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Gisdols neuer Vertrag: HSV setzt richtiges Signal

Matz ab nach dem Remis in Frankfurt

So, 19.03.2017, 09.37 Uhr

Matz ab nach dem Remis in Frankfurt

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Vertragsverlängerung mit Trainer Markus Gisdol noch in dieser Woche geplant. Warum es der richtige Zeitpunkt ist.

Ewald Lienen hatte einen Hals. "Dass in so einer Tabellensituation der Trainer überhaupt infrage gestellt wird, ist skandalös", regte sich der 63-jährige Übungsleiter des FC St. Pauli am Wochenende über die Diskussionen um Hannovers Fußballlehrer Daniel Stendel auf. Tatsächlich haben die in der Zweiten Liga viertplatzierten Niedersachsen noch alle Chancen auf den direkten Wiederaufstieg. Angesichts der spielerisch erneut dürften Leistungen dürfte der Trainerwechsel, der auch immer Ausdruck der Nervosität der Clubführung ist – allerdings kurzfristig vollzogen werden.

In Hamburg kennt man das Spiel ja zur Genüge: Wie lange hält man an einem Trainer fest? Schafft er – wie Lienen in dieser Saison – nach einer Negativserie wieder die Wende, oder muss ein neuer Impuls von außen her? Wann ist die Vertragsverlängerung mit einem Fußballlehrer sinnvoll?

Gisdol-Verlängerung setzt wichtiges Signal

Der HSV hat in der Vergangenheit oft genug den richtigen Zeitpunkt verpasst. Doch in der Personalie Markus Gisdol, der seinen auslaufenden Vertrag voraussichtlich in dieser Woche bis 2019 verlängern wird, scheint der Verein genau den richtigen Zeitpunkt gefunden zu haben. Unabhängig von den Ergebnissen der vergangenen ein, zwei Wochen stimmt die Entwicklung.

Vor dem Schlussviertel der Saison ist solch eine Maßnahme natürlich auch ein Signal nach innen und außen, sie verschafft dem HSV-Coach noch ein Stück mehr Autorität und sorgt für Ruhe rund um die Mannschaft – Ruhe, die am Ende den Ausschlag dafür geben kann, ob ein Club den Klassenerhalt schafft (oder den Aufstieg verpasst). Auch im Falle des Abstiegs kann der HSV zügig die Personalplanungen vorantreiben.

Da die Vergangenheit jedoch gezeigt hat, wie unwahrscheinlich es in Hamburg ist, dass Trainer ihre Verträge erfüllen (zuletzt war Thomas Doll von Oktober 2004 bis Februar 2007 über zwei Jahre beim HSV im Amt), wird das Management hoffentlich so klug sein, sinnvolle Abfindungsregelungen im angedachten Kontrakt zu verankern. Man weiß ja nie, ob nicht doch wieder jemand nervös wird beim HSV.

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