21.01.13

Kim Schmitz

Server brechen zusammen: Dotcoms Speicher "Mega" läuft

Der Kieler Unternehmer hat einen Coup gelandet. Seine neue "Cloud"-Lösung hatte nach wenigen Stunden eine halbe Million Nutzer.

Foto: dapd
APTOPIX New Zealand Kim Dotcom
Kim Dotcom stellt seine neue Daten-Plattform Mega in Auckland, Neuseeland, vor

Trotz der drohenden Auslieferung an die USA hat der deutschstämmige Internetunternehmer Kim Schmitz alias "Dotcom" ein Jahr nach der Razzia und Schließung seines Filesharing-Portals Megaupload einen neuen Online-Speicherdienst gegründet. Am Sonntag startete er seinen neuen Dienst "Mega", der seine vom FBI geschlossene Internetplattform Megaupload ersetzen soll. Es handelt sich wieder um eine "Cloud"-Lösung zum Speichern von Daten im Internet, wie sie auch Amazon oder Apple anbieten. Wie auch einst bei Megaupload können Nutzer große Datenmengen hochladen, speichern und tauschen. Mit einem Speicherplatz von 50 Gigabytes lässt die neue Plattform zudem ähnliche Anbieter wie Dropbox und Google Drive weit hinter sich. "Mega" soll nach Angaben des Unternehmens den größten Speicherplatz anbieten. Nutzer können Daten bis zu 50 Gigabyte umsonst bei Mega speichern, verwalten und mit Freunden per Downloadlink teilen. Der Dienst meldete bereits nach wenigen Stunden mehr als eine halbe Million angemeldete Nutzer. Die Server von Mega waren deswegen teilweise nur schwer zu erreichen. Am Abend feierte er den Coup mit einer fulminanten Party in seinem Garten.

Der Startschuss für die neue Website fiel genau auf den ersten Jahrestag der aufsehenerregenden Festnahme Dotcoms in Neuseeland. Er wird der Internetpiraterie in großem Stil beschuldigt, die US-Justiz fordert seine Auslieferung. US-Staatsanwälten zufolge verdiente sich Dotcom mit Megaupload eine goldene Nase, während Filmemacher und Songwriter rund 500 Millionen Dollar (rund 375 Millionen Euro) an Einnahmen für ihr geistiges Eigentum verloren. Der in Kiel als Kim Schmitz geborene Dotcom argumentiert jedoch, er könne nicht für Urheberrechtsverletzungen von Dritten verantwortlich gemacht werden.

Nun will es der exzentrische Unternehmer, der in Neuseeland gegen Kaution aus der Haft entlassen wurde, noch einmal wissen: "Auf die Minute genau vor einem Jahr wurde Megaupload von der US-Regierung zerstört", twitterte Dotcom zum Start seiner neuen Plattform. "Willkommen bei http://Mega.co.nz !" Innerhalb der ersten 14 Stunden hätten sich 500.000 Nutzer bei dem neuen Speicherdienst registriert, teilte er mit.

Dotcom dementierte, dass er mit dem neuen Dienst die US-Behörde herausfordern will. Zugleich sagte er bei seiner Party: "Mega wird riesig sein, nichts wird Mega aufhalten." Anschließend seilten sich Männer in Polizeiverkleidung von einem Hubschrauber ab und spielten mit Dotcom eine Verfolgungsszene, bevor die Musik begann und Dotcom zum Tanz überging.

Der eigentliche Clou: Mit einer besonders findigen Funktion will sich Dotcom nach eigenen Angaben ein neues Justizdrama um Urheberrechtsverletzungen vom Leib halten und für mehr Privatsphäre sorgen. Hochgeladene Daten werden bei Mega umgehend verschlüsselt. Und über die entsprechenden Entschlüsselungscodes verfügt nicht etwa die Website, sondern der Nutzer – mit dem Ergebnis, dass Dotcoms Unternehmen keinen Einblick in Inhalte ausgetauschter Daten hat und damit auch nicht dafür haftbar gemacht werden kann. Die hochgeladenen Dateien sollen so weder von Mega-Mitarbeitern noch von anderen nicht autorisierten Personen ausgelesen werden können.

Dotcom gab sich seiner Sache sicher. Wenn jemand etwas Illegales in einen Briefumschlag stecke, werde auch nicht gleich die Post geschlossen, sagte er.

"Er versucht, sich eine zweite Argumentationslinie zurechtzulegen: 'Selbst wenn ich vorher falsch lag, ist das hier schon in Ordnung, denn wie kann ich etwas kontrollieren, von dessen Existenz ich nichts weiß", sagte der in Sydney ansässige Anwalt Charles Alexander über Dotcom. "Ich kann das Argument zwar nachvollziehen. Ob es erfolgreich sein wird, steht aber auf einem anderen Blatt."

US-Staatsanwälte wollten sich zunächst nicht zu Dotcoms neuem Internetprojekt äußern. Sie verwiesen nur auf ein Gerichtsdokument: Demnach hatte der Unternehmer in seinem Kautionsantrag versichert, bis zu einer Einstellung des Strafverfahrens kein neues Geschäftsmodell im Stile von Megaupload starten zu wollen.

(dpa/dapd/mia)
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