Sat.1
Hamburger Richterin Salesch urteilt nicht mehr im TV
Vor zwölf Jahren wurde Barbara Salesch vom Landgericht Hamburg fürs TV abgeworben. Ein Fall der Richterin inspirierte auch Stefan Raab.
Hamburg/Unterföhring. Das Privatfernsehen verliert ein kleines Stück TV-Geschichte: Ende des Jahres wird Richterin Barbara Salesch im Sender Sat.1 ihr letztes Urteil für das Fernsehen fällen. Nach zwölf Jahren und über 2.000 Auftritten in der nach ihr benannten Sendung hängt die 61-jährige Juristin ihre TV-Robe an den Nagel. Dies ließ Salesch über Sat.1 am Freitag in Unterföhring mitteilen.
"Nach über zwölf Jahren habe ich entschieden, dass das 'Abenteuer' Fernsehen Ende des Jahres für mich zu Ende geht", wird Salesch zitiert. Bis 1999 war die gebürtige Ettlingerin (Baden-Württemberg) Vorsitzende Richterin einer Kleinen Strafkammer am Landgericht Hamburg, für ihr Fernseh-Engagement war sie seither beurlaubt. "Als ich im Frühjahr 1999 als Vorsitzende Richterin am Landgericht Hamburg angesprochen wurde, ob ich die Sendung machen wolle, schienen mir 100 Folgen schon viel", sagt Salesch heute. "Dann waren wir irgendwann bei der 1000. Sendung." Im Mai 2011 schließlich lief die Richter-Show zum 2.000 Mal über den Sender.
Ihre Fernsehkarriere startete die Juristin am 27. September 1999 in der Sat.1-Sendung "Schiedsgericht", in der echte zivilrechtliche Fälle verhandelt und rechtskräftige Urteile gesprochen wurden. Seit Oktober 2000 werden in dem Format "Richterin Barbara Salesch" ausschließlich fiktive strafrechtliche Fälle verhandelt. Die Beteiligten werden von Laiendarstellern gespielt. Salesch ist den Angaben zufolge Deutschands dienstälteste TV-Richterin.
Bekannt geworden war von den zahlreichen Fällen vor allem eine Auseinandersetzung aus der Anfangszeit: Die über einen Maschendrahtzaun. Den Nachbarschaftsstreit aus Sachsen - ein realer Fall - griff Entertainer Stefan Raab für ein Lied auf. Die Country-Komposition erlangte schnell Kultstatus, Barbara Salesch war in aller Munde.
Nun hört sie also auf, zum Bedauern des Senders. "Wir respektieren die Entscheidung von Barbara Salesch natürlich, bedauern sie aber von Herzen", sagt Andreas Bartl, Vorstand ProSiebenSat.1 TV. "Ihre Show war die erste Gerichtsshow nach amerikanischem Vorbild im deutschen Fernsehen - und entwickelte sich in kurzer Zeit zum absoluten Publikumsliebling."
Nach ihrer Fernsehkarriere will sich Salesch, die ein Malereistudium an der Kunstakademie in Bad Reichenhall aufgenommen hat, verstärkt um ihre Ausstellungen kümmern. Barbara Salesch: "Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist – und genau das tue ich jetzt. Mein letztes Urteil lautet also: Es war eine tolle Zeit."















