Kollegenstreit
Der publizistische Vergeltungsschlag?
Der Feuilleton-Chef der "Süddeutschen Zeitung" wird verdächtigt, "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher in einem Krimi ermordet zu haben.
Hamburg. Hat er oder hat er nicht? Die Spekulationen über die Identität des Mordopfers und des Autoren eines neuen Schweden-Krimis raunen durch die deutschen Kulturteile der Zeitungen. Angeblich handele es sich beim mit einer Schaufel Niedergestreckten in "Der Sturm" um Frank Schirrmacher, den Herausgeber der "FAZ". Darüber hinaus - und das wäre der eigentliche Sturm im feuilletonistischen Wasserglas - soll es Per Johansson, den vorgeblichen Autoren, gar nicht geben. Hinter dem Pseudonym verberge sich vielmehr Thomas Steinfeld, der Feuilleton-Chef der "Süddeutschen".
Auslöser des gemeinsamen Ratespielchens ist Richard Kämmerlings von der "Welt". Der hat einen Krimi gelesen. Soweit nichts allzu ungewöhnliches für einen Redakteur im Feuilleton. Doch die Schlüsse, die er aus seiner Lektüre zieht, haben das Zeug zum Sommerskandälchen in Kulturkreisen. Denn das Mordopfer, das in der idyllischen schwedischen Landschaft aufgefunden wird, mit einer Schippe hingerichtet und von Aasfressern zernagt, ist nicht irgendwer. Der gänzlich unbekannte Autor mit dem urskandinavischen Nachnamen hat sich als Toten einen deutschen Journalisten erdacht, den "Chef einer Zeitung, die in ganz Deutschland gelesen wird", einen "mächtigen Mann".
In der Dienstags-Ausgabe der "Welt" versuchte Kämmerlings nun nachzuweisen, dass dieser "'big shot'" ein reales Vorbild hat: Frank Schirrmacher. Die Hinweise, die er zusammengetragen hat, scheinen wenn nicht zwingend, so doch schlüssig. Von der Wortspielerei der Schuhmarke "Hutmacher", die an den Füßen der Leiche gefunden werden bis zu verschiedentlich eingetreuten Parallelen zwischen dem fiktiven Christian Meier und dem realen Schirrmacher reichen die Indizien. Wie Schirrmacher hat Meier "weltumspannende Fantasien über die Macht der Netzwerke, die Zukunft der Roboter und die Allmacht der Gentechnik" veröffentlicht. Kämmerlings führt noch weitere Punkte auf, die ihn zu dem Schluss kommen lassen, Meier trage "unverkennbar Züge von Frank Schirrmacher".
So weit, so spurensucherisch. In der Folge stellt sich der "Welt"-Autor dann allerdings eine naheliegende Frage, die zum potenziellen Branchen-Aufreger um den dahingemetzelten Herausgeber führt. Nämlich die, warum ein in Berlin und Osby lebender Schwede einen dermaßenen Hass auf Frank Schirrmacher entwickelt, dass er ihn nicht nur literarisch ermordet, sondern ihn darüber hinaus auch mit wenig schmeichelhaften Charakterisierungen versieht. Johansson dichtet seiner Romanfigur Meier Puffbesuche und ein Faible für "sehr junge Mädchen" an, lässt ihn von Weggefährten als Wendehals und Untergebenen-Quäler beschreiben.
Aus einer weiteren Indizienkette folgert Kämmerlings, dass es einen der Autorenschaft dringend verdächtigen deutschen Journalisten gibt, einen, "auf den alle diese Merkmale in perfekter Weise zutreffen". Thomas Steinfeld, Feuilleton-Chef bei der "Süddeutschen" und ehemaliger Redakteur bei der "FAZ".
Dessen Begeisterung für die im Krimi immer wieder auftauchende Musik von Bob Dylan, seine besondere Beziehung zu Schweden und den Autoren des skandinavischen Landes, schließlich sein Weggang bei der "FAZ" vor elf Jahren, der - vorsichtig gesprochen - nicht in gegenseitigem Einvernehmen stattfand; all diese Anzeichen deuten für Kämmerlings zwingend auf Steinfeld.
Der hat sich bislang zu den Vorwürfen nicht geäußert. Und auch S. Fischer, der Verlag, in dem "Der Sturm" in wenigen Tagen erscheint, hält sich bedeckt. Zwar hat das Haus bereits zugegeben, dass es Per Johansson nicht gibt. Es möchte aber abseits der kargen Aussage, es handele sich um "ein Autorenduo" auch nicht weiter zur Aufklärung beitragen. Und auch der von Kämmerlings des "Rufmords" beschuldigte Steinfeld hält sich bislang bedeckt.















