Petition gegen ZDF-Moderator

Der Wagenknecht-Streit kommt für Markus Lanz zur Unzeit

Foto: ZDF/Cornelia Lehmann

Eigentlich will sich der TV-Moderator in Ruhe auf die nächste Ausgabe von "Wetten, dass..?" vorbereiten. Doch mehr als 130.000 Online-Bittsteller könnten die Konzentration des ZDF-Mannes noch einmal gehörig stören.

Hamburg/Berlin. Für den ZDF-Moderatoren Markus Lanz kommt es dieser Tage wieder knüppeldick. Erst die Quotendepression mit "Wetten, dass...?" - und jetzt auch noch das: Mit einer Online-Petition versuchen offenbar genervte Fernsehzuschauer, das ZDF zu einer folgenreichen Personalentscheidung zu bewegen.

"Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!" fordern seit dem 17. Januar mehr als 130.000 Unterstützer des gleichnamigen Gesuchs. Initiiert hat die Petition das ehemaligen Linken-Mitglied Maren Müller aus Leipzig - aus ihrer Sicht aus gutem Grund.

Denn am Abend zuvor war Müllers Empfinden nach der stellvertretenden Linken-Chefin Sahra Wagenknecht von Lanz in dessen ZDF-Talkshow übel mitgespielt worden. Immer wieder sei die 44-Jährige in die Mangel genommen worden und nicht recht zu Wort gekommen.

"Der im explizitem Falle miserable Stil im Umgang mit Sahra Wagenknecht spiegelt in drastischem Maße wider, dass politische Neutralität für Lanz ein Fremdwort ist", heißt es in der Petition.

Etliche Zuschauer scheinen diese Auffassung zu teilen - oder sie wollen generell ihren Frust über den TV-Moderatoren ablassen. Selbst aus dem politisch entgegengesetzten Lager gibt es Unterstützung für Wagenknecht.

"Man muss tatsächlich kein Freund von Sahra Wagenknecht sein, aber Lanz will in Wahrheit nur seine eigene politische Agenda in seiner 'Markus Lanz'-Sendung kommunizieren", äußerte sich der frühere medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, der Hamburger Rechtsanwalt Burkhardt Müller-Sönksen.

Wagenknecht widerspricht ZDF-Darstellung

Das ZDF stellte sich in einer ersten Reaktion hinter seinen Protagonisten. "Viele Zuschauer haben den Stil der Diskussion mit Frau Wagenknecht kritisiert", hieß es in einer Sendermitteilung.

"Diese Kritik nehmen wir ernst und haben das auch intern diskutiert. Die Redaktion und der Moderator hatten im Nachgespräch mit Frau Wagenknecht nicht den Eindruck, dass sie mit der Sendung unzufrieden war. Kontroverse Diskussionen sind Bestandteil des erfolgreichen Formates."

Bei ihrer Erklärung hatte der Mainzer Sender allerdings ebenfalls die Rechnung ohne die Linken-Politikerin gemacht, die prompt auf die Darstellung reagierte: "Liebes ZDF, nach dem breiten Protest gegen Markus Lanz' Gesprächsstil zu behaupten, ich sei zufrieden gewesen, ist doch etwas arg frech", schrieb Wagenknecht bei Twitter. Schon in besagter Sendung hatten sich Wagenknecht und Lanz gegenseitig eine "freche" Sprache vorgehalten.

Lanz konzentriert sich auf "Wetten, dass..?"

Lanz selbst will sich mit öffentlichen Äußerungen derzeit zurückhalten. Interviews gibt er nach Senderangaben nicht. Seine Management sagte auf Anfrage, er sei derzeit sehr beschäftigt mit den Vorbereitungen zur nächsten "Wetten, dass..?"-Ausgabe an diesem Sonnabend in Karlsruhe (20.15 Uhr, im Liveticker auf abendblatt.de).

Im Dezember hatte er Rücktrittgerüchte im Interview mit dem "Stern" zurückgewiesen: "Jetzt aufzuhören, wäre uncool. Schon um ein paar Leute aus der Meute zu ärgern, muss ich weitermachen."

Schon im vergangenen Jahr hatte Lanz mit etlichen Widersachern im Netz zu kämpfen. Nach der letzten Ausgabe von "Wetten, dass..?" musste sich auch der Moderator zudem mit Rassismus-Vorwürfen auseinandersetzen, als für die Stadtwette schwarz angemalte "Jim Knopf"-Akteure gesucht wurden.

Mit Blick auf das "Bashing" meinte Lanz - ebenfalls im "Stern"-Interview: "Wenn der Shitstorm kommt, müssen Sie in der Lage sein, gedanklich einfach mal die Spülung zu drücken. Wenn Sie das nicht tun, gehen Sie kaputt." Und was ist wichtig? "Dass ich für meinen Sohn und meine Frau ein Held bin, und wenn der Rest mich als Deppen sieht, ist es auch in Ordnung."

Dschungelcamp als echte Bedrohung

Am Sonnabend heißt es für den Nachfolger von Thomas Gottschalk: Volle Konzentration auf "Wetten, dass..?" – Hoffnung auf höhere Quoten, um das Nervenkostüm zu stärken.

Doch die Konkurrenz schläft nicht: Denn die RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" zeigt sich seit dem Start am 8. Januar immer stabiler und im Anschluss daran wird sich das starke Dschungelcamp "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" ab 22.15 Uhr mit dem Ende von "Wetten, dass..?" überschneiden.

Zu Gast sind bei Lanz unter anderem Schauspieler Liam Neeson, sein deutscher Kollege Hans Sigl ("Der Bergdoktor"), Komiker Atze Schröder, Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfeld sowie Fußballspieler Max Kruse (Borussia Mönchengladbach). Für die Musik sorgen Peter Maffay und James Blunt.

Letzterer hatte schon vor wenigen Wochen kaum ein gutes Haar an der ZDF-Show gelassen, als er im BBC Radio gemeinsam mit Tom Hanks und Robbie Williams über "Wetten, dass..?" lästerte.

Weshalb die Unterhaltungssendung im deutschen Fernsehen so erfolgreich sei, könne er sich selbst nicht erklären, hatte der Sänger dort unter anderem gesagt. Nicht auszuschließen, dass Blunt die Erfolgsfrage schon nach der Karlsruhe künftig ausklammern kann.