Urteil des Bundesfinanzhofes
"Big Brother" ist Arbeit: Gewinn muss versteuert werden
Sascha Sirtl, Gewinner der Containershow 2005, wollte das Preisgeld nicht versteuern. Das Urteil jetzt könnte auch andere Castingshows hart treffen.
München. "Big Brother" ist Arbeit, kein Spiel: Wer bei der TV-Show mitmacht, muss das Preisgeld als Einkommen versteuern. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) in München entschieden. Der Gewinner der RTL-II-Containershow von 2005, Sascha Sirtl, hatte damals eine Million Euro Preisgeld gewonnen. Gegen einen Bescheid des Finanzamtes klagte er, der Finanzhof wies die Beschwerde nun ab. Der BFH wertete die Teilnahme als "steuerpflichtige sonstige Leistung". Die Begründung: "Der Kläger schuldete – wie alle anderen Kandidaten auch – dem BB-Veranstalter seine ständige Anwesenheit im BB-Haus; er musste sich während seines Aufenthalts ununterbrochen filmen und belauschen lassen und nach Auswahl an Wettbewerben mit anderen Kandidaten teilnehmen."
Mit dem Urteil stellt der Finanzhof fest: Die Teilnahme an der "Big Brother"-Show wird nicht als Spiel oder Wette gewertet. Damit sind die Einkünfte nicht steuerfrei, sondern einkommensteuerpflichtig. Dagegen zählen zum Beispiel Lottogewinne nicht zu Einkünften im Sinne des Einkommensteuerrechts, sie müssen nicht versteuert werden. Das Gleiche gilt für Gewinne bei Quizshows wie "Wer wird Millionär?".
Das Urteil dürfte nach Einschätzung von Sirtls Anwalt Burkhard Binnewies hingegen aber für andere Fernsehformate Folgen haben. "Der Zeitfaktor ist entscheidend, wenn da jemand mit gewisser Dauer eingebunden ist", erläuterte er. Die entscheidende Frage ist also: Wann wird ein Spiel so professionell, dass es zu einem Arbeitsverhältnis wird?
Das Urteil könnte weitreichende Folgen für Produktionsfirmen und Fernsehsender haben. Möglicherweise müssen auch Sieger von Castingshows wie "Deutschland sucht den Superstar", "Das Supertalent" oder "Germany' next Topmodel" ihre Gewinne als Einkommen versteuern. Binnewies prophezeite bereits im März: "Das wird die ganze Branche verändern." (dpa)
















