26.12.12

"Tatort" ohne Bier

ARD und ZDF müssen auf Sponsoring verzichten

Seit Jahren präsentieren Pils-Marken und andere Unternehmen öffentlich-rechtliche Fernsehsendungen. Damit ist bald Schluss.

Foto: dpa
"Tatort"-Logo
Seit Jahren präsentieren Pils-Marken und andere Unternehmen öffentlich-rechtliche Fernsehsendungen. Doch damit ist bald Schluss

Köln/Mainz. Ein tiefblauer See, bewaldete Inseln wie aus dem Bilderbuch – Sekunden später dreht sich schlüpfrig-feucht ein Bierglas ins Bild. Es ist Sonntagabend, 20.15 Uhr, gleich beginnt der "Tatort" im Ersten – präsentiert durch den kurzen Spot einer prominenten Biermarke. Doch ab dem neuen Jahr wird das "Tatort"-Intro direkt auf die "Tagesschau" folgen: ohne See, ohne Inseln, ohne Alkohol. Und die öffentlich-rechtlichen Programmanbieter verlieren wohl Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe. Über die Konsequenzen ist man sich dort jedoch uneins.

Eigentlich ist ARD und ZDF Werbung zumindest nach 20 Uhr und an Feiertagen verboten. Eigentlich – denn wer eine konkrete Sendung sponsert, darf in deren Rahmen auch nach 20 Uhr im Ersten und im ZDF noch Spots schalten. Mehr als 60 Millionen Euro pro Jahr haben die Öffentlich-Rechtlichen mit dieser Lücke zuletzt verdient. Nun wird sie zum neuen Jahr weitgehend geschlossen. Dann tritt die neue Fassung des Rundfunkstaatsvertrags in Kraft, die Schluss macht mit der Unterscheidung zwischen Werbung und Sponsoring.

Für den Zuschauer sei die "Unterscheidbarkeit zwischen Sponsoring und Werbung sehr schwierig geworden", heißt es als Begründung aus der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz. Sie führt den Vorsitz in der Rundfunkkommission der Länder, in der Änderungen der Rundfunkstaatsverträge abgestimmt werden.

Einst seien Sponsoren lediglich im Abspann als Financiers aufgetaucht – "als kurzer schriftlicher Hinweis, hinter dem 3. Kameramann und dem 4. Friseur". Das hat sich inzwischen geändert: Nun präsentieren Versicherungen das Wetter, und Sektmarken kündigen Spielfilme und Unterhaltungssendungen an. Doch nicht mehr lange.

Der neue Vertrag erlaubt Sponsoring ab Januar nur noch für sogenannte "Großereignisse" wie etwa Olympische Spiele und Spiele der deutschen Fußballnationalmannschaft. Diese Ausnahmen seien auch nötig, erklärt die Staatskanzlei in Mainz: In diesen Bereichen werde Sponsoring häufig bereits bei der Vergabe der Übertragungsrechte vorausgesetzt. Ein striktes Verbot hätte die Öffentlich-Rechtlichen so im Vergabeverfahren von vornherein aus dem Rennen geworfen.

Was die Auswirkungen auf das Programm betrifft, malt die ARD trotz der Ausnahmeregelung bereits den Teufel an die Wand: Sie befürchtet durch das Verbot "möglicherweise negative Auswirkungen auf die deutsche Sportlandschaft", insbesondere "für die mittleren und kleineren Sportarten", die nun nicht mehr von einem Programmsponsor unterstützt werden könnten.

Das ZDF wiederum verneint Auswirkungen auf die Programmgestaltung. Mit Schätzungen der Höhe ihrer Mindereinnahmen halten sich jedoch ARD und ZDF gleichermaßen zurück. Man gehe "selbstverständlich" von Einbußen aus, heißt es in Mainz, ähnlich auch bei der ARD. Die Höhe dieser Einbußen ließe sich jedoch "leider nicht genau berechnen". Nach Angaben der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten dürfte es sich jedoch um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln. Gestopft werden soll diese Lücke bei der ARD nun durch "Einsparungen der Landesrundfunkanstalten".

Zu einer Bewertung der neuen Regelung und der damit verbundenen, erwartbaren Millionenverluste lässt sich allerdings keiner der Sender hinreißen. Das ZDF erklärt: "Diese Frage stellt sich für uns nicht", und die ARD "stellt ihre Praxis darauf ein": Kein See, keine Insel, kein Alkohol, sondern direkt der "Tatort".

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Krimi

"Tatort"-Dreharbeiten mit Til Schweiger

Das "Tatort"-Jahr im Zeitraffer
  • Januar

    Vor dem letzten Fall des Saarbrücker „Tatort“-Teams Maximilian Brückner/Gregor Weber am 22.1. warnt der im Unfrieden scheidende Schauspieler Weber die Zuschauer: „Gucken Sie sich die Folge „Verschleppt“ am Sonntag bloß nicht an! Sie ist schlecht.“

  • Februar

    Der Krimi „Kein Entkommen“ aus Wien vom 5.2. ist mit mindestens 15 Toten der bislang „leichenreichste“ in der „Tatort“-Geschichte, wie „tatort-fundus.de“ errechnet hat. Zuvor hielt der Bremer „Tatort: Abschaum“ von 2004 den Rekord (14 Tote).

  • März

    Til Schweiger sorgt mit einer Äußerung über den „Tatort“-Vorspann für viel Aufsehen. Beim Jupiter Award am 29.3. sagt er: „Den würde ich gerne ändern. Also das finde ich irgendwie dämlich. Den Vorspann, der ist jetzt wirklich outdated.“

  • April

    Zu Ostern (8./9.4.) zeigt die ARD eine Doppel-Folge mit den beiden „Tatort“-Ermittler-Gespannen aus Leipzig und Köln: „Kinderland“ sehen fast acht Millionen Zuschauer, den zweiten Teil „Ihr Kinderlein kommet“ sogar mehr als zehn Millionen.

  • Mai

    Beim Finale des letzten Hamburger „Tatorts“ mit Mehmet Kurtulus als sterbendem Cenk Batu am 6.5. verwirrt eine Tonpanne mit der Stimme von ARD-Wahlmoderator Jörg Schönenborn die Zuschauer. Der Schweizer Krimi „Skalpell“ am Pfingstmontag (28.5.) ist der zuschauerschwächste „Tatort“ des Jahres (7,04 Millionen Zuschauer).

  • Juni

    Ulrike Folkerts (die dienstälteste „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal) übt Kritik am eigenen Fernseh-Fall „Der Wald steht schwarz und schweiget“, der mit einem Online-Spiel verbunden war. Etwa 20 000 Menschen hatten in den Tagen nach dem 13.5. den Täter im Internet ermittelt. 8,5 Millionen hatten den SWR-Krimi in der ARD geguckt.

  • Juli

    Überraschend kündigt der NDR am 9.7. einen weiteren „Tatort“ an: Wotan Wilke Möhring wird künftig als Kommissar Thorsten Falke in Norddeutschland auf Verbrecherjagd gehen. Am 23.7. wird außerdem bekannt, dass der neue „Tatort“ des MDR aus Erfurt kommt. Zum Team gehören Alina Levshin, Friedrich Mücke und Benjamin Kramme.

  • August

    Die Dreharbeiten für die ersten beiden Saar-„Tatorte“ mit dem neuen Ermittlerduo Devid Striesow und Elisabeth Brück (als Jens Stellbrink und Lisa Marx) sind abgedreht. „Melinda“ und „Ende der Straße“ werden 2013 gezeigt.

  • September

    Der Kieler „Tatort: Borowski und der stille Gast“ wirkt auf viele besonders gruselig – der unheimliche Täter (Lars Eidinger) entkommt. Der erste „Tatort“ aus Dortmund („Alter Ego“) mit dem Ermittlerquartett unter dem etwas wahnsinnig wirkenden Chef Peter Faber (Jörg Hartmann) läuft am 23.9.; der zweite bereits am 11.11.

  • Oktober

    Der BR kündigt am 11.10. einen Franken-„Tatort“ an – er wird noch entwickelt und kommt erst 2014. Außerdem wird bekannt, dass Til Schweigers Ermittler Nick Tschiller heißen soll (statt Tschauder). Der MDR kündigt außerdem am 24.10. an, ab 2013 die Tradition eines Weihnachts-„Tatorts“ mit Christian Ulmen und Nora Tschirner in Weimar begründen zu wollen. Ebenfalls am 24.10. wird bekannt, dass Nina Kunzendorf im April 2013 nach dann fünf Fällen an der Seite von Joachim Król beim Frankfurt-„Tatort“ aussteigt.

  • November

    Der Münsteraner „Tatort“ „Das Wunder von Wolbeck“ (der Krimi ist der Jubiläumsfilm zum zehnten Geburtstag des Gespanns Axel Prahl/Jan Josef Liefers) holt am 22.11. mit 12,19 Millionen Zuschauern die beste „Tatort“-Einschaltquote seit 19 Jahren.

  • Dezember

    Wieder eine „Tatort“-Doppelfolge: Maria Furtwängler darf an zwei Adventssonntagen hintereinander ran. Die Krimis „Wegwerfmädchen“ (9.12.) und „Das goldene Band“ (16.12.) über Zwangsprostitution und fiese Machenschaften von Eliten in Hannover holen sehr gute Quoten: um die elf Millionen Zuschauer sind bei beiden Teilen dabei.

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