Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. Mai 2017

Sündenbock Autofahrer

4. Mai: Luftreinhalteplan. Diesel-Fahrverbot in Hamburg: Es drohen Bußgelder bis 75 Euro

Herr Kerstan sollte sich lieber um die Kreuzfahrtschiffe kümmern, die jedes Jahr nach Hamburg kommen und die Luft verpesten. Zudem werden diese Dreckschleudern auch noch beklatscht und bewundert. Wieder einmal wird der Autofahrer zum Sündenbock gemacht.

Norbert Rehberg, per E-Mail

Vom Fahrverbot betroffen

Wir sind zwiegespalten, denn unser eigenes Auto ist ein VW-Betrugsdiesel, und wir sind direkt vom Fahrverbot betroffen. Aber der Senat hat richtig entschieden, denn es war höchste Zeit. Die Schuld an der verfahrenen Situation liegt bei der Autoindustrie, die jahrelang Politik und Autokäufer mit "Clean Diesel" planvoll betrogen hat.

Hanno Zulla, Hamburg-Altona

Gefährliche Wunschvorstellungen

4. Mai: Wohlstand für alle. Die Globalisierung stellt die Gerechtigkeitsfrage neu – und die Volksparteien vor neue Herausforderungen

Das bedingungslose Grundeinkommen, das Prof. Straubhaar als Lösung für die Probleme der Globalisierung und Digitalisierung vorschlägt, würde viele Menschen für ihr ökonomisches Handeln aus der Verantwortung nehmen, sie in totale Abhängigkeit zur jeweiligen staatlichen Autorität bringen und damit völlig manipulierbar machen. Sie sollen auf Kosten der Mittelschicht abgespeist und so politisch entsorgt werden. Das endet immer in einem autoritären System. Straubhaars Wunschvorstellungen sind für eine humane Gesellschaft gefährlicher als alle Ideen der AfD. Das grandiose Scheitern des Sozialismus hat es doch historisch bewiesen.

Ingolf Nielsen, per E-Mail

Heile Welt für den G20-Gipfel

3. Mai: Wohin sollen die Ob­dach­lo­sen beim G20-Gip­fel? Politik, City Management und Bezirksamtschef sorgen sich um die Sicherheit

Ich bin schon sehr erstaunt, dass sich die Politiker plötzlich so um die Obdach­losen während des G20-Gipfels sorgen. Könnte es sein, dass man den Besuchern dieses Elend nicht zeigen möchte und ihnen wie immer die heile Welt präsentiert? Armut und Obdachlosigkeit gibt es hier nicht. Ich finde diese scheinheilige Besorgnis einfach widerlich.

Helga Diezel, per E-Mail

Hochglanz in Peking

Im Vorfeld des Besuchs des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton im Jahr 1998 in Peking verfügte die chinesische Regierung, dass alle Hooligans, Bettler und Betreiber der rollenden Straßenküchen sowie ambulante Kleinhändler die Stadt während der Dauer des Besuchs zu verlassen hätten. Darüber hinaus wurden unzählige Schulen mit der Reinigung der Straßenbegrenzungen, Fahrbahnteiler und Straßengitter betraut. Tagelang haben Schüler und Studenten in ihren Schuluniformen bewaffnet mit Eimer, Lappen und Bürsten Hochglanz produziert. Nach dem Staatsbesuch sickerten die betroffenen Menschen, die immer schon zum Stadtbild gehörten, wieder in die Stadt ein. Da wäre für die Stadt und für die Verwaltung noch viel zu tun und noch viel Platz nach oben.

Peter R. Thiell, Kummerfeld

Interessante Diskussion

2. Mai: Radweg am Elbstrand – das Streit­ge­spräch

Vielen Dank für diese interessante Diskussion, die die Motivationen der Parteien nachvollziehbar macht. Es geht nicht um gute oder böse Menschen, wohl aber um Interessen. Auf der einen Seite die Ottensenerin, die in einen sehr dicht besiedelten Stadtteil gezogen ist und für das nächste Naherholungsgebiet – gewissermaßen das erweiterte Wohnzimmer – keine weitere Nutzung und Belastung wünscht. Auf der anderen Seite die Blankeneserin, die für den Westen Hamburgs eine sichere Fahrradanbindung für alle anstrebt. Die eine Seite lehnt Kompromisse von vornherein ab, da man sich medial gut vernetzt auf der Siegerstraße sieht. Eines wird klar: Beide Positionen lassen sich nicht gleichwertig umsetzen. Der Verweis der Radweg-Gegner auf die selbstverständlich notwendige Förderung des Radverkehrs z. B. auf der Elbchaussee wirkt wie ein taktisches Manöver. Die Elbchaussee ist eine wichtige Verkehrsader – auch in Kopenhagen kommen die Europaletten nicht mit dem Lastenrad. Wenn man diesen Ansatz halbwegs ernsthaft verfolgt, werden als Erstes die Parkplätze auf der Elbchaussee wegfallen – besonders die bei schönem Wetter stark genutzten im Bereich der Himmelsleiter oberhalb von Övelgönne. Spätestens dann werden sich wieder die gleichen Konflikte ergeben: Natürlich wolle man den Fahrradverkehr fördern, aber doch nicht auf Kosten der Parkplätze ... Wie auch immer eine Lösung aussieht – den Elbe-Radweg ad acta zu legen, ohne eine andere Lösung durchzuplanen und zu realisieren, sollte nicht passieren.

Dr. Joachim Schubert, per E-Mail

Inspirierendes Konzert

2. Mai: Ba­ren­boims West-Eastern Divan Orchestra gefeiert. Manches gelang arg routiniert, am Ende gab es trotzdem Jubel und drei Zugaben

Die Kritik am Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim darf nicht unwidersprochen bleiben. Das Orchester und sein charismatischer Dirigent haben ein Konzert hingelegt, das weit mehr war als das korrekte Abspielen richtiger Töne, Tempi und Phrasierungen. Insbesondere im zweiten Teil gelang ein inspirierendes, die Zuhörer bis zur letzten Zugabe fesselndes Musizieren. Das Hamburger Publikum schloss David Barenboim und sein Orchester in seinem Schlussapplaus emphatisch in seine Arme, wohlwissend, dass an diesem Abend (insgesamt) spannende Musik von außergewöhnlichen Menschen geboten wurde.

Dr. Hans-Hugo Krönert, Hamburg

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