Meinung
Kolumne

Mit dem Sport in Hamburg die Welt umfassen

Den Anfang macht am Sonntag der Marathon: So profitiert die Stadt von den vielen Großveranstaltungen 2017.

Hunderttausende an den Straßen, Zehntausende auf ihnen, nervig empfundene Sperrungen an Elbe und Alster – der Sport ist in Hamburg wieder massenhaft unterwegs. Mit dem Haspa-Marathon beginnt am Sonntag eine Reihe Großveranstaltungen, die es in ähnlicher Qualität und Quantität in keiner anderen europäischen Großstadt in diesem Jahr gibt. Gleich drei Weltmeisterschaften stehen in den nächsten Monaten auf dem Programm: im Juni die Mixed-WM im Triathlon, im August die Titelkämpfe im olympischen Boxen, im Dezember die WM im Frauenhandball. Dazu trägt im August die Beachvolleyball-Weltserie ihr hochkarätiges Finale im Tennisstadion am Rothenbaum aus.

Die Ereignisse sind zum Teil das (kostspielige) Erbe der gescheiterten Olympiabewerbung für die Sommerspiele 2024. Vorfreude und Vorbereitungen vieler Hamburger auf diese Events scheinen die These zu bestätigen, dass die Mehrheit zwar Olympische Spiele in ihrer heutigen pervertierten Form ablehnt, ihr die Machenschaften korrupter und krimineller Funktionäre zuwider sind, sie dennoch nicht ihre Begeisterung für Bewegung und Wettkämpfe verloren hat.

Die lokale Verwaltung trägt dem Trend Rechnung. Im Gegensatz zu anderen Städten, deren Olympiabewerbung ins Leere lief, die danach einen Großteil ihrer Aktivitäten einstellten und Zusagen nicht mehr einhielten, setzt Hamburg Sport auch weiter auf seine politische Agenda, stärkt mit finanziellen und administrativen Maßnahmen dessen gesellschaftliche Bedeutung. Die Senatszuschüsse für Veranstaltungen wurden dieses Jahr merklich erhöht, der Masterplan "Active City" verspricht bis 2024 zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur – ob ausreichend oder nicht, ein Zeichen städtischen Sportsgeistes sind sie allemal.

Bilder von Athleten vor Sehenswürdigkeiten wecken Neugier

Der Aufwand lohnt sich offenbar. Dass der Sport im Zen­trum von Metropolen Faszination ausübt, in Hamburg und anderswo, macht ihn schließlich zum werthaltigen Produkt. Für alle Seiten, mittelfristig auch für jene, die seine Anwesenheit vor eigenen Haustüren und Geschäften in Bürgerinitiativen oder sozialen Netzwerken beklagen und bekämpfen.

Bilder von Athleten mit Rathaus, Hafen, Elbphilharmonie oder Alster im Hintergrund wecken die Neugier der Menschen, schaffen einen positiven Imagetransfer für die gesamte Stadt, je nach Reichweite der Medien deutschland-, europa- und weltweit. Davon profitieren in einer langen Wertschöpfungskette letztlich alle, kulturell und wirtschaftlich: Sportler, Vereine, Verbände, Geschäftsleute, Ein- und Anwohner – die gesamte Metropolregion.

Im Wettbewerb der Städte spielen Events, kulturelle wie sportliche, eine wachsende Rolle. Selbst Londons ­Bürgermeister Sadiq Khan, reichlich gesegnet mit Adel, Ambiente und Attraktionen, mobilisiert bei seinen ambitionierten Bestrebungen, die führende Hauptstadt der Welt zu werden, den Sport. Khan will noch mehr internationale Veranstalter an die Themse locken und unter anderem ein Topteam der US-amerikanischen National Football League (NFL) im geplanten neuen Stadion des Fußball-Premier-League-Clubs Tottenham Hotspur stationieren. Ging es einst darum, Industrieansiedlungen in die Städte zu holen, sind jetzt Touristen, Studenten, Wissenschaftler und IT-Unternehmen die Adressaten.

"Die Leute haben Lust auf Events"

Die Marketingmacht der Großveranstaltungen transportiert die Begeisterung der Bevölkerung in alle Ecken der Erde – dies zudem relativ preiswert, preiswerter jedenfalls als alle herkömmlichen Werbemaßnahmen. Dass der Sport aus dem Portfolio der Hamburg Marketing GmbH vor zehn Jahren verschwunden ist, bleibt ein Anachronismus. Michael Otremba, der neue Chef der Holding, wäre gut beraten, den Fehler alsbald zu korrigieren.

Beim Thema Enthusiasmus müssten sich die Hamburger ohnehin nicht verstecken, meinen alle, die großen Sport an Alster und Elbe schon live erlebt haben: "Die Leute hier haben eine unfassbare Lust auf diese Events. Das zeigt sich jedes Jahr aufs Neue", sagt zum Beispiel Frank Thaleiser, der Cheforganisator des Haspa-Marathons. Was am Sonntag wieder zu beweisen wäre.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.