Meinung
Kommentar

Elternwahlrecht? Weg damit!

Das System erzeugt fast nur Verlierer und sollte endlich abgeschafft werden

Eine falsche Entscheidung zu treffen ist kein Zeichen von Dummheit. Dumm ist es, nicht zu bemerken, dass sie falsch war. Wer aber den Fehler erkennt und ihn nicht korrigieren will, der handelt verantwortungslos. Den Hamburger Eltern das freie und uneingeschränkte Wahlrecht zuzugestehen, ob ihre Kinder ein Gymnasium oder eine Stadtteilschule besuchen, war definitiv ein Fehler.

Das belegt eine Zahl ganz deutlich: 920. So viele Kinder wurden 2016 "abgeschult", wie es im Bildungsbehördendeutsch heißt – sie mussten nach Klasse sechs das Gymnasium verlassen, weil sie den Anforderungen nicht gerecht wurden. Die allermeisten von ihnen waren ohne Gymnasialempfehlung gekommen, weil ihre Eltern es unbedingt so wollten. Das Ergebnis sind 920 Kinder, die zwei Jahre hohem Druck und Stress ausgesetzt waren und sich nun dennoch als Schulversager fühlen – ein Rucksack, den sie auch auf ihrem Weg auf den Stadtteilschulen weitertragen müssen.

54 Prozent aller Grundschüler werden in diesem Jahr auf ein Gymnasium wechseln. Und im Ergebnis verlieren beide Schulformen dabei. Die Gymnasien haben zu viele schwächere Schüler, die das Niveau senken und nach zwei Jahren aussortiert werden (müssen). Und die Stadtteilschulen haben zu wenige starke Schüler, sodass auch dort das Niveau sinkt. Als Folge wird ihr Ruf immer schlechter, was den Andrang auf die Gymnasien weiter erhöht.

Man kann es nicht anders sagen: Dieses System ist gescheitert. Lassen wir also die Lehrer – und im Zweifelsfall Prüfungen – entscheiden, wer aufs Gymnasium kommt. Dabei gewinnen alle und in erster Linie die Schüler, die ja so oder so Abitur machen können.

Angesichts der Schnappatmung, die viele Väter und Mütter befallen wird, muss man sich allerdings keine Illusionen machen: Die Politik wird das Elternwahlrecht beibehalten. Leider.

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