27.02.13

Papst-Rücktritt

Benedikt verabschiedet sich mit einem "Vergelt's Gott"

Pilger aus aller Welt verabschieden das Oberhaupt der katholischen Kirche in den Ruhestand. Und Benedikt XVI. zeigt sich den Menschen zugewandt wie selten zuvor in den acht Jahren seines Pontifikats.

Von Bettina Gabbe
Foto: dpa

„Ein herzliches Vergelt’s Gott“: Papst Benedikt XVI. hat sich mit einer Generalaudienz von den Gläubigen verabschiedet

12 Bilder

Rom. Die ersten Mönche eilen bereits vor Sonnenaufgang mit langem Pilgerstab durch den Park an der Engelsburg Richtung Petersplatz. Wer einen guten Platz ergattern will, steht an diesem Mittwochmorgen sicherheitshalber besonders früh auf. Die Straßen rund um den Vatikan wurden schon am Vorabend der letzten Generalaudienz mit Papst Benedikt XVI. weiträumig abgesperrt.

Viele deutsche Gläubige saßen am Dienstag bei der Anreise in Bussen wegen in einer Vollsperrung auf der Autobahn nördlich von Rom fest. Nach der Ankunft im Pilgerheim blieb gerade noch Zeit für ein nächtliches Abendessen und wenige Stunden Schlaf, bis es wieder früh morgens in den Bus ging, um vor der Generalaudienz im chronisch dichten Verkehr nicht erneut stecken zu bleiben. Als sie sich dem Petersplatz nähern, sind Mühe und Schlafmangel wie weggeblasen. "Für uns ist das ein großer Tag, wir wollten uns unbedingt von unserem Papst verabschieden", sagt einer von ihnen. Mit seiner Frau, seiner erst ein Jahr alten Tochter und einer riesigen Bayernfahne steht der Mann mit Schnauzbart wie ein Fels in der Brandung, bis der Papst seine Ansprache an die Pilger auf Deutsch zusammenfasst. Da antwortet er seinem Joseph Ratzinger, indem er begeistert die Fahne schwenkt.

Nicht jeder wusste, dass eine Anmeldung im Internet erforderlich war, um eine der diesmal besonders begehrten Eintrittskarten für die Generalaudienz zu bekommen. "Wir sind kurzentschlossen hergeflogen und versuchen es ohne Karten", sagt ein Pilger aus Ingolstadt. Ein New Yorker, der mit breitem Lächeln und modischer Brille aus Horn-Imitat eine kleine gelb-weiße Vatikanflagge trägt, gesteht ein, dass er geweint hat, als er vom Rücktritt des Papstes hörte. "Ich komme ein Mal im Jahr nach Rom, um meine geistigen Batterien aufzuladen – und um zu essen", fügt er lachend hinzu. Er ist Benedikt dankbar, weil er den Traditionalisten die Feier der alten lateinischen Messe erleichtert habe. Sein Nachfolger müsse unbedingt gegen eine Ausweitung von Sterbehilfe und Abtreibung und "unnatürlicher Ehen" kämpfen, sagt er – und meint damit offenbar gleichgeschlechtliche Partnerschaften.

Papst-Kritik wirkt wie weggewischt

Kritik wegen Benedikts Annäherung an die Traditionalisten der Pius-Bruderschaft sowie Spekulationen über Sex-Skandale und Machtkämpfe im Vatikan als mögliche Gründe für den Papstrücktritt sind an diesem Tag wie weggewischt. Es ist das erste Mal seit sieben Jahrhunderten, dass ein Papst sich von den Gläubigen verabschiedet, weil er sich aus freien Stücken zurückzieht. Wegen des Massenandrangs wurde der letzte große Auftritt des 85-jähirgen Benedikt nach draußen verlegt. Nach einem stürmischen Wahlwochenende, das mit Regen und Schnee viele Italiener vom Urnengang abhielt und dann in einem Patt endete, scheint die Sonne endlich wieder strahlend über die Gläubigen.

Benedikt spricht wie erlöst von der Bürde des Amtes zu den rund hunderttausend Gläubigen. Er fährt am vorletzten Tag im Amt ausnahmsweise im offenen Papamobil über den Petersplatz und tut, was ihm vor acht Jahren am Beginn des Pontifikats noch schwer fiel: Benedikt lässt sich kleine Kinder reichen und küsst sie vorsichtig und ohne die Scheu der ersten Monate. Wer den Papst bei dieser Gelegenheit ein letztes Mal berührt, wird diesen Moment nicht vergessen.

Zum Abschluss seiner Amtszeit dankt Benedikt nicht nur kirchlichen und staatlichen Würdenträgern sondern allen Gläubigen, von deren Liebe er sich getragen fühlte. "Ein herzliches Vergelt's Gott" gibt er den vielen deutschen Pilgern mit auf den Weg in ein neues Pontifikat, bevor die Traunsteiner Kapelle auf dem Petersplatz die Bayernhymne anstimmt.

Doch zuvor spricht er den Christen in aller Welt Mut zu. Die Kirche könne auch in schweren Zeiten darauf vertrauen, dass Gott das Schiff der Gläubigen nicht untergehen lasse: "Ich habe großes Vertrauen, denn ich weiß, dass das Wahrheitswort des Evangelium die Kraft der Kirche ist." Schwere Zeiten in seinem Pontifikat vergleicht er mit Sturm auf dem See von Galiläa: "Aber ich habe immer gewusst, dass Gott mit an Bord ist, dass das Schiff der Kirche nicht mir oder uns gehört sondern ihm und dass er es nicht wird untergehen lassen."

Multimedia
Vatikanstadt

Generalaudienz von Papst Benedikt XVI.

Die deutschen Päpste
  • Die Vorgänger von Benedikt

     

    In der Geschichte der katholischen Kirche gab es bislang acht deutsche Päpste.

     

     

     

     

     

  • Gregor V. (996-999)

    Sohn des Herzogs Otto von Kärnten. Er ist der erste deutsche Papst und mit 24 Jahren einer der jüngsten Päpste in der Geschichte. Seine Amtszeit ist geprägt von Machtkämpfen in Rom und der Einsetzung eines Gegenpapstes. In den Streitigkeiten setzte sich Gregor durch, starb aber nur drei Jahre nach Amtsantritt an Malaria.

     

  • Clemens II. (1046-1047)

    Bürgerlicher Name Suidger. Er fasste einen Synodalbeschluss gegen den Kauf kirchlicher Ämter. Sein Grab im Bamberger Dom ist das einzige Papstgrab nördlich der Alpen.

  • Damasus II. (1048)

    Mit nur 23 Tagen ist Damasus II. der Papst mit der kürzesten Amtszeit in der Geschichte des Papsttums. Damasus, der mit weltlichen Namen Poppo von Brixen hieß, wurde mit Waffengewalt auf den Papststuhl gezwungen. Seine Todesursache ist ungeklärt.

  • Leo IX. (1049-1054)

    Stammt aus der elsässischen Grafenfamilie Egisheim-Dagsburg und gilt als der bedeutendste deutsche Papst. Verfasste die Programmschrift „dictatus papae“, in der er unter anderem die Vormachtstellung des Papstes bei der Absetzung von Bischöfen und des Kaisers sowie bei der Festlegung von Gesetzen festlegte. Er kämpfte gegen Ämterkauf und gegen geistliche Ämter für Laien. Leo IX. war wohl einer der reiselustigsten Päpste – von fünf Amtsjahren verbrachte er nur etwa sechs Monate in Rom.

     

  • Viktor II. (1055-1057)

    Sohn schwäbischer Grafen. Der letzte Papst, der vom Kaiser eingesetzt wurde, führte Kirchenreformen seines Vorgängers weiter. Ging gegen Ämterkauf, den Verkauf von Kirchengütern und die Heirat von Priestern vor.

     

  • Stephan IX. (1057-1058)

    Mit weltlichem Namen Friedrich von Lothringen. Setzte Kirchenreformen seiner Vorgänger fort, insbesondere die Durchsetzung des Zölibats und gegen den Ämterkauf.

     

  • Hadrian VI. (1522-1523)

    Geboren als Sohn eines Zimmermanns in Utrecht. Studierte Philosophie, Theologie und Kirchenrecht. Vor seinem Papstamt war er Professor und Kanzler der Universität von Löwen. Papst zur Zeit der Reformation, versuchte vergeblich die Ächtung Martin Luthers (1483-1546) durchzusetzen. (epd)

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