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Vater der Araber

Er kommt als Erster, geht als Letzter und hat immer ein offenes Ohr. Seit es die Embassy of Hope, das Willkommens- und Sprachcafé für Flüchtlinge und Hamburger, im Theater Thalia in der Gaußstraße gibt, ist Gábor Thury so ziemlich der wichtigste Mensch dort. Er beantwortet Fragen, bringt Menschen zusammen, sorgt für Tee, Kaffee und Lernmaterial. Das hat ihm den Spitznamen "Abu Arab" (Vater der Araber) eingebracht. "Diese Arbeit hat mich verändert", sagt der 25-jährige Ungar, der erst im August nach Hamburg gezogen ist.

Für zwei Jahre ist der Budapester als Dramaturgie-Assistent am Thalia Theater engagiert. "Zu Hause hatte ich nichts mit Flüchtlingen zu tun", sagt der junge Mann, der aus einer Künstlerfamilie mit deutschen Vorfahren stammt. Aber er hat sich schnell eingearbeitet, viel gelesen. "Das Wichtigste sind die Begegnungen." Er versuche immer, den einzelnen Menschen zu sehen, jenseits "des Flüchtlingsstempels, der alle gleich macht".

Dabei hilft, dass er selbst kein Deutscher ist – aber Deutschland mag, vor allem Hamburg. "Das ist eine Stadt, in der anders als in Berlin noch viel unentdeckt ist", sagt Thury. Auch er hat den Blick des Fremden. Nebenbei schreibt er an einem Theaterstück, das im Herbst in Ungarn Premiere hat. Dabei geht es darum, wie das europäische Land, das gerade durch Abschottung von sich reden macht, in 20 Jahren aussieht. Auch das ist eine Transferleistung für den Theatermann, der nahe der Hoheluftchaussee wohnt und gern Tennis spielt. Und was macht er, wenn er Heimweh hat? "Dann koche ich ein ungarisches Gulasch."

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