Konzert in der Sporthalle

Guano Apes: Die Band, die mal einen Riesen-Hit hatte

Foto: Daniel Cramer

Eine halb gefüllte Sporthalle, nichts Halbes und nichts Ganzes: Die Guano Apes unterstrichen die Herkömmlichkeit deutscher Rockbands.

Hamburg. Da sind sie wieder: Sechs Jahre nach ihrem indiskutablen Abschiedsbesuch im CCH (!) melden sich die wieder vereinten Guano Apes am Freitag in der Alsterdorfer Sporthalle zurück. Die ist mit offiziell 3500 Fans (optisch sieht es nach mehr aus) zwar alles andere als prall gefüllt, aber die ursprünglich vorgesehene Große Freiheit 36 war schnell ausverkauft. Das ist doch schon was. Nicht zu vergessen das aktuelle, überraschend poppig geratene Comeback-Album "Bel Air", das es sich auf dem Affenfelsen der Chartsspitze bequem machte.

Aber so überproduziert "Bel Air" auch ist, live werden die neuen Songs wie der Opener "Quietly" oder "Oh What A Night" mit einer dicken Kruste Verzerrung und Dynamik überzogen. Das macht die Reißbrett-Rocker der Göttinger, allen voran das in den 90er-Jahren überstrapazierte "Open Your Eyes", nicht besser. Aber vorerst besser erträglich.

Sängerin Sandra Nasic turnt sich durch das Posen-Handbuch und singt dabei hörbar variabler als früher. Ihre drei Mitstreiter plus Tour-Gitarrist sonnen sich im Rampenlicht. "Sunday Lover" ist "She's A Killer". Laut ist laut. Aber mit jedem Beitrag, mit Radio-Balladen ("Pretty In Scarlet") und Schmeichel-Ansagen ("Würde ich nicht in Berlin leben, würde ich nach Hamburg ziehen") drängt sich verstärkt die alte Frage auf, warum so verflucht viele deutsche Rockbands immer so verflucht herkömmlich klingen? Und damit auch noch durchkommen?

Was heißt durchkommen. Die Guano Apes spielen "Bel Air" nahezu komplett durch, aber hinter den zehn vorderen Reihen geht nicht viel. Na, ja. Harald Schmidt kündigte die Apes kürzlich in seiner Late-Show als Band an, "die vor vielen Jahren diesen Riesen-Hit hatte." Er meinte wohl "Open Your Eyes", aber es sind am Ende nach 90 Minuten noch eine und eine halbe Pulverkartusche mehr, welche die Fans aus der Reserve locken: Das Alphaville-Cover "Big In Japan" und der Langenscheidt-Radebrecher "Lords Of The Boards". Alles wie gehabt. Gekauft wie besehen.