Große Freiheit 36

Beady Eye ist nicht Oasis, aber klingt fast genauso

Foto: dpa / Steve Gullick/Beady Eye Records 2010

Die verbliebenen vier Oasis-Mitglieder kommen auch ohne Noel Gallagher ganz gut zurecht. Das bewiesen sie in der Großen Freiheit 36.

Hamburg. "Different Gear, Still Speeding". So heißt das Album von Beady Eye. Aber hat der für die Tour zum Sextett verstärkte Oasis-Restbestand vor dem beherzten Tritt auf das Gaspedal hoch- oder vielleicht doch eher heruntergeschaltet?

Der extra aus Liverpool angereiste Fan, der ein ums andere Mal in Jubelstürme ausbricht, ist sich ganz sicher: Liam und Co. sind auf dem einzig richtigen Weg. Eine mögliche Reunion tut er mit einem Schwall nicht druckfähiger Vokabeln ab. Andere, die Montagabend in die ausverkaufte Große Freiheit 36 kommen, scheinen die Hoffnung auf alte Oasis-Nummern noch nicht aufgegeben zu haben. Sie werden, was das angeht, enttäuscht.

Doch auf der Bühne steht ja immerhin einer der Gallaghers. Und der gibt sich ganz, wie man es von ihm erwartet: Mit weit ins Gesicht hängenden Haaren und Parka sieht Liam aus wie frisch aus den 90er-Jahren importiert. Ob er sich auch genauso anhört, kann man leider nicht so genau beurteilen.

Denn der Sound könnte wirklich gut sein, wären da nicht ein Problemchen und ein ernsthaftes Ärgernis: Das Schlagzeug könnte einen Tick mehr Lautstärke vertragen. Aber geschenkt. Viel schwerer wiegt, dass Mr Gallagher anscheinend darauf bestanden hat, so klingen zu wollen, als säße er am Grunde eines tiefen, wirklich sehr tiefen Brunnens. Der Hall irritiert nicht nur, er stört ernsthaft. Vom Opener "Four Letter Word" über "Beatles And Stones" und "The Beat Goes On" bis zu den Zugaben "Wigwam" und dem World-of-Twist-Cover "Sons Of The Stage" wabert die Stimme des Wuschelkopfs mit der "Komm mir nicht zu nah"-Attitüde dermaßen, dass Texte und Ansagen über weite Strecken hinweg nur zu erraten sind.

Ansonsten liefern die Herren über 65 Minuten hinweg einen soliden Gig ab. Das Rad neu erfunden haben sie zwar nicht, dazu klingt das Britpop-Erbe stets zu deutlich mit. Trotzdem ist Beady Eye nicht Oasis. Die Band funktioniert auch ohne brüderliche Keilereien auf und jenseits der Bühne. Sie hat sich vorsichtig weiterentwickelt.

Oder, um im Bild des Albumtitels zu bleiben: Das Gasgeben klappt schon ziemlich gut, zum Sprung in den nächsthöheren Gang fehlt aber noch ein kleiner Schubs.