15.01.13

Sprachkritik "Opfer-Abo" ist das Unwort des Jahres

Alexander Josefowicz
Kachelmann

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Kachelmann

Die Jury hat den von Jörg Kachelmann im Herbst 2012 in einem Interview in die Welt gesetzten Begriff zum Unwort des Jahres erklärt.

Hamburg. Schon beim "Wort des Jahres" gab es Verwirrungen. Der gekürte Begriff "Rettungsroutine" war wenig bekannt, kaum jemand konnte sich etwas darunter vorstellen. Und nun hat diese - noch von einem Mitglied der "Unwort"-Jury kritisierte - Praxis auch bei der Wahl zum "Unwort des Jahres" Einzug gehalten. "Opfer-Abo" ist wohl kaum ein Wort, das in irgendeiner Weise die Medien in 2012 dominiert hat.

Jörg Kachelmann darf sich der zweifelhaften Ehre rühmen, es in die Welt gesetzt zu haben: Im Oktober 2012 gab er dem "Spiegel" ein Interview, in dem er Frauen unterstellte, sie hätten ein "Opfer-Abo", wenn es um Vergewaltigungsvorwürfe geht.

Sicherlich ist das Wort eine äußerst unschöne Pauschalisierung, die jeglicher faktischen Grundlage entbehrt. Doch im Vergleich zu anderen Kandidaten hat es wohl kaum die Signifikanz von früheren Unwörtern wie "Döner-Morde", "alternativlos", "notleidende Banken" oder "Herdprämie".