Meinung
Kommentar

"Hochrisikospiele": Prävention statt Repression

Gewalt bei Fußballspielen muss im Alltag bekämpft werden. Das Geld dafür ist da.

Die deutschen Fußballprofivereine müssen auch künftig nicht für die Mehrkosten von Polizeieinsätzen bei "Hochrisikospielen" aufkommen. Das hat jetzt in erster Instanz das Verwaltungsgericht Bremen entschieden. Das Urteil überrascht nicht, hat der Staat doch das Gewaltmonopol, ist für Sicherheit, Ordnung und Gefahrenabwendung allein verantwortlich. Zudem teilen die Innenminister der 15 anderen Bundesländer die Meinung des Gerichts. Die Bremer standen also von vornherein im Abseits.

Der Schutz öffentlicher Veranstaltungen ist Hoheitsaufgabe. Gerade in diesen Zeiten. Heute fängt das erhöhte Risiko schließlich nicht mehr bei gewaltbereiten Fußballfans an, Anschläge drohen aus politischen, religiösen Motiven und, wie wir kürzlich lernen mussten, auch aus Habgier, als der Mannschaftsbus der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA mit Sprengkörpern angegriffen wurde, um vom fallenden Aktienkurs profitieren zu können.

Viele Menschen mögen das Urteil dennoch als ungerecht empfinden, erwirtschaften die 18 Erstligaclubs doch ein Rekordergebnis nach dem anderen. Zuletzt betrug der Gewinn nach Steuern 206,2 Millionen Euro, demnächst dürfte er sich verdoppeln. Dass die kickenden Millionäre mit Steuergeldern geschützt werden müssen, widerspricht irgendwo dem Rechtsempfinden. Zur Verteidigung der Clubs sei gesagt, dass diese seit Jahren große Summen in Sozialprojekte investieren, im Alltag umfängliche Gewaltvorbeugung leisten, was auch staatliche Aufgabe wäre. Vielleicht ist der Konflikt zwischen Recht und Rechtsempfinden zu lösen, indem die Vereine nicht die Polizeieinsätze bezahlen, sondern sich verpflichten, das Geld in ihre Fanarbeit zu stecken. Prävention statt Repression hilft, unsere Gesellschaft friedfertiger und besser zu machen.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.