TV-Kritik

Pastewka: Muttersöhnchen auf Abwegen

Foto: ZDF/Julia Terjung

Bastian Pastewka und Judy Winter als drakonische Mutter führen die ZDF-Komödie "Mutter muss weg" zu einem absurd-rasanten Finale.

Noch immer erinnert sich Bastian Pastewka gern an das erste Aufeinandertreffen mit Judy Winter. Als er und sein Comedy-Kollege Oliver Kalkofe vor fünf Jahren mit "Neues vom WiXXer" eine weitere Krimi-Parodie auf Edgar Wallace' "Der Hexer" verfilmt hatten, habe die Schauspielerin den zweiten Teil dieser Trilogie "durch die Darstellung der undurchsichtigen Ordensschwester Lucipha geadelt".

Und glaubt man Pastewka, war auch die zweite Zusammenarbeit ein "außerordentliches Vergnügen". Der Sohn einer Grundschullehrerin und eines Agraringenieurs ist ein äußerst höflicher Mensch. Er kann keiner Fliege etwas zuleide zu tun, scheint es. Im erneuten Zusammenspiel mit Judy Winter, in Hamburg zurzeit in der Komödie Winterhuder Fährhaus im Stück "Spätlese" als Parodie einer Diva zu sehen, versucht er es immerhin.

"Mutter muss weg", sagt sich Tristan alias Pastewka. Er gibt den Sohn der einstigen Aufklärungs-Ikone Hannelore Fromm (Judy Winter). Sie war in den frühen 1970er-Jahren mit dem Streifen "Wenn die Höschen tief im Heu verschwinden" populär geworden und vertreibt nach ihrer Filmkarriere weiterhin erfolgreich Sexspielzeug. Derweil ihr Sohn auch mit 39 Jahren noch nichts Gescheites zustande gebracht hat. Weder privat noch beruflich. Tristan träumt - aktuell vom großen Geschäft mit Puppenhäusern. Weil seine äußerst dominante Mutter dessen vermeintlich geniale Idee - Motto: "Eine heile Welt für jedermann" - bereits vor der Umsetzung zertrümmert, wächst beider Hassliebe noch einmal.

Mithilfe seiner Therapeutin Frau Dr. Korff (Karoline Eichhorn) hat der Sohn vergeblich versucht, seine Ängste zu überwinden und sich aus der Unterdrückung zu befreien. Als sich auch eine schwere Krankheit bei Hannelore als Fehldiagnose erweist, kommt Tristan in einer heruntergekommenen Kneipe mit einem mindestens so heruntergekommenen Auftragskiller namens Josip (Albert Kitzl) ins Geschäft.

An dieser Stelle hätte das Drama seinen Lauf nehmen oder sich ein Psycho-Krimi entwickeln können. Drehbuchautor Marc Terjung, der auch die Rechtsanwalts-Comedy "Danni Lowinski" (Sat.1) geschrieben hat, entschied sich für eine Screwball-Komödie. Dass die Mutter den Mordversuch überlebt, versteht sich fast von selbst. Tragik und Komik halten sich hier die Waage. Um den Schein zu wahren, begleitet sie Tristan zur Kur ins mondäne Hotel.

Bei Massagen und Masken erweist sich die Mutter umso mehr als Drachen. Und Tristan ist gleich doppelt gefangen: in seiner Rolle als Sohn und Aufpasser.

Als solcher ist Pastewka, der in diesem Jahr selbst seinen 40. Geburtstag gefeiert hat, erstmals in einer Liebesszene zu sehen. "Es macht mir keine Angst, wenn Zuschauer sich fragen, wie der mit dieser Wampe und den Runzeln am Hintern eine Sexszene drehen kann", sagte der Comedy-Star dazu.

Pastewka ("Ich spiele am liebsten Durchschnitt") als Schlaffi und Judy Winter als nimmersatte Hippie-Diva tragen die Komödie bis zum absurd-rasanten Ende. Hätten der Regisseur und Adolf-Grimme-Preisträger Edward Berger und seine Kamerafrau Jana Marsik bei Schnitttechnik und Kameraführung etwas mehr Risiko gewagt, wäre der TV-Film sogar richtig temporeich geworden. Aber vielleicht gilt auch für das Generationen-Duo Pastewka/Winter: Aller guten Dinge sind drei. "Triple WixXx" soll ja im Herbst 2013 in unsere Kinos kommen.

"Mutter muss weg" Do, 18.10., 20.15 Uhr, ZDF

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