Drama Die ganze Geschichte, erzählt auf einen Blick

Holger True
Abu Raed (Nadim Swalha) wird von den Kindern des Viertels umringt, die von ihm packende Geschichten aus aller Welt hören wollen.

Foto: MFA

Abu Raed (Nadim Swalha) wird von den Kindern des Viertels umringt, die von ihm packende Geschichten aus aller Welt hören wollen.

Der jordanische Debütfilm "Captain Abu Raed" ist voller Poesie.

Mit einer Pilotenmütze fängt alles an. Abu Raed (Nadim Swalha aus "Syriana"), der auf dem Flughafen von Amman als Reinigungskraft arbeitet, findet sie eines Tages und nimmt - jedenfalls in den Augen der Kinder seines Heimatviertels - eine neue Identität an. Sie sehen in ihm einen weit gereisten Flugkapitän und bitten ihn inständig, Geschichten aus der großen weiten Welt zu erzählen. Der einsam lebende Witwer lässt sich nach anfänglichem Zögern darauf ein und schart bald immer mehr begeisterte Zuhörer um sich. Einzig der verschlossene Murad (Hussein Al-Sous), dessen stets betrunkener Vater die ganze Familie durchprügelt, glaubt Abu Raed nicht und lässt den Schwindel auffliegen. Das Ende des Films? Keineswegs, denn längst hat der Geschichtenerzähler die Kinder so sehr ins Herz geschlossen, dass er versucht, deren Lebensumstände zu verbessern - mit dramatischen Folgen.

"Captain Abu Raed" ist der erste jordanische Spielfilm, der auch außerhalb seines Heimatlandes zu sehen ist und wurde auf internationalen Festivals mit Preisen geradezu überschüttet. 21 Auszeichnungen gab's bisher, darunter zahlreiche Publikumspreise. Was kaum verwundert, da Regisseur Amin Matalqa ein wunderbar poetisches Kinodebüt gelungen ist, das ebenso warmherzig wie unaufgeregt dahinfließt und mit sorgsam komponierten Bildern (Amman von oben, gemeinsames Teetrinken) überzeugt.

Herausragend ist auch das zurückgenommene Spiel der Hauptdarsteller. Ihnen reicht schon ein einziger Blick, um eine ganze Geschichte zu erzählen.