10.11.12

Paarung

Obama und Xi Jinping: Nur einer kann der Mächtigste sein

Barack Obama regiert die USA weitere vier Jahre, Xi Jinping ist Chinas neuer starker Mann. Sie stehen vor ähnlichen Herausforderungen.

Von Thomas Frankenfeld
Foto: dpa
US-Präsident Barack Obama (l.) und der mutmaßlich künftige chinesische Staatspräsident Xi Jingping
US-Präsident Barack Obama (l.) und der mutmaßlich künftige chinesische Staatspräsident Xi Jingping

Für den einen ist der Titel des mächtigsten Mannes der Welt schon traditioneller Bestandteil seines Amtes, für den anderen wird das Etikett noch ungewohnt, aber höchst willkommen sein: US-Präsident Barack Obama und der mutmaßlich künftige chinesische Staatspräsident Xi Jinping.

Die Kriterien für die Definition der Macht, über die beide verfügen, sind diffus. Zumindest kann man Zahlen anführen: Obama führt ein Land mit 312 Millionen Einwohner, 1,5 Millionen Soldaten, 8000 Atomsprengköpfen und der - noch - mit Abstand stärksten Wirtschaftskraft der Erde. Xi wird einen Staat mit fast 1,4 Milliarden Menschen, 2,27 Millionen Soldaten, 240 Atomsprengköpfen und der zweitstärksten Wirtschaft übernehmen.

Der 1961 auf Hawaii geborene Obama und der 1953 in Fuping zur Welt gekommene Xi werden sich zusammenraufen müssen; beide sind Politiker, beide studierte Juristen; ansonsten könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Während Obamas Familienverhältnisse zunächst unübersichtlich und wenig glamourös waren - den kenianischen Vater sah der Sohn als Zehnjähriger zuletzt; die Mutter mit irischen, britischen und deutschen Vorfahren heiratete einen Indonesier, und Obama wuchs im fernen Jakarta auf, bis er nach Hawaii zurückkehrte, wo ihn seine Großeltern großzogen -, stammt Xi aus dem kommunistischen Parteiadel.

Sein Vater war Gouverneur und Vizepremier. Xi ist damit ein sogenannter Prinzling, der in der streng abgeschotteten Pekinger Machtenklave Zhongnanhai aufwuchs, während Millionen Menschen unter Mao Tsetungs Herrschaft verhungerten.

Als sein Vater in der Kulturrevolution in Ungnade fiel, lebte Xi jahrelang als Landarbeiter in einem staubigen Nest der Provinz Shaanxi. Diese harte Zeit hat ihn nachhaltig geprägt. Der junge Student Obama wiederum arbeitete in Chicago zugunsten bettelarmer Einwohner. Beide machten Karriere als Regionalpolitiker: Obama wurde als Vertreter des 13. Bezirks von Chicago in den Senat von Illinois gewählt. Ab 2005 saß er dann im Senat in Washington. Xi war Vizebürgermeister der Stadt Xiamen, nacheinander dann Gouverneur zweier chinesischer Provinzen und Parteichef von Shanghai.

Beide Politiker gelten in ihren Ländern als "Liberale", doch während diese in Europa so ehrenvolle Bezeichnung für erzkonservative Amerikaner gleichbedeutend mit kommunistisch ist, heißt dies für Xi, dass er ganz pragmatisch der Privatwirtschaft den Vorzug vor staatlichen Konzernen gibt. Während das Etikett liberal bei Obama beinhaltet, dass er ein lupenreiner Demokrat ist, hat Xi mit einer Demokratie westlicher Natur nichts am Hut. Und dies, obwohl er die USA kennt. Er hat sogar Freunde dort, seitdem er 1985 eine Familie in Iowa besuchte.

Obama wird mit der Kraft von Demokratie und Pluralismus die drängenden Probleme der USA angehen, Xi die Chinas mit einem straff gelenkten System und jeden Widerstand erstickend. Zumindest ein Problem haben beide gemeinsam: Ihre Gesellschaften reißen gefährlich auseinander, was Einkommen und Wohlstand anbelangt. Diese Entwicklung in China ist jedoch ungleich brutaler und damit politisch brisanter - allein 200 Millionen bitterarme Wanderarbeiter beginnen aufzubegehren. Obama muss seine ganze Nation, die Opposition und die Medien überzeugen, um Erfolg zu haben; Xi nur die Spitzen von Partei und Militär.

Beide Männer sind mit starken, attraktiven Frauen verheiratet, die erheblichen Einfluss auf sie nehmen: Obama mit der Rechtsanwältin und begnadeten Rednerin Michelle. Xi ist in zweiter Ehe mit der populären Volkssängerin patriotischer Lieder und Hochschullehrerin Peng Liyuan verheiratet. "Ach, der Mann von Peng Liyuan", hieß es auf Chinas Straßen, als Xi in die Führungsebene vorstieß. Der künftige "rote Kaiser" steht einem Land vor, das anders als die USA im Grunde immer noch eine Feudalgesellschaft ist - mit Intrigen am Hofe, hemmungsloser Korruption und Selbstbereicherung der Politiker. Xi gilt wie Obama als hart arbeitend und integer - doch Xis Familie soll Hunderte Millionen Dollar besitzen.

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