Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Januar 2017

Schulentwicklung braucht Zeit

19. Januar: Ma­the­de­ba­kel: Die Abi-Probeklausur ist noch schlechter ausgefallen als bisher bekannt

Seit 2009 ist bekannt, dass sich Hamburg dem bundesweiten Zentralabitur stellen will, und die Beobachter der Schulszene wissen schon lange, dass Hamburg ein Problem mit Mathe in den Abschlussklausuren hat. Seit Jahren sind die Matheergebnisse in allen Kermit-Untersuchungen – vorsichtig formuliert – nicht überzeugend. Dies ist nicht nur ein Abi-Problem, sondern zieht sich durch alle Jahrgänge. Und was ist in der Zwischenzeit passiert? Seit 2015 – sechs Jahre später – gilt die Mathematikoffensive, die jetzigen Absolventen kaum eine Leistungssteigerung bringen wird. Schulentwicklung braucht in der selbstverantworteten Schule fünf bis sieben Jahre. Und dann müssen "funktionierende" Programme auch erst einmal wachsen. Von rechtzeitigen Maßnahmen für das Abitur 2017 kann also kaum die Rede sein.

Claudia Wackendorff, per E-Mail

Wahlwerbung für die AfD

18. Januar: Bürgerhaus Wilhelmsburg sperrt die AfD aus

Wie politisch einfach muss man gestrickt sein, um einer demokratisch gewählten und in der Bürgerschaft vertretenen Partei den Zutritt zu einer öffentlichen Tagungsstätte zu verweigern? Zudem der verantwortliche Stiftungsrat offensichtlich keine Probleme mit linksextremen Gruppierungen hat. Nun, die AfD kann letztlich eigentlich ganz zufrieden sein mit der ideologisch begründeten Abgrenzung. Auch wenn die Partei es sicher nicht öffentlich zugeben würde, eine bessere Wahlwerbung kann es für sie kaum geben.

Uwe Iden, per E-Mail

Richtige Entscheidung

Da sich auch schon etliche Gastwirte die Freiheit herausgenommen haben, der AfD keine Räume zur Verfügung zu stellen, sollte man auch dem das Hausrecht ausübenden Stiftungsrat des Bürgerhauses Wilhelmsburg dieses nicht verwehren. Die Gründe für ein solches Vorgehen hat die AfD mit ihrem menschenverachtenden Politikverständnis und ihren, wie sie selbst schreibt, "sorgfältig geplanten Provokationen" – wie zuletzt die schäbigen Bemerkungen eines hohen Parteifunktionärs über das Holocaust-Mahnmal in Berlin – genug geliefert.

Thomas Ennenga, Hamburg

Groteske Urteilsbegründung

18. Januar: NPD ,ver­fas­sungs­feind­lich – aber be­deu­tungs­los'

Die Urteilsbegründung der Verfassungsrichter empfinde ich als grotesk und eines Rechtsstaates nicht würdig. Entweder ist die NPD verfassungsfeindlich und muss verboten werden, oder sie ist es eben nicht. Aber zu sagen, die NPD sei verfassungsfeindlich, aber ihr Einfluss sei zu gering, um eine Gefahr für die Gesellschaft darzustellen, bedeutet im Umkehrschluss, sie zu verbieten, sobald sie einen gewissen Prozentsatz bei Wahlen erreicht. Dies kommt einer Entmündigung des Wahlvolkes gleich. Genauso gut könnte man einen ertappten Straftäter laufen lassen mit der Begründung, es gebe ja nicht viele seiner Sorte, die eine Gefahr für die Gesellschaft darstellten.

Thomas Zimmermann, per E-Mail

Sachlich, präzise, unaufgeregt

17. Januar: Der neue Fern­seh-Scholz. Mit dem Auftritt bei Anne Will setzt der Bürgermeister ein bemerkenswertes Zeichen

Mit Ihrem Kommentar zur Art und Weise, wie sich Bürgermeister Scholz bei Anne Will dargestellt hat, treffen Sie exakt ins Schwarze. Der Mann ist so was von sachlich, präzise und unaufgeregt, dass es die wahre Freude ist, Hamburg durch ihn repräsentiert zu sehen. Die vorsichtige Nachfrage, ob Olaf Scholz jetzt häufiger im TV zu sehen sein wird und was er dann wohl damit bezweckt, berührt ein für Hamburger sensibles Thema. Man könnte den Ruf der Bundespolitik fast als Damoklesschwert sehen und weiß nicht, was man sich selbst und insbesondere Herrn Scholz uneigennützig wünschen soll. Wie Sie es schreiben: Es wird interessant, dass zu beobachten.

Ulrich Kolitschus, Hamburg

Kein Fahrverbot trotz Sehfehlers

17. Januar: Versicherungen fordern: Alle Senioren ab 75 zum Fahrtest

Sinnvoller wären deutlich frühere Tests, vor allem nach Unfällen oder schweren Erkrankungen. Ich selbst sehe mich nach mehreren neurochirurgischen Eingriffen nicht mehr in der Lage, ein Fahrzeug zu führen, und bin daher seit fast 28 Jahren nicht mehr gefahren, obwohl ich noch immer einen Führerschein besitze. Da ich darüber hinaus auch noch mehrere Sehfehler habe, halte ich es für unverantwortlich, mit einem motorisierten Fahrzeug am Straßenverkehr teilzunehmen. Das sah die Arbeitsagentur anders und zwang mich, bei Bewerbungen oder Fortbildungen meinen Führerschein anzugeben, schließlich war ärztlicherseits nie ein Fahrverbot ausgesprochen worden. Wer hätte bei einem von mir verursachten Unfall die Schuld bekommen: die Arbeitsagentur oder ich ?

Jens-Uwe Dierk, per E-Mail

Check-up für alle Altersgruppen

Ziel und Zweck solcher Testergebnisse ist doch nur, dass die Versicherungen noch mehr verdienen, dass diese Altersgruppen noch höhere Versicherungsbeiträge leisten müssen oder vielleicht gar nicht mehr versichert werden. Völlig richtig ist, dass Menschen, die gesundheitlich nicht fit sind, ein größeres Augenmerk darauf haben müssen, ob sie noch fahrtüchtig sind. Sinnvoller wäre meines Erachtens eine Überprüfung aller Fahrzeugführer, gleichgültig ob jung oder alt, zum Beispiel durch einen regelmäßigen kostenlosen Check-up, eine Überprüfung der Sehkraft und des Gehörs und einen kostenfreien Fahrtest. Auch ein 50-Jähriger kann am Steuer einen Herzinfarkt erleiden oder falsch auf eine Autobahn fahren und gefährdet so seine Mitmenschen.

Bärbel Hartmann, per E-Mail

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