Google will offenbar den Videospielmarkt aufmischen: Nach Medienberichten plant der US-Konzern eine Videospielkonsole auf Basis seines Android-Betriebssystems. Auch die Entwicklung einer Smartwatch und des Unterhaltungssystems Nexus Q wird offenbar vorangetrieben.

Hamburg/New York. Google greift erneut an - und diesmal den Videospielmarkt: Der US-amerikanische Multimedia-Konzern plant einem Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ) zufolge eine eigene Videospielkonsole auf Grundlage seines Betriebssystems Android. Auch das Gerücht, Google entwickle eine mit Software erweiterbare, intelligente Armbanduhr und eine neue Version seines Unterhaltungssystems Nexus Q, wurde durch den Bericht erhärtet. Apples größter Konkurrent aus Mountain View (Kalifornien) wolle die Nutzung des Android-Systems über Smartphones und Tablets hinaus erweitern. Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf unbenannte Quellen.

Bekannt ist Googles Android-Betriebssystem vor allem als Rivale des iPhone-Systems iOS vom US-Computerriesen Apple und von anderen Mobilsystemen wie Windows Phone. Google wollte sich auf Nachfrage der Zeitung nicht zu dem Bericht äußern.

Mit dem Betriebssystem Android hat Google mittlerweile die höchste Marktdurchdringung im Bereich mobiler Geräte. Nach Zahlen der Marktforschung IDC liefen drei von vier verkauften Smartphones im ersten Quartal mit der Google-Technik, bei Tablets waren es 57 Prozent. Auf den Mobilgeräten verdient Google vor allem an Werbung und dem Verkauf von Apps mit.

Angriff auf Sony, Microsoft und Nintendo

Mit der nun angedachten Hardware-Offensive würde die Internetfirma auch die Videospiel-Platzhirsche Sony und Microsoft sowie Nintendo angreifen. Deren neueste Spielkonsolen werden immer mehr zu Unterhaltungszentralen: Neben Spielen bieten diese auch Funktionen fürs Heimkino, für Videotelefonate und vieles mehr. Die neue Microsoft Xbox und die PlayStation 4 von Sony sollen noch vor Weihnachten in die Geschäfte kommen. Es gibt aber auch schon mit der über ein Kickstarter-Projekt finanzierten Quya eine Spielekonsole auf der Basis von Android.

Der Onlinespiele-Markt ist riesig: Die Unternehmensberatung PwC schätzt, dass die Umsätze für Videospiele auf Konsolen 2012 weltweit bei rund 25 Milliarden US-Dollar (19 Mrd Euro) lagen. 2017 sollen sie rund 31 Milliarden Dollar erreichen. Zuletzt waren herkömmliche Konsolenspiele durch die Konkurrenz von Spielen auf mobilen Geräten unter Druck geraten. Google könnte mit einer Android-Konsole beide Welten stärker miteinander verbinden, schreibt die Zeitung.

Dem Google-Konkurrenten Apple wird seinerseits seit längerem nachgesagt, an einer intelligenten und mit Software erweiterbaren Armbanduhr, einer sogenannten Smartwatch, sowie einer neuen Version seines Unterhaltungssystems „Apple TV“ zu arbeiten. Google hatte im vergangenen Jahr bereits ein Unterhaltungssystem namens Nexus Q vorgestellt, es aber bereits wenige Wochen nach der Präsentation wieder eingestellt. Das Gerät sollte es erlauben, über einen Fernseher Filme aus dem Internet anzusehen oder über Lautsprecher Musik aus der eigenen Sammlung oder ebenfalls aus dem Netz zu hören.

Google hat sein Betriebssystem Android darauf angelegt, dass es nicht nur auf Handys oder Tablets laufen kann – sondern auf einer Vielzahl unterschiedlicher Systeme. Der Konzern entwickelt derzeit auch eine Computerbrille, die über einen Minibildschirm verfügt und über Sprachbefehle gesteuert werden kann. Denkbar sind zudem Anwendungen für Haushaltsgeräte wie Kühlschränke.

Google hofft auf die Hilfe privater Organisationen

Google lädt zudem private Organisationen zum Mitmachen bei seinem Kartendienst Streetview ein. Universitäten, Tourismusbehörden oder Wissenschaftler können sich darum bewerben, Aufnahmen für Streetview beizutragen, wie Google am Donnerstag mitteilte. Sie bekommen dann einen speziellen Rucksack von Google ausgeliehen, auf dem eine Kamera montiert ist.

Die Kamera macht beim Wandern Aufnahmen in alle Richtungen. Jede 2,5 Sekunden wird ein Foto geschossen, erläutert Google. Die Daten werden später in den Streetview-Dienst aufgenommen. Auch die Tourismusstellen haben etwas von dem Kameradienst für Google, könnten die Bilder doch mehr Menschen von einem Besuch vor Ort überzeugen.

Der erste Partner ist die Tourismusbehörde von Hawaii, die Fotos von Wanderwegen entlang von Vulkanlandschaften beisteuert. „Wir werden dieses Pilotprogramm in den kommenden Monaten für eine begrenzte Anzahl von Gruppen weltweit öffnen“, schreibt Google auf einem Firmenblog. Streetview zeigt in Googles Kartendienst Aufnahmen aus der Straßenperspektive an. Google ergänzte den Dienst immer wieder um spektakuläre Aufnahmen, etwa Unterwasserbilder vom Great Barrier Reef vor Australien.

Heftige Diskussionen in Deutschland

In Deutschland gab es bei Einführung des Dienstes heftige Diskussionen um den Datenschutz, weil Fotos von Hausfassaden, Autos und Passanten online zugänglich gemacht werden. In Streetview werden allerdings Autokennzeichen und Gesichter mit einem Filter anonymisiert. Bewohner in Deutschland konnten ihre Häuser und Wohnungen auf Antrag ebenfalls „pixeln“ lassen. Nach Angaben von Google gingen rund 244.000 Anträge, die vor dem Start bearbeitet werden mussten. Diese Gebäude erscheinen unwiderruflich verpixelt, da der Konzern sich verpflichtet hat, das Rohdatenmaterial zu löschen.

Wie bei den neuen Aufnahmen mit zufällig geknipsten Touristen umgegangen wird, geht aus Googles Ankündigung nicht hervor. Vermutlich werden auch hier die Gesichter unkenntlich gemacht.

Der Deutsche Tourismusverband reagierte verhalten auf die Ankündigung. Es gäbe ja bereits Möglichkeiten, sich im Internet authentische Aufnahmen von schönen Landschaften oder touristischen Attraktionen anzuschauen, sagte Hauptgeschäftsführerin Claudia Gilles der Nachrichtenagentur dpa. „Foto-und Video-Sharing-Plattformen bieten diesen Dienst. Bisher hat Google seine Pläne noch nicht an uns herangetragen, in den Regionen wird das Angebot mit Interesse geprüft werden.“