10.01.13

Unternehmermagazin

Ex-Chef von Max Bahr steigt bei "Impulse" ein

Hamburger Unternehmer Dirk Möhrle hat das Magazin zusammen mit dessen Chefredakteur Nikolaus Förster von Gruner + Jahr erworben.

Von Kai-Hinrich Renner
Foto: Roland Magunia
Impulse gerettet
"Impulse"-Chefredakteur Nikolaus Förster (l.) und Dirk Möhrle kennen sich seit zwei Jahren

Hamburg. Das Vertragswerk muss umfangreich, ja geradezu voluminös sein. Seit 15 Uhr sitzen sie bei Gruner + Jahr (G+J) nun schon beisammen: Verlagsmanager des Zeitschriftenhauses vom Baumwall, der Journalist Nikolaus Förster, der Hamburger Unternehmer Dirk Möhrle, der bis 2005 die Baumarktkette Max Bahr führte, sowie ein Notar. Förster und Möhrle wollen Gruner + Jahr das Unternehmermagazin "Impulse" abkaufen, dessen Chefredakteur Förster ist. Doch zuvor muss der Kaufvertrag notariell beglaubigt werden - und das dauert. Jede einzelne Seite wird vom Notar verlesen.

Für 18.15 Uhr hatte der Verlag Journalisten am Mittwoch zu einem Pressegespräch geladen. Doch schon um 17.45 Uhr ist klar, dass der Termin nicht zu halten ist. Das Gespräch werde sich voraussichtlich um eine halbe Stunde verzögern, sagt eine Verlagsmitarbeiterin. Um 18.45 Uhr bittet sie die Journalisten, sich noch eine Stunde zu gedulden. Um 19.45 Uhr kündigt sie eine Verzögerung von noch einmal 30 Minuten an.

Dann auf einmal, es ist etwa 20 Uhr, erscheint Chefredakteur Förster im Foyer des G+J-Verlagshauses, wo der Abendblatt-Reporter samt Fotograf sowie ein Kollege vom NDR-Hörfunk warten. Eine Journalistin der Deutschen Presse-Agentur hatte etwa eine Dreiviertelstunde zuvor die Segel gestrichen und war nach Hause gegangen.

Auch wenn man mit der notariellen Beurkundung noch nicht durch sei, sei man sich im Prinzip einig, sagt Förster. Die von ihm und Möhrle am 2. Januar gegründete Impulse Medien GmbH werde zum 15. Januar das Unternehmermagazin übernehmen. Er selbst sei Mehrheitsgesellschafter des neuen Verlags. Zur genauen Verteilung der Anteile zwischen ihm und Möhrle mag der 44-Jährige ebenso wenig sagen wie zum Kaufpreis. Nur so viel: Es sei mehr als ein symbolischer Betrag, denn "Impulse" schreibe schwarze Zahlen.

Damit ist das Blatt unter den defizitären G+J-Wirtschaftsmedien eine Ausnahmeerscheinung. Die Verlagstochter wird abgewickelt. Ihr Flaggschiff, die "Financial Times Deutschland", ist bereits eingestellt. Nur an "Capital" und "Business Punk" wird Gruner + Jahr festhalten. Gut 360 Mitarbeitern droht die Arbeitslosigkeit.

20 von ihnen, davon 15 Redakteure, werden nun von der Impulse Medien GmbH übernommen. Hinzu kommen zehn freie Mitarbeiter. Förster wird künftig nicht nur Chefredakteur, sondern auch Geschäftsführer sein. Mittelfristig will er die Chefredaktion abgeben. Im Februar soll der Verlag eigene Räume in Hamburg beziehen. Wo genau er unterkommen wird, mag Förster noch nicht sagen.

Mittlerweile ist auch Möhrle erschienen. Seitdem er bei Max Bahr ausschied, 2006 verkaufte seine Familie die Baumärkte an den Wettbewerber Praktiker, hat er mit seiner Möhrle Group Immobilienprojekte entwickelt - beispielsweise den Kunsthof in der Oranienburger Straße in Berlin.

Er kennt Förster seit zwei Jahren und ist selbst seit langer Zeit "Impulse"-Leser. Schließlich hat er sein gesamtes Berufsleben als Unternehmer gearbeitet. Der 49-Jährige muss deshalb wissen, was die Leser des Unternehmermagazins interessiert. Folglich will er in der Impulse Medien GmbH aktiv mitarbeiten und nicht nur stiller Gesellschafter sein. Das sei eine "spannende Herausforderung", sagt Möhrle. Dass er mit der Branche noch etwas fremdelt, merkt man, als er die verbreitete mit der verkauften Auflage verwechselt. Letztere liegt bei 81.000 Exemplaren. Sie ist die entscheidende Größe für den Anzeigenverkauf. Doch dieser Lapsus lässt sich mit der kurzen Zeit erklären, in der sich Möhrle in die neue Materie einarbeiten musste.

Nun haben die beiden es eilig: Sie müssen zurück zum Notar und den G+J-Managern. Um 21.44 Uhr ruft die Verlagsmitarbeiterin dann in der Abendblatt-Redaktion an: Der Verkauf ist endlich unter Dach und Fach.

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