11.01.13

NDR-Intendant

Neuer ARD-Vorsitzender Marmor will Baustellen anpacken

Lutz Marmor muss sich um viele Themen kümmern: Neben dem Fernsehprogramm warten auch verschiedene andere Kontroversen auf Bearbeitung.

Foto: dpa
Lutz Marmor hat am 1. Januar das Amt des ARD-Vorsitzenden von Monika Piel übernommen
Lutz Marmor hat am 1. Januar das Amt des ARD-Vorsitzenden von Monika Piel übernommen

Hamburg. Streit mit den Verlegern, Streit mit Kabel Deutschland, Streit um den Rundfunkbeitrag: Der neue ARD-Vorsitzende Lutz Marmor, seit 1. Januar im Amt, hat einige Nüsse zu knacken. Auch im "Ersten" will Marmor die Problemzonen anpacken. "Ich weiß, dass wir programmlich im Ersten noch Baustellen haben, und ich will sehen, dass wir in meiner Amtszeit die Weichen richtig stellen", sagte der 58-jährige Intendant des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Vor dem neuen ARD-Vorsitzenden liegt eine zweijährige Amtszeit bis Ende 2014.

Der Vorabend im "Ersten", so Marmor, sei noch nicht so, wie er sich ihn vorstelle. "Wir müssen uns in der Unterhaltung verbessern - wie wir es zum Beispiel mit der Show "Klein gegen Groß" mit Kai Pflaume geschafft haben", schwebt Marmor vor. "Den Freitagabend müssen wir qualitativ verbessern – Komödie ist das schwierigste Fach überhaupt. Aber der Erfolg wird sich erst in einem längeren Zeitraum erweisen. Auch am Donnerstag haben wir Nachholbedarf, da spüren wir mitunter recht deutlich den Wettbewerb mit dem ZDF."

Marmor erwartet keine Mehreinnahmen durch die neue haushaltsbezogene Rundfunkgebühr. "Wir haben diese Anzeichen nicht", sagte er weiter. "Der letzte Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs, der KEF, hat grundsätzlich eine Lücke bei ARD, ZDF und Deutschlandradio in Höhe von 304 Millionen Euro festgestellt. Sollten die Beitragseinnahmen höher ausfallen, dann – so ist es im Verfahren vorgesehen und die KEF wird es sehr genau nachprüfen - dürfen die Sender das nicht behalten." Die Beitragseinnahmen würden dann dazu verwendet, den Beitrag zu stabilisieren oder zu senken. Es sei jedoch am wahrscheinlichsten, dass die Erträge sich etwa auf dem Niveau der Gebührenperiode zwischen 2009 und 2012 bewegten.

Dem Vorschlag von ARD-Gremien, einen der fünf abendlichen Talks zu streichen, erteilt Marmor eine Absage. "Ich verstehe nicht, wie dieses Thema manchmal in den Medien hochgejazzt wird. Ich erwarte doch nicht, dass der Zuschauer alle fünf Talkshows im Ersten guckt. Das sind Angebote. Jeder kann nach seinem Zeitbudget, nach seiner Vorliebe für Moderatorinnen und Moderatoren sowie nach seinem Themen- und Gäste-Geschmack auswählen." Eine Rückkehr von Thomas Gottschalk nach dem Scheitern von dessen Vorabendshow im "Ersten" sieht Marmor positiv: "Er hat ja nicht von einem Jahr auf das andere verlernt, was er kann. Unterhaltung ist schwierig." Der Westdeutsche Rundfunk und der Bayerische Rundfunk planen Shows mit dem Entertainer.

Marmor bedauerte die Entscheidung des Netzbetreibers Kabel Deutschland, nach der Kündigung von ARD und ZDF die ARD-Angebote bei der Einspeisung einzuschränken. "Ich bedaure eines: Dass der Streit auf dem Rücken unserer gemeinsamen Kunden ausgetragen wird. Ich weiß nicht, warum das notwendig sein soll. Wir werden weiterhin miteinander reden und nach Lösungen suchen. Unabhängig davon gibt es die rechtliche Auseinandersetzung."

Der Konflikt mit den deutschen Verlegern um die Internetpräsenz der ARD will Marmor mit Lösungen entgegenwirken. Auch dieser Streit sei bedauerlich, aber nicht einfach zu lösen. "Sicher sollten die Verleger und wir uns nicht ins Gehege kommen", sagte er. "Wir stehen gemeinsam für Qualitätsjournalismus und haben kein Interesse daran, mit der Presse in einen Grundsatzstreit zu geraten. Wir sind in Gesprächen. Was oft ein Missverständnis war: Die App hängt am Grundprodukt "tagesschau.de", es gibt keine eigene Redaktion." Man arbeite an "tagesschau.de". Die ARD sei ein Radio- und TV-Anbieter und möchte selbst mehr Videos bringen – auch, um gegen andere Anbieter im Netz gewappnet zu sein. Marmor: "Wir sind gut beraten, wenn wir unsere Stärke der Videos noch mehr in den Mittelpunkt stellen als bisher. Da sind wir bereits in der internen Umsetzung."

(dpa)
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