30.11.12

Leitartikel

Auf Qualität setzen

Die Krise verschärft die Hafenkonkurrenz zwischen Hamburg und Rotterdam

Foto: HA / A.Laible
HA Redakteure
Olaf Preuss, Redakteur im Wissenschaftsressort

Angenommen, die Elbvertiefung käme schnell und ohne weitere Probleme vor Gericht, bis zum Herbst des kommenden Jahres: Dann würde eine jahrelange Diskussion vielleicht endlich zu Ende gehen, würden Reedereien auch ihre größten Schiffe barrierefrei nach Hamburg bringen, könnten Wirtschaft und Politik der Zukunft des Hafens gelassen entgegenblicken. Aber wahrscheinlich nicht sehr lange.

Bei der Diskussion um die Entwicklung des Welthandels gibt es derzeit zwei spannende Positionen: Skeptiker wenden ein, dass die Phase der besonders stürmischen Globalisierung - die Einbindung Chinas in die internationale Arbeitsteilung - ihren Zenit überschritten habe, dass die Wachstumsraten im Containerverkehr das Niveau des vergangenen Jahrzehnts nicht mehr erreichen werden. Optimisten halten dagegen, dass die Weltbevölkerung dramatisch weiter wächst und dass damit auch der Austausch von Waren zwischen den Kontinenten weiter zunehmen müsse.

Die Annahme der Optimisten klingt plausibler als die der Skeptiker. Der Containerverkehr zwischen Europa und den anderen Kontinenten wird noch lange Zeit weiter wachsen. Für den Hamburger Hafen kann es deshalb sehr eng werden.

Die Hansestadt konkurriert im Schiffsverkehr mit anderen Häfen an der Nordsee, vor allem mit Rotterdam. Insgeheim ist das immer auch ein Prestigeduell gewesen, eine Art Containerderby auf hohem Niveau. Wenn die Elbvertiefung kommt - die das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig vorerst gestoppt hat -, gewinnt Hamburg wichtigen Spielraum für das weitere Wachstum des Hafens. Gewinnen aber kann Hamburg einen Wettlauf mit Rotterdam keinesfalls.

Hamburgs Stärke im Containerverkehr liegt vor allem auf der Landseite. Reedereien rühmen die Effizienz der städtischen Terminals und die gute Anbindung des Hafens an Straße und Schiene. Der Preis dafür ist eine Revierfahrt von 130 Kilometern von der Deutschen Bucht die Elbe hinauf.

Rotterdams Stärke ist die Nähe zum Meer. Der niederländische Hafen wird um 20 Quadratkilometer erweitert. Die gesamte Kapazität der Rotterdamer Terminals kann durch den Bau der Maasvlakte 2 in den kommenden Jahrzehnten auf 34 Millionen Containereinheiten (TEU) verdoppelt werden. Die kühnsten Wachstumsprognosen für Hamburg nennen derzeit 25 Millionen TEU. Rotterdam wird versuchen, seinen Anteil am Containertransport innerhalb Europas deutlich zu erhöhen: als Transithafen für den Ostseeraum und mit dem Ausbau von Inlandsverbindungen über Europas größten Binnenhafen Duisburg.

Auf der Landseite kann Hamburg in einem solchen Wettbewerb wohl mithalten, auf der Seeseite nicht. 2013 kommt eine neue Generation von Großcontainerschiffen mit 18 000 TEU Kapazität an den Markt. Pläne für Schiffe mit 22 000 TEU liegen in den Schubladen von Reedereien und Werften. Schifffahrtsunternehmen werden sie bauen und fahren lassen, sobald der Markt das erlaubt.

Es ist zu hoffen, dass die Elbvertiefung kommt. Alle Kalkulationen des Hamburger Hafens zielen seit Jahren darauf ab. Ein gerichtliches Verbot würde herben wirtschaftlichen Schaden für die Stadt bedeuten. Parallel zu diesem Großprojekt aber braucht Hamburg ein neues Hafenkonzept: Nicht Mengenwachstum um jeden Preis, sondern Geschwindigkeit und Qualität des Umschlags werden hier künftig der Schlüssel zum Erfolg sein. Die Elbe, Lebensader der Stadt, wird dieses Umdenken erzwingen.

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