18.05.13

Leitartikel

Kunst des Verstehens

Pfingsten erinnert an ein einzigartiges Kommunikationswunder

Von Edgar S. Hasse
Foto: Reto Klar
J
Journalist Edgar Hasse

Es ist in der Politik wie in der Partnerschaft: Die Akteure reden und reden, aber verstehen einander nicht. Psychologen und Kommunikationsexperten entwickeln Theorien und geben Tipps, wie Gespräche glücken und tatsächlich gemeinte Botschaften den Empfänger auch wirklich erreichen können. Doch selbst nach perfektem Training kann die zwischenmenschliche Kommunikation weiter kriseln. Und zwar deshalb, weil die Chemie unter den Akteuren nicht stimmt. Oder keine gemeinsame Sprache mehr vorhanden ist.

Die biblische Botschaft von Pfingsten, aufgeschrieben in der Apostelgeschichte (Kapitel 2), weiß da anderes zu berichten. Ganz ohne Dolmetscher, Vokabeltrainer-App und staatlich verordneter Konsenskonferenz verstehen Menschen plötzlich einander über alle sprachlichen, politischen, ethnischen und religiösen Barrieren hinweg.

Pfingsten - das sind nicht nur Ausflüge ins Grüne und der im Norden beliebte Deutsche Mühlentag. Das Fest, 50 Tage nach Ostern, erinnert vielmehr an ein einzigartiges Kommunikationswunder. Als der Heilige Geist das Auditorium erfüllte, gab es keine Schranken gegenseitigen Verstehens mehr. Die Psychologen von heute würden über die Effekte dieses Kollektiverlebnisses von damals sagen: "Ich bin okay, Du bist okay." Die Chemie stimmte eben unter den Menschen.

Aber warum? Weil sich das Unverfügbare ereignete. Wahres Verstehen lässt sich häufig weder verordnen noch programmieren. Es glückt einfach in der Gunst der Stunde - mit dem Geist von oben. Wie sich Liebe nicht erzwingen lässt, ist auch gegenseitiges tiefes Verstehen zuweilen ein Geschenk.

Wenn die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland an diesem Pfingstfest ihre Gründung vor einem Jahr feiert, ist ebenfalls an ein solches Kommunikationswunder zu erinnern.

Erstmals in der Nachkriegsgeschichte gelang es, evangelische Kirchen aus Ost- und Westdeutschland zu vereinen. "Veni creator spiritus" (Komm, Schöpfer Geist) intonierten die Christen vor einem Jahr diesen alten lateinischen Pfingst-Hymnus. Selbst Kirchenkritiker und ausgewiesene Experten für Fusionsprozesse zollen inzwischen der Nordkirche höchsten Respekt für den erfolgreichen Zusammenschluss.

Bei so viel Lob verweisen die Kirchenoberen zu Recht auf den Geist von oben. Wer kommunikativ erfolgreich sein will, sollte also auch in der postmodernen Gesellschaft offen für spirituelle Erfahrungen sein. Nicht von ungefähr machen sich gerade in den Pfingsttagen viele Pilger auf den Weg - sei es zu den Klöstern in die Lüneburger Heide oder ins spanische Santiago de Compostela. Andere wiederum zieht es an die Gestade von Nord- und Ostsee oder in die Wälder. Es sind Pfade zunächst ins Offene. Und dann zu sich selbst.

Überraschend ist diese Sehnsucht nach Naturerlebnissen kaum. Denn die neue Umfrage des Marktforschungsinstituts Harris Interactive AG im Auftrag des Abendblatts ergab: Gut die Hälfte aller Deutschen glaubt, dass Gott und die Natur eins sind (Pantheismus). Viele Menschen gehen heute lieber in den Wald oder an einsame Strände, um dem Unverfügbaren nahe zu sein. Oder sie segeln hinaus aufs Meer, um Gott zu erfahren. Und den gestirnten Himmel über sich neu zu entdecken.

Mit Waldgottesdiensten tragen die Priester und Pastoren der "Naturfrömmigkeit" ihrer Gläubigen in der Pfingstzeit Rechnung.

Schließlich zeigt das Pfingstwunder aus der Bibel, dass spirituelle Erfahrungen quasi überall möglich sind. In der Natur genauso wie im stillen Kämmerlein. Allerdings ist das biblische "Brausen vom Himmel" kein Selbstzweck: Denn nach dem Kommunikationswunder lassen sich viele Menschen taufen. So entsteht christliche Gemeinschaft - die Geburtsstunde der Kirche.

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