Briefe an die Redaktion Briefe an die Redaktion: 07. Februar 2013

Nicht zu übersehen

6. Februar: "Annette Schavan verliert den Doktor. Die Universität Düsseldorf erkennt den akademischen Titel ab"

In den umfangreichen Ausführungen des Professors Bruno Bleckmann vermisse ich jegliche Anmerkung über die Verantwortlichkeit der Universität. Wenn sich denn die Plagiate über die gesamte Dissertation hinziehen, wie kann eine solche Arbeit überhaupt sorgfältig geprüft worden sein? Was geschieht mit den Verantwortlichen, die ausdrücklich nicht genannt werden? Der Selbstschutz ist nicht zu übersehen.

Herbert Grüttner

Politische Gründe?

Ich werde den Eindruck nicht los, dass politische Gründe eine gewisse Rolle bei der Aberkennungsprozedur des Doktortitels von Bildungsministerin Annette Schavan gespielt haben. Wenn das alles so sauber wäre, warum wurden keine neutralen Gutachter herangezogen? Von Vorteil wäre für derartige Vorgänge - hoffentlich nicht viele - ein Verfahren ähnlich dem in Österreich, wo eine unabhängige Prüfstelle grundsätzlich dafür zuständig ist, Plagiatsvorwürfe zu beurteilen.

Jürgen Koch

Neue Denkweise

6. Februar: "'Ein einmaliger, aber furchtbarer Fehler'. Prozess um tödliche Brustoperation"

Bei diesem "Fall" gibt es doch nur Verlierer. Die Narkoseärztin Marion F., die aufgrund mehrfacher Sorgfaltsverletzungen den Tod eines Menschen zu verantworten hat. Tim Wosnitza als Witwer, der seine Ehefrau verlor. Die Privatklinik am Rotherbaum, die wahrscheinlich aus Gewinnmaximierungsgründen für künftige potenzielle Patientinnen sicherlich ein Vielfaches an Ansehen und Vertrauen einbüßte. Und allen voran Erotikdarstellerin "Sexy Cora" Carolin Wosnitza, die ihr Leben verlor, weil sie sich zum fünften Mal unters Messer legte, um sich den Busen vergrößern zu lassen. Fazit: Sinnvoll wäre eine neue Denk- und Sichtweiseweise der Gesellschaft. Sprich: zurück zur Normalität.

Silvia Böker

Fehler nicht wiederholen

6. Februar: "Gegenwind für Investoren. Knapp 800 Einsprüche gegen neue Windräder in Hamburg"

Wenn die Menschen in den Vier- und Marschlanden besorgt sind um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder, kann man das wohl kaum als "Partikularinteressen" abtun. Schon heute stehen dort die meisten Windenergieanlagen Hamburgs, mit denen sich aufgrund der erträglichen Dimensionen die Bevölkerung arrangiert hat. Neben allen anderen negativen Auswirkungen größerer Anlagen ist besonders der tieffrequente Schall gesundheitsschädlich, das umso mehr, je näher die Anlagen an der Wohnbebauung stehen. Mit Werten von 300 bis 500 Meter Entfernung mutet die Hamburger Politik ihren Bürgern weit geringere Abstände zu als in den umliegenden Bundsländern üblich. Verpassen wir nicht die Chance, die Energiewende im Einklang mit Mensch und Natur zu gestalten. Die Fehler aus der Atompolitik sollten sich nicht wiederholen.

Arno Becker

Brandgefahr

1,5 Kilometer Abstand zur Wohnbebauung sind allein wegen der Brandgefahr das absolute Minimum. Windräder stellen eine gefährliche Brandlast dar. Gondel, Rotoren und sogar Teile des Turms bestehen aus brennbarem Kunststoff. Für die Bekämpfung entstehender Brände von Windrädern ist in Europa keine Feuerwehr ausgerüstet. Bei Sturm werden Funken und brennende Teile kilometerweit verbreitet und können Gebäude entzünden. Das ist angesichts der vielen reetgedeckten Gebäude in den Vier- und Marschlanden ein nicht tolerables Risiko. Passiert so etwas im Herbst, wenn auf einigen Feldern noch Biomasse-Mais steht, der vor der Ernte trocknet, droht der angrenzenden Siedlung ein Feuersturm mit der Energie eines Waldbrandes.

Dirk Emmermann

Wünschenswert

5. Februar: "Himmel & Erde. Gemeinsam ist man weniger allein"

Es ist ungemein erfrischend zu sehen, mit welchem Spaß und Engagement die jungen und alten Akteure agieren. Ich habe lange im Bereich Musik und Bewegung gearbeitet und auch immer wieder diese erfrischenden Erfahrungen gemacht. Alte und Kinder können sich so ähnlich sein, unvernünftig, eigensinnig, verträumt, mit viel Freude, Lust und Spaß an Musik und Bewegung. Es ist zu hoffen und wünschenswert, dass viele dieser Generationenhäuser geschaffen werden, damit das Miteinander der Senioren und der Kinder optimiert und so auf diesem Weg die alten Menschen vor der Isolation bewahrt werden.

Jürgen und Karin Burmester

Appetithäppchen

2./3. Februar: "Zeit für die Stadtbahn. Hamburg muss neue Wege in der Verkehrspolitik wagen"

Immer wieder erstaunt es mich, welche einfache Tatsachen sich nicht bis in meine Heimatstadt Hamburg herumgesprochen zu haben scheinen: Mehr, als dass Schienen und Oberleitung nur als Kostenbelastung zu Buche schlagen würden, sind sie Gestaltungselement und visuelles Appetithäppchen für einen modernen öffentlichen Nahverkehr, der zugleich zur Aufwertung des Straßenraums beiträgt. Um diese Chancen in den Blick zu kriegen, schaue man sich nur in Hamburgs Partnerstädten Dresden und Marseille um. Will der öffentliche Nahverkehr konkurrenzfähig sein gegenüber dem Auto, muss er gleichfalls eine unübersehbare Allgegenwart bieten. Geht das nicht oder nur schwer mit Fahrzeugen, so geht das mit ansprechenden Anlagen, attraktive Fahrzeuge inbegriffen. Nicht nur unter der Erde, nicht nur über der Erde, sondern ganz bewusst im Straßenraum.

Helmut Krüger

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