07.12.12

Leitartikel

Hammer oder Amboss?

Ägypten taumelt immer noch und muss nun eine islamistische Diktatur vermeiden.

Von Thomas Frankenfeld
Foto: Andreas Laible/HA
Abendblatt-Chefautor Thomas Frankenfeld
Abendblatt-Chefautor Thomas Frankenfeld

Die Entwicklung zu demokratischen Zivilgesellschaften hat sich in Europa qualvoll über Jahrhunderte und unter zahlreichen Rückschlägen hingezogen. In Deutschland, heute ein Hort des Pluralismus, ist das demokratische System gerade einmal ein Menschenalter alt. Die USA haben mit der schlichten Vorstellung, man könne einschlägig ungeübten Völkern die Demokratie anziehen wie eine neue Jacke, im Mittleren Osten und am Hindukusch Schiffbruch erlitten.

Auch die Idee, der Arabische Frühling werde spontan Demokratien westlicher Prägung erblühen lassen, war reichlich naiv. Ägypten zum Beispiel, das volkreichste Land Arabiens, war jahrzehntelang einer doppelten Pein aus einer herrschenden Militärjunta und einer radikalislamischen Opposition im Untergrund ausgesetzt. Demokratische Strukturen oder Traditionen sucht man vergebens. Die Muslimbrüder, Urzelle aller islamischen Bewegungen nicht nur in dieser Weltregion, haben die Rebellion gegen das Regime von Langzeit-"Pharao" Husni Mubarak zunächst völlig verschlafen - dann aber listig gekapert wie ein Transportmittel.

Man darf annehmen, dass viele Ägypter keineswegs bewusst für einen islamischen Gottesstaat gestimmt haben, sondern zunächst nur alles wegwählen wollten, was an das alte System erinnerte. Die Muslimbrüder sind überdies keineswegs homogen; es gibt viele gemäßigte Kräfte, die mit der Demokratie leben können, und andere, die den Lehren ihres Gründers Hassan al-Banna ("Der Koran ist unsere Verfassung. Der Prophet ist unser Führer. Der Dschihad ist unser Weg. Der Märtyrertod auf dem Pfad Gottes ist unsere größte Hoffnung") und vor allem des Mitglieds Sayyid Qutb folgen, der als Vordenker islamistischer Terrorgruppen gilt. Es gehört zu den Kuriositäten der ägyptischen Revolution, dass die Armee, die unter Mubarak jahrzehntelang die Muslimbrüder blutig verfolgt hat, dieselben nun vor dem Volkszorn schützen muss.

Das Misstrauen vieler Ägypter gegenüber ihrem Staatspräsidenten ist nur allzu berechtigt: Viel zu oft in der Geschichte haben sich Herrscher absolute Machtbefugnisse mit der fadenscheinigen Begründung angemaßt, nur den Übergang zur Demokratie erleichtern zu wollen. Mohammed Mursi steckt indessen zwischen Hammer und Amboss. Zum einen wird er von radikalislamistischen Kräften dazu gedrängt, die Weichen für einen Gottesstaat zu stellen; zum anderen drohen ihm die USA für diesen Fall mit dem Entzug der Milliarden Dollar an jährlichen Zuwendungen - ohne die Ägypten kollabieren würde.

Der Islam ist bei einer laizistischen Grundhaltung - der Trennung von Staat und Religion - durchaus mit der Demokratie vereinbar. Der Islamismus mit seinem Anspruch der völligen Durchdringung von Staat und Gesellschaft ist dies nicht.

Jedes Land der Erde hat ein Recht auf einen eigenen Weg, seinem Volk Wohlstand und Zufriedenheit zu bringen. Und was im Westen schon als religiöse und politische Bevormundung empfunden werden würde, könnte in manchen muslimischen Staaten den Willen der Mehrheit widerspiegeln. Revolutionäre Phasen haben im Übrigen oft die Eigenart, starke Ausschläge in mehrere Richtungen aufzuweisen. Die Frage bezüglich Ägyptens Revolution 2.0 ist, wo sich das Lot am Ende einpendeln wird. Mursi selber ist kein Militanter - dass er das oben erwähnte Al-Banna-Zitat als Motto der Muslimbrüder gern im Munde führt, macht ihn aber auch nicht zu einem Modelldemokraten.

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