Meinung
Leitartikel

Der Binde-Strich-Un-Sinn in Schleswig-Holstein

Was, bitte, denkt sich das nördlichste Bundesland mit dieser Wahlbenachrichtigung?

In diesem Leit-Artikel des Hamburger Abend-Blatts geht es um die Land-Tags-Wahl im schönen Schleswig-Holstein und die Frage-Stellung, ob die Landes-Regierung ihre Bürger wirklich für so beschränkt hält, wie es die Wahl-Benachrichtigung suggeriert. So, und jetzt schreibe ich wieder, wie es an sich üblich und richtig ist, auch wenn sich die Verfasser der Benachrichtigung zur Landtagswahl dafür offenbar nicht interessiert haben. Selten hat man in einem behördlichen Schreiben so viel Seltsames gelesen. Oder kennen Sie eine Post-Leit-Zahl? Eine Gemeinde-Wahl-Behörde? Einen Vor-Namen?

Das steht alles wirklich in dem Brief und noch viel, viel mehr. Kein Wunder, dass sich schon am frühen Morgen in der Redaktion des Hamburger Abendblatts empörte, ja wütende Wählerinnen und Wähler meldeten, die die "Wahl-Benachrichtigung" für einen verspäteten Aprilscherz hielten. Ist sie aber leider nicht. Was dort steht, ist ernst gemeint, auch wenn man beim Durchlesen laut schreien möchte und sich als normaler Bürger bestenfalls veräppelt fühlt.

Die "Wahl-Benachrichtigung" soll, das ist wohl das Ziel, so einfach wie möglich gehalten sein; sie ist aber, mit Verlaub, so dämlich wie möglich geworden. Das beginnt mit den wenig motivierenden ersten Sätzen, die lauten: "In Schleswig-Holstein wird der Land-Tag gewählt. Sie sind in das Wähler-Verzeichnis eingetragen. Sie können am Wahl-Tag zur Wahl gehen." Es geht weiter mit der Formulierung "Hier bekommen Sie Infos über weitere Sprachen", wobei wir alle hoffen wollen, dass man keine Infos über, sondern in weiteren Sprachen erhält. Sonst erfährt man vielleicht nie, dass man "mit dem Wahl-Schein am Wahl-Tag auch in jedem anderen Wahl-Raum von Ihrem Wahl-Kreis wählen" kann. Wäre doch irgendwie schade. Das Beste kommt natürlich auch bei der "WahlBenachrichtigung" zum Schluss: Die freundlichen Grüße von der, Achtung, "Gemeinde-Wahl-Behörde".

Nun mag ein Land wie Schleswig-Holstein, in dem die zwei Namensteile von einem Bindestrich zusammengehalten werden, ein besonderes, ein inniges Verhältnis zu eben jenem haben. Also zum Binde-Strich. Aber muss man es deswegen gleich derart übertreiben? Und muss man den Wählern wirklich in dieser Art und Weise vorführen, was man Ihnen zutraut?

Nein, diese "Wahl-Benachrichtigung für die Wahl zum Land-Tag" ist nicht dazu angetan, das Interesse an der Abstimmung und damit die Wahlbeteiligung zu erhöhen. Das zwei Seiten umfassende Papier ist mit seinen vielen Kästen, den Fettungen und seltsamen Schreibweisen nicht einmal besonders einfach zu verstehen. Soll heißen: Es ist alles andere als sicher, dass diejenigen, für die dieser Brief wohl konzipiert worden ist, dadurch auch tatsächlich zum Wählen animiert werden. Sicher ist nur, dass alle anderen sich ärgern werden – über eine nie da gewesene Bindestrich-Flut genauso wie über Wörter, die man auf den ersten Blick kaum wiedererkennt.

Hätte man nicht auch Postleitzahl, Geburtsdatum, Vorname und Landtag (!) schreiben und die Wahlbenachrichtigung trotzdem so gestalten können, dass sie viele verstehen? Hilft man jemandem, der mit dem Begriff Postleitzahl nichts anfangen kann, wenn man ihn um seine Post-Leit-Zahl bittet? Die "Wahl-Benachrichtigung" mag gut gemeint sein. Aber, um es mit FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki zu sagen: "Wollen reicht nicht. Man muss es auch können."

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