29.01.13

Kultserie der 80er Jahre

Neue "Dallas"-Folgen: Die Rückkehr der Ewings

Die Kultserie "Dallas" ist wieder da. Doch die nächste Generation ist viel zu brav - ihr gebricht es an diabolischer Boshaftigkeit.

Foto: dapd
TV-Dallas Renewed
Eine schrecklich nette Familie: die Ewings mit den Söhnen John Ross (2. v. l.) und Christopher (2. v. r.) sowie den Vätern J.R. (4. v. l.) und Bobby (4. v. r.)

Die fanfarenartige Titelmusik ist geblieben. Im Vorspann zieht wie einst die Skyline von Dallas vorbei. Natürlich wurde wieder auf der Original-Southfork Ranch gedreht. Und auch Linda Gray stöckelt als Sue Ellen Ewing nahezu unverändert durch die Kulissen. Ob dies an diversen Schönheitsoperationen oder der konservierenden Wirkung des Alkohols liegt, den sie als Gattin von J.R. Ewing einst in rauen Mengen konsumieren musste, bleibt offen.

Ansonsten ist die Fortsetzung der einstigen Kultserie "Dallas" mit dem Original, das zwischen 1978 und 1991 produziert wurde, nur sehr eingeschränkt zu vergleichen. Selbstverständlich geht es auch in der Neuauflage um Geld, Macht, Frauen, Öl sowie jede Menge Intrigen. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen zwei adrette junge Herren Ende 20, Anfang 30, gespielt von Josh Henderson und Jesse Metcalfe, die der Traum jeder Schwiegermutter wären. Genau das ist das Problem des neuen "Dallas". Die beiden Herren verkörpern nämlich John Ross und Christopher Ewing. Sie sollen die Fehde ihrer Väter J.R. und Bobby ins 21. Jahrhundert verlängern. Doch dazu gebricht es ihnen an diabolischer Bosheit.

Und so muss der Alte noch mal ran. In der ersten Folge der Staffel dämmert der deutlich gealterte J.R. (Larry Hagman) in einem Pflegeheim vor sich hin. Doch als er erfährt, dass sein Bruder Bobby (Patrick Duffy) Southfork verkaufen will, um Christopher den Aufbau eines Unternehmens zu ermöglichen, das in alternative Energien investiert, erwachen seine Lebensgeister. Am Ende der ersten Folge ist er es, der in bewährter Manier die Strippen zieht.

Unklar ist, ob sich im Lauf der ersten Staffel für den charmanten Bösewicht noch ein adäquater Gegenspieler findet. Bruder Bobby, ein weicher Gutmensch, konnte ihm schon in den 80er-Jahren nicht das Wasser reichen. Stattdessen arbeitete J.R. sich damals bevorzugt an seinem moralisch ebenfalls verkommenen Schwippschwager Cliff Barnes (Ken Kercheval) ab, der schwer an seinem Verlierer-Gen litt. In der Neuauflage hat Cliff Barnes allerdings nur in den Folgen drei, vier und zehn ein paar kurze Gastauftritte.

Langfristig wird aber das Duell zwischen J.R.-Sohn John Ross und Bobby-Spross Christopher die Handlung tragen müssen. Denn J.R.-Darsteller Hagman erlag vor zwei Monaten einem Krebsleiden. In der bereits abgedrehten zweiten Staffel der Serie, deren erste Folge am Montag in den USA gezeigt wurde, wirkt er schon nicht mehr mit.

Aber selbst wenn es einen würdigen Nachfolger für J.R. gäbe, der sich mit einer Reinkarnation des ewigen Losers Cliff Barnes duellieren würde, wäre der Neuauflage der Kultserie mit Sicherheit nicht der Erfolg beschieden, den einst das Original hatte. Denn dieser Erfolg war - zumindest in Deutschland - nur in den 80er-Jahren möglich.

Als am 30. Juni 1981 die erste "Dallas"-Folge in der ARD lief, hieß die Bundeshauptstadt noch Bonn und der Bundeskanzler Helmut Schmidt. Unternehmer kamen im deutschen Fernsehen entweder als gutmütige Patriarchen oder als skrupellose Ausbeuter vor. Der Typus des zwar moralisch verkommenen, aber nichtsdestotrotz ebenso charmanten wie faszinierenden Entrepreneurs war hierzulande gänzlich unbekannt. Die Überzeugung, dass Gier gut sei, galt als abwegig. Junge Karrieristen, die man später Yuppies nannte, waren eine verschwindend kleine Minderheit.

Insofern wirkten J.R. und die Seinen auf die Deutschen wie ein Kulturschock. "Dallas" war ein stilprägendes Faszinosum, vergleichbar nur mit dem von Michael Douglas gespielten Börsenmakler Gordon Gecko in Oliver Stones Film "Wall Street". In den USA lief die Serie bereits 1978 an. Knapp drei Jahre später zog Ronald Reagan ins Weiße Haus ein, und der - vorläufige - Siegeszug des Neoliberalismus begann.

John Ross und Christopher wirken heute dagegen nur wie zwei ganz normale skrupellose Karrieristen in einer eher freudlosen Welt. Getrunken wurde bei "Dallas" früher weitaus mehr. J.R. war selten ohne ein Glas Bourbon im Bild. In Deutschland unternahmen mitunter junge Zuschauer den Versuch, während der Sendung mit dessen Trinkgewohnheiten Schritt zu halten - was manchen überforderte.

In der ersten Folge der Neuauflage wankt nur John Ross einmal sturzbetrunken mit wirrem Haar, irrem Blick und einer Flasche in der Hand durchs Bild. Lustvolles Trinken sieht anders aus. In den 80er-Jahren war eben nicht alles schlechter als heute.

"Dallas", Di 29.1., 22.15 Uhr, RTL

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