leider zum Jahresende eingestellt. Sämtlichen Mitarbeitern soll betriebsbedingt gekündigt werden. Zwölf Stellen sind davon betroffen. Wer ist daran Schuld? Das System?

Exil Hamburger meint: Schickt Herrn Iken als Pressesprecher zu HSH, der hat die richtigen Ideen zu Sanierung des Ladens

Lieber Exil-Hamburger. Danke für den Tipp. Aber der Vergleich hinkt: Denn dort hat man heute die Riesenprobleme, gerade weil man das Geschäftsmodell nicht in Frage gestellt hat.

Michael Klen meint: Wer so redet wie Sie, der hat das Internet noch längst nicht verstanden. Kurz: The best things in Internet are free. Dafür gibts genügend Beweise im Netz: Die höchste Qualität haben immer noch kostenlose Dienste und das sind gerade diejenigen Ideen, die ihre Erfinder zu Mega-Millonären gemacht haben. Zu Tausenden!

Lieber Herr Klen: Klar hat das Internet Erfinder zu Millionären gemacht – es sei ihnen gegönnt. Dass die besten Dinge im Netz aber umsonst sind, halte ich für eine unbewiesene Annahme aus Zeiten des "New-Economy"-Geschwätz. Apple mit iTunes beweist beispielsweise gerade das Gegenteil.

Gundula Gause meint:Au ja, Mäuschen in der Chefetage wär ich auch gern jetzt. Habt Ihr Redakteure je so viel Resonanz bekommen? Wie viele sind es bis jetzt? Und was sagt Ihr dazu?

Liebe Gundula Gause: Bald hat diese Ansichtssache tatsächlich so viele Kommentare wie Dieter Matz mit seinem HSV-Blog Matz ab. Dann hat die Ansichtssache ja schon einmal ein Ziel erreicht: Eine Diskussion in Gang setzen – und die finde ich – abgesehen von einer Prise zuviel Häme und Haß hie und da – durchaus zielführend. Trotzdem bleibe ich dabei: Warum sollen wir unseren Content verschenken? Selbst der Internet-Guru Jeff Jarvis lebt davon, seine Untergangsgesänge auf die alten Medien in einem verdammt alten Medium zu verkaufen – im Buch.

Jule Berck meint: Warum beschimpfen Sie mich, wenn Sie mich erreichen wollen? Ob ich nun drei Euro für einen "Kaffee im Pappbecher" ausgebe oder nicht, ist doch ganz allein meine Angelegenheit. Sie können das blöd finden, aber so ist das nun mal in der freien Marktwirtschaft. Ich kann mein Geld nur einmal ausgeben - und Sie können mich nicht zwingen, mein Geld für Ihr Produkt auszugeben.

Liebe Jule Berck: Mein Text war keine Beschimpfung, sondern ein Vergleich. Jeder kann sein Geld ausgeben, wie er will. Aber genauso wenig, wie die Coffeeshops ihren Kaffee verschenken, verschenken wir fortan unsere Inhalte. Auch das gehört zur Freiheit.

Diddi Decker meint: Unverschämt

Lieber Diddi Decker. Was ist unverschämt – einzufordern, etwas aus Gewohnheit für immer kostenlos zu bekommen? Oder für etwas, das in der Produktion Geld kostet, auch Geld zu verlangen?

Eike Läken meint: Guten Tag, grundsätzlich bin ich bereit für Inhalte zu zahlen. Allerdings ist es so, dass mich nur einige wenige Artikel interessieren (ca. 2-3 pro Seitenbesuch) und ich außerdem auch nicht jeden Tag die Zeit besitze die Seite Abendblatt.de zu besuchen. Daher besuche ich sie nur ca. 10 Mal pro Monat! In Betrachtung dessen, sind fast 8 Euro im Monat völlig überteuert, sodass ich diese nicht zahlen will und kann. Daher schlage ich ein Kontosystem vor. Diese könnte man im Vorhinein mit ein paar Euro füllen, um dann bei Bedarf einzelne Artikel abrufen zu können und diese mit einem Klick einzeln zu bezahlen. Ein Betrag von 10 Cent pro Artikel finde ich durchaus angemessen!

Liebe Frau Läken, auch Ihnen Guten Tag. Ihr Vorschlag klingt plausibel – wir denken darüber nach. Danke