Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. Januar 2017

Musik ist stärker als Hass

11. Januar: Die Vollendete. Sonderausgabe zur Eröffnung der Elbphilharmonie

Heute ist ein historischer Tag – für die Musikwelt, für Hamburg und für mich. Voller Spannung und Glückseligkeit werde ich das erste Konzert in der Elbphilharmonie im TV genießen und dabei an meinen verstorbenen Opa denken. Er war ein echter Hamburger Jung, der seine Jugend im Krieg verbringen musste. Geprägt von all den Schrecken fand er sein Heil bis zum letzten Tag in den Künsten, dem Schönsten, was Menschen zu Menschen macht. Er liebte klassische Musik, und es war ihm eine Herzensangelegenheit, diese seinem Umfeld näherzubringen – mir so nahe, dass mir noch immer bei jedem gelungenen Konzert Tränen der Freude kommen. Ich glaube, dieser Zauber ist es, der uns heilen kann. Wenn wir unser Herz öffnen und uns berühren lassen oder durch Inspiration und Kreativität vermögen, andere zu berühren, verbinden wir uns zu einer Einheit, die 100-mal stärker ist als jeder Hass. Ich bin dankbar, dass ich im Sommer mit den Erfindern der Elbphilharmonie, Jana Marko und Alexander Gérard, bekannt gemacht wurde. Aus ihren Augen strahlt dieser Zauber inspirierter Menschen, die dank ihres Mutes und ihrer Vision für eine bessere, weil schönere Welt eintreten. Es ist traurig, dass mein Opa den heutigen Tag nicht mehr erlebt, an dem seine einst zerbombte Heimatstadt, in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Arbeitsplatz in der HafenCity, ein neues Wahrzeichen der Menschlichkeit zum Leben erweckt und Historisches mit der Zukunft verbindet. Aber ich bin dankbar, dass er mir vermittelt hat, wie sehr Kunst über alle künstlichen Grenzen hinweg verbindet.

Sofie Cramer, per E-Mail

VW und Rabes Mathematik

11. Januar: Ma­­the-Ar­­beit: Schulsenator Rabe ordnet bessere Noten an

Toller Vorschlag, könnte analog auch zur Lösung des VW-Abgasproblems dienen: Man setzt die Grenzwerte so weit herauf, bis die realen Abgaswerte damit übereinstimmen. Fertig.

Dr. Ing. Friedrich Weinhold

Keine Chance für kreative Könner

Der Mathelehrer meiner Tochter hat die Arbeit zu Hause selbst geschrieben. Er kannte die Lösungswege. Für die reine Schreibarbeit brauchte er 4 1/4 Stunden. Bei der fünfstündigen Arbeit blieben den Schülern also gerade 45 Minuten zum Erarbeiten der Lösungen. Zu schaffen war das nur für Genies und Schüler, die eng parallele Lösungswege kurz zuvor trainiert hatten. Die kreativen Könner, die auch mal einen angedachten Lösungsweg verwerfen müssen, hatten keine Chance, fertig zu werden. Genies haben wir wenige, deshalb brauchen wir kreative Könner. Eine Akademikergeneration von Nachmachern würde Deutschland auf das Niveau von Italien, Spanien oder Portugal herunterwirtschaften.

Hildegund Schroeder, Hamburg

Noten manipuliert?

Schulsenator Rabe hat es im Jahr 2016 geschafft, rund 58 Prozent des Jahrgangs zum Hamburger Abitur zu führen. Etwa die Hälfte wird dennoch gar nicht studierfähig sein, aber die Universitäten verstopfen: Wir können uns das ja leisten. Jetzt wissen wir auch, wie das geht: Man setzt einfach die tatsächlichen Noten in einem Fach nach oben, um das politisch gewünschte Ergebnis zu produzieren. Was der Mathematik recht ist, sollte doch auch in Englisch, Biologie oder Sport billig sein, schon der Gleichbehandlung wegen? So sieht also sozialdemokratische Schulpolitik aus! Was sagt eigentlich der Bürgermeister zu dieser Manipulation? Und die Bürgerschaft, die den Senator kontrollieren sollte? Muss man das nicht Betrug nennen? Was werden die Bayern dazu sagen, deren Realschüler das Niveau der Hamburger Abiturienten haben? Und in Zukunft? Setzt der Senator gleich selbst die Noten in den einzelnen Fächern fest? Müssen die Schüler in Zukunft überhaupt noch zur Schule gehen, wenn ihre Leistungen sowieso keine Rolle spielen? Das hätte den Vorteil, dass der Senator auch auf all die teuren und unfähigen Lehrer verzichten könnte, die augenscheinlich nicht in der Lage sind, die Schüler zum gewünschten Ergebnis zu führen.

Werner Bostelmann, per E-Mail

Verfälschte Oper

10. Januar: Otello an der Staats­o­per – Kran vor Ei­fer­sucht

Wieder einmal wurde von der Regie eine Oper völlig verfälscht. Ein Gehängter am Kranhaken, die Vergewaltigung Desdemonas durch ihren Ehemann Otello oder Flüchtlinge hinter Stacheldraht sind Beispiele dafür. Nichts davon steht bei Shakespeare oder im Libretto der Oper, die solche absurden Ideen wirklich nicht nötig hat. Ihr Kritiker aber lobt das Geschehen auf der Bühne als "klugen Weg eines dezenten Kammerspiels mit dosierter Psychose-Andeutung". Wenn es mal so gewesen wäre! Was war hier dezent oder dosiert? Das Publikum war sehr eindeutig mit heftigen Buhrufen anderer Meinung. Im Programmheft der Staatsoper wird zitiert, dass Verdi Inszenierungen verhindert hat, wenn sie ihm nicht zusagten. Leider kann er das nicht mehr …

Dr. Christian Hofert, Hamburg

Busfahrer unter Zeitdruck

7./8. Januar: ,Öfter mal einen fahren lassen ...'. Verkehrsunternehmen macht auf Vorfahrt für Busse aufmerksam

Vom Grundsatz ist jedes Vorhaben zu begrüßen, das der Verkehrssicherheit dienlich sein kann. "Jede Minute zählt", sagt Busfahrer Patrick Ulrich, was deutlich macht, unter welchem zeitlichen Druck ein Busfahrer steht und dass er auf die Rücksichtnahme anderer Verkehrsteilnehmer angewiesen ist. Der Beginn jeder Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer beginnt doch zunächst bei den Verantwortlichen der Verkehrsplanung und Verkehrsunternehmen. Denn hier liegt ursächlich die Wurzel des angeprangerten Übels und nicht dort, wo man bemüht ist, Abhilfe durch Kampagnen zu schaffen.

Uwe Rechlin, per E-Mail

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