27.05.12

Eurovision Song Contest

"Euphoria" in Baku: Loreen gewinnt für Schweden

Zum fünften Mal gewinnt Schweden den Eurovision Song Contest. Sängerin Loreen ist Siegerin, Roman Lob landet auf einem guten achten Platz.

Foto: dpa/DPA
Die Siegerin beim "Eurovision Song Contest" in Baku: Loreen sang für Schweden "Euphoria"
Die Siegerin beim "Eurovision Song Contest" in Baku: Loreen sang für Schweden "Euphoria"

Hamburg/Baku/Berlin. Spektakulärer Auftritt von Anke Engelke beim European Song Contest (ESC): Bei der Verlesung der deutschen Punktwertung für die anderen ESC-Teilnehmer kritisierte sie von der Hamburger Reeperbahn aus vor einem 100-Millionen-Publikum die Regierung des ESC-Gastgeberlandes Aserbaidschan. "Danke Anke", kommentierte NDR-Intendant Lutz Marmor den Auftritt am Sonntag. Viel Lob gab es auch für den deutschen Kandidaten Roman Lob, der einen guten achten Platz erreichte. Siegerin des 57. ESC, der dieses Jahr in Baku stattfand, wurde die schwedische Favoritin Loreen.

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+++ So feierte Hamburg den ESC +++

Ganz nebenbei, aber damit umso eindrücklicher, nutzte Engelke die wenigen Momente der Punktevergabe aus Deutschland in der Live-Schaltung aus Hamburg für eine versteckte Kritik an der aserbaidschanischen Regierung. Sie sagte auf Englisch: "Heute Abend konnte niemand für sein eigenes Land abstimmen. Aber es ist gut, abstimmen zu können. Und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf Deiner Reise, Aserbaidschan! Europa beobachtet Dich!"

Ihre Offenheit wurde in Deutschland einhellig begrüßt: "Anke Engelke hat mit ihren klaren, klugen und charmanten Worten die Ehre des ESC gerettet", sagte der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber am Sonntag. Und NDR-Intendant Lutz Marmor erklärte, Engelke habe genau den richtigen Ton getroffen. Auch in Internetforen und beim Kurznachrichtendienst Twitter wurde sie gelobt. Die 46-Jährige selbst, die bei der deutschen Punktevergabe von der Reeperbahn aus live vor einem 100-MIllionen-Publikum gesprochen hatte, wollte sich nicht weiter äußern, wie ihr Management auf dapd-Anfrage mitteilte.

+++ Das ESC-Finale: Zwischen Party und Politik +++

Die Moderatorin war nicht die einzige, die sich am Abend in Hamburg kritisch äußerte. So Altrocker Udo Lindenberg sagte vor seinem Auftritt mit Jan Delay: "Wir haben lange überlegt, ob man den Eurovision Song Contest diesmal nicht besser boykottiert. Denn Aserbaidschan ist, wie ihr alle wisst, ein grausam unfreies Land. Aber dann haben wir gedacht, es ist auch eine Chance, mit unseren Mitteln ein Zeichen zu setzen gegen die Unterdrückung von Menschen."

Anders als in früheren Jahren war beim diesjährigen ESC nicht nur über Musik diskutiert worden: Die Austragung des Wettbewerbs in Aserbaidschan hatte eine heftige Debatte über die politische Situation in der ehemaligen Sowjetrepublik in Gang gesetzt.

Den Musikwettbewerb verfolgten knapp neun Millionen Zuschauer im Ersten. Insgesamt lag der Marktanteil bei 36,6 Prozent, wie der NDR mitteilte. Bei den 14 bis 49-Jährigen betrug er 43,6 Prozent (4,11 Millionen Zuschauer).

Nach dem ESC-Erfolg von Sängerin Loreen darf Schweden den Eurovision Song Contest 2013 ausrichten. Im Jahr 1999 hatte Charlotte Nilsson letztmals den ESC nach Schweden geholt. Legendär ist der Sieg von Abba mit "Waterloo" im Jahr 1974.

Die 28-jährige Loreen siegte mit ihrem mystischen Pop-Song "Euphoria" mit 372 Punkten – das waren 113 Punkte Vorsprung zu Platz zwei. Den belegten die russischen "Pop-Omas" der Gruppe Buranowski Babuschki mit ihrem Pop-Folklore-Song "Party For Everybody". Dritter wurde der Serbe Zeljko Joksimovic mit der Ballade "Nije Ljubav Stvar". Alle drei Länder hatten bei den Wettbüros auf den vorderen Plätzen gelegen.

Der deutsche ESC-Kandidat Roman Lob hält das Siegerland für einen würdigen Gewinner. "Loreen hat's einfach super gemacht", sagte er in der ARD. Er selbst erreichte mit seinem Lied "Standing Still" ein besseres Ergebnis als die ESC-Gewinnerin von 2010, Lena Meyer-Landrut, im vergangenen Jahr. Sie war in Düsseldorf nur Zehnte geworden. "Ich bin super happy", sagte der Sänger. Die Erlebnisse beim ESC werde er vermissen. "Es war eine super Zeit hier in Baku", sagte Lob.

Weltweit schalteten schätzungsweise mehr als 100 Millionen Zuschauer die Fernsehübertragung ein. Das Publikum in allen 42 ESC-Teilnehmerländern konnte abstimmen. Über das Ergebnis entschieden zu jeweils 50 Prozent die Telefonabstimmung und nationale Jurys.

(abendblatt.de/dpa)

Die deutschen Einschaltquoten bei allen Songcontests
Die deutschen Einschaltquoten bei allen Songcontests:
Der Eurovision Song Contest war durch die Lena-Manie in den vergangenen beiden Jahren ein Quoten-Highlight für die ARD.
Um die 14 Millionen Zuschauer sahen 2010 und 2011 die Live-Übertragungen des Musikspektakels. In diesem Jahr lag die Einschaltquote mit 8,29 Millionen deutlich darunter.
Die ARD zeigte sich aber zufrieden, denn das Interesse am Grand Prix war auch schon mal viel schwächer, wie ein Blick auf die Quoten seit Einführung der aktuellen Quotenmessung 1980 zeigt.
Die Liste dokumentiert das Finaldatum, die Zuschauerzahl und den Namen des deutschen Teilnehmers.
19.4.1980: 17,35 Millionen – Katja Ebstein
04.4.1981: 10,14 Millionen – Lena Valaitis
24.4.1982: 13,81 Millionen – Nicole
23.4.1983: 13,57 Millionen – Hoffmann & Hoffmann
05.5.1984: 14,23 Millionen – Mary Roos
04.5.1985: 13,22 Millionen – Wind
03.5.1986: 10,88 Millionen – Ingrid Peters
09.5.1987: 10,16 Millionen – Wind
06.5.1989: 9,87 Millionen – Nino de Angelo 30.4.1988: 8,69 Millionen – Maxi & Chris Garden
05.5.1990: 7,02 Millionen – Chris Kempers & Daniel Kovac
18.5.1996: Finale ohne Deutschland – keine ARD-Live-Übertragung
04.5.1991: 4,49 Millionen – Atlantis 2000
09.5.1992: 4,73 Millionen – Wind
03.5.1997: 3,23 Millionen – Bianca Shomburg
15.5.1993: 3,89 Millionen – Münchener Freiheit
30.4.1994: 4,72 Millionen – MeKaDo
13.5.1995: 3,98 Millionen – Stone & Stone
09.5.1998: 12,60 Millionen – Guildo Horn
29.5.1999: 4,79 Millionen – Sürpriz
13.5.2000: 10,03 Millionen – Stefan Raab
12.5.2001: 8,16 Millionen – Michelle
25.5.2002: 9,75 Millionen – Corinna May
24.5.2003: 8,65 Millionen – Lou
15.5.2004: 11,13 Millionen – Max Mutzke
21.5.2005: 7,01 Millionen – Gracia
20.5.2006: 10,41 Millionen – Texas Lightning
12.5.2007: 7,41 Millionen – Roger Cicero
24.5.2008: 6,38 Millionen – No Angels
16.5.2009: 7,33 Millionen – Alex swings Oscar sings
29.5.2010: 14,69 Millionen – Lena Meyer-Landrut
14.5.2011: 13,93 Millionen – Lena Meyer-Landrut
26.5.2011: 8,29 Millionen – Roman Lob
Die Platzierungen beim ESC-Finale 2012
Die Platzierungen beim ESC-Finale 2012
26. Tooji (Norwegen) mit "Stay", 7 Punkte
25. Engelbert Humperdinck (Großbritannien) mit "Love Will Set You Free", 12 Punkte
24. Compact Disco (Ungarn) mit "Sound Of Our Hearts", 19 Punkte
22. und 23. Soluna Samay (Dänemark) mit "Should've Known Better" und Anggun (Frankreich) mit "Echo (You And I)" mit jeweils 21 Punkte
21. Kurt Calleja (Malta) mit "This Is The Night", 41 Punkte
19. und 20. Greta Salóme & Jónsi (Island) mit "Mundu Eftir Mér" und Jedward (Irland) mit "Waterline", 46 Punkte
18. Maya Sar (Bosnien-Herzegowina) mit "Korake ti znam", 55 Punkte
17. Eleftheria Eleftheriou (Griechenland) mit "Aphrodisiac", 64 Punkte
15. und 16. Ivi Adamou (Zypern) mit "La La Love" und Gaitana (Ukraine) mit "Be My Guest", jeweils 65 Punkte
14. Donny Montell (Litauen) mit "Love Is Blind", 70 Punkte
12. und 13. Mandinga (Rumänien) mit "Zaleilah" und Kaliopi (Mazedonien) mit "Crno I Belo", jeweils 71 Punkte
11. Pasha Parfeny (Moldawien) "Lautar", 81 Punkte
10. Pastora Soler (Spanien) mit "Quédate Conmigo", 97 Punkte
9. Nina Zilli (Italien) mit "L'Ámore È Femminia (Out Of Love)", 101 Punkte
8. Roman Lob (Deutschland) mit "Standing Still", 110 Punkte
7. Can Bonomo (Türkei) mit "Love Me Back", 112 Punkte
6. Ott Lepland (Estland) mit "Kuula", 120 Punkte
5. Rona Nishliu (Albanien) mit "Suus", 146 Punkte
4. Sabina Babayeva (Aserbaidschan) mit "When The Music Dies", 150 Punkte
3. Zeljko Joksimovic (Serbien) mit "Nije Ljubav Stvar", 214 Punkte
2. Buranowski Babuschki (Russland) "Party For Everybody!", 259 Punkte
1. Loreen (Schweden) mit "Euphoria", 372 Punkte
Die deutschen ESC-Platzierungen seit 2000
Die deutschen ESC-Platzierungen seit 2000
2000

: 5. Platz, 96 Punkte, Stefan Raab mit "Wadde hadde dudde da?"

2001

: 8. Platz, 66 Punkte, Michelle mit "Wer Liebe lebt (Who Lives For Love)"

2002

: 21. Platz, 17 Punkte, Corinna May mit "I Can't Live Without Music"

2003

: 12. Platz, 53 Punkte, Lou mit "Let's Get Happy"

2004

: 8. Platz, 93 Punkte, Max mit "Can't Wait Until Tonight"

2005

: 24. Platz, 4 Punkte, Gracia mit "Run & Hide"

2006

: 14. Platz, 36 Punkte, Texas Lightning mit "No No Never"

2007

: 19. Platz, 49 Punkte, Roger Cicero mit "Frauen regier'n die Welt"

2008

: 23. Platz, 14 Punkte, No Angels mit "Disappear"

2009

: 20. Platz, 35 Punkte, Alex Swings Oscar Sings! mit "Miss Kiss Kiss Bang"

2010

: 1. Platz, 246 Punkte, Lena mit "Satellite"

2011

: 10. Platz, 107 Punkte, Lena mit "Taken By A Stranger"

2012

: 8. Platz, 110 Punkte, Roman Lob mit "Standing Still"

2013

: 21. Platz, 17 Punkte, Cascada mit "Glorious"

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