Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 28. März 2017

Großsiedlungen vermeiden

25./26. März: Schüler mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund schneiden schlecht ab

In der Hamburger Wohnungspolitik wird immer wieder der Fehler gemacht, Migranten und Flüchtlinge in großen Siedlungen zu konzentrieren. Das führt dazu, dass sie mehr untereinander als mit Deutschen kommunizieren. Nicht-deutschsprachige Eltern werden sich innerhalb ihrer vier Wände in ihrer Heimatsprache unterhalten und diese auch ihren Kindern erhalten wollen. Das muss kein Nachteil sein und ist vielleicht besser, als wenn die Kinder von ihren Eltern fehlerhaftes Deutsch hören. Wichtig wäre allerdings, dass Migranten sich mit Nachbarn, Freunden, Kollegen und Mitschülern auf Deutsch verständigen. Dazu braucht es in erster Linie ein deutschsprachiges Umfeld. Wenn Schüler mit Migrationshintergrund Kita-Gruppen oder Klassen mit überwiegend deutschsprachigen Kindern besuchen, werden sie per se besser gefördert, als wenn sie zusammen mit Kindern lernen, denen die deutsche Sprache ebenfalls nicht vertraut ist. Um die Motivation, Deutsch zu sprechen, die sprachliche Leistung und die Integration insgesamt zu fördern, wäre es unbedingt wünschenswert, Mi­grantenfamilien nicht in Großsiedlungen zu isolieren.

Bettina Donath, per E-Mail

Der öffentliche Raum gehört allen

25./26. März: Rad­fahr­strei­fen kosten Park­plätze

Parkplatz vor dem Sportstudio, Parkplatz vor dem Lieblingsrestaurant, Parkplatz vor dem Supermarkt, Parkplatz an der Alster, Parkplatz vor der Haustür – und bitte gratis. Ein Autobesitzer hat mit dem Erwerb seines Autos diese Rechte weder miterworben noch mitbezahlt. Die Anschaffung eines Autos war seine freie Entscheidung. Doch der öffentliche Raum gehört allen und damit auch den Menschen ohne Auto. Gerade weil unsere Stadt wächst, müssen Autozulassungen begrenzt und Parkplätze kostenpflichtig bewirtschaftet werden, wie das in anderen Städten auch gemacht wird. Eine pseudo-grüne Partei, die hier nicht stärker insistiert, macht sich schlicht unwählbar. Schon heute sind unsere Wohngebiete mit Autos zugemüllt. Um zu zweit spazieren zu gehen, bleiben oft nur noch drei Gehwegplatten oder der Matsch.

Keith Teubner, per E-Mail

Mobilitätsmix der Zukunft

Metropolen wie Hamburg brauchen nachhaltige Verkehrskonzepte, um die Reduktion von CO2 und Stickoxiden zu erreichen und um nachfolgenden Generationen ein gesundes Leben in der Stadt zu ermöglichen. Der Mobilitätsmix aus Fahrrad, Bus und Bahn und bei Bedarf das Carsharing-Auto ist das Modell der Zukunft. Die Verbesserung der Bedingungen für den Fahrradverkehr ist die beste Maßnahme, um den Umstieg aufs Fahrrad attraktiver zu machen. Macht nichts, wenn ein paar Parkplätze wegfallen. Der Besitz des eigenen Autos ist eh ein Auslaufmodell. In Hamburg kann man gut ohne Auto leben. Ich habe mein Auto vor 20 Jahren verkauft. Damit spare ich so viel Geld, dass ich auch mal ein Taxi nehmen kann. In Tokio muss man übrigens einen Parkplatz kaufen oder mieten, bevor man ein Auto kauft. Gar nicht so verkehrt, denn warum soll öffentlicher Raum einigen wenigen, autobesitzenden Menschen vorbehalten sein, statt Platz fürs Verweilen und Spielen zu schaffen?

Susanne Rieschick-Dziabas, per E-Mail

Autos gehören nicht in Städte

Immer wenn es um den Ausbau des Radverkehrs geht, erfolgt der reflexhafte Aufschrei der Gegner. Dabei zeichnet sich seit Jahrzehnten ab, dass der motorisierte Verkehr zugunsten von Fußgängern und Radfahrern zurückgedrängt werden muss. Das hat natürlich primär mit der Abgasproblematik, aber auch mit der in Anspruch genommenen Fläche zu tun. Politiker und Verkehrsplaner, die den Mut haben, zukunftsorientiert zu denken, brauchen mehr Unterstützung der Bürger. Das Argument des Herrn Schinnenburg von der FDP, mehr Pkw benötigen mehr Parkplätze, zeigt das überholte Denken nach dem Motto: weiter wie bisher. Stellen wir uns der Realität: Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren gehören in Zukunft nicht mehr in unsere Städte.

Hans-Joachim Bull, Quickborn

Bürokratie schluckt die Einnahmen

25./26. März: Pkw-Maut nimmt im Bundestag wichtige Hürde

In Zeiten der Wahlkämpfe mag die Thematisierung regionaler Befindlichkeiten ja ihre Berechtigung in der Akquisition von mehr Wählerstimmen finden. Gewählten Politikern jedoch stünde eine baldige Rückkehr zur Realität gut zu Gesicht. Realität ist, dass die vom Verkehrsminister angestrebte Benachteiligung unserer Besucher aus all den Mautfreien EU-Nachbarländern durch ein höchst kompliziertes Maut-Konstrukt nicht nur grundgesetzwidrig wäre, sondern jegliche Einnahmen in der Bürokratie versickern würden, keinesfalls jedoch eine Verringerung des Individualverkehrs erreicht würde. Jeder Cent, der weiter in diesen Gesetzesentwurf fließt, vergrößert nur den bereits angerichteten Schaden, wird aber nie zur Akzeptanz dieses Machwerkes führen.

Dr. Gerd Eckert, Hamburg

Der Bürger ist geduldig

24. März: Ab Hamburg in 130 Städte fliegen

Da strahlt Herr Eggenschwiler, und der Hamburger Senat strahlt mit. Nur dem leidgeprüften und gesundheitsgeschädigten Anwohner ist das Lachen schon lange vergangen, zumal eine Obergrenze der Belastung kein Thema ist. Solange es noch Slots gibt, werden die gefüllt. Die ausgehandelten Lärmschutzpunkte werden nicht umgesetzt, und Herr Eggenschwiler entblödet sich nicht, lächerliche 300 Euro Aufschlag für Nachtlandungen als wesentliche Maßnahme zu verkaufen. Der Senat – egal, ob rot, grün oder schwarz – geht davon aus, dass die Bürger geduldig genug sind und sich nicht wehren.

Herbert Hengstenberg, Hamburg

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.