Kultur

Spannung pur: Die stärksten Krimis im Juni

Die Wiener Thrillerautorin Ursula Poznanski versteht ihr Handwerk. Mit "Schatten" (Wunderlich, 414 Seiten, 14,99 Euro) hat sie jüngst ihren vierten Roman um die beiden Ermittler Beatrice Kaspary und Florin Wenninger vorgelegt, ein Duo, das nicht nur beruflich verbunden, sondern auch ein Liebespaar ist. In den aktuellen Fall ist Kaspary intensiver verwickelt, als ihr lieb sein kann: Ein Killer tötet auf grausame Weise Menschen, die der Ermittlerin bekannt sind, Menschen, die sie nicht gemocht hat. Und der Mörder hinterlässt Dinge an den Tatorten, die weit zurück in Kasparys Vergangenheit weisen, in eine Zeit, als sie noch nicht im Polizeidienst war. Was will er ihr mit den kleinen Botschaften sagen? Woher kennt er Kaspary so genau? Als sie dem Täter selbst in die Falle geht, scheint es keine Rettung zu geben … "Schatten" ist ein gut gebauter, dramaturgisch raffiniert und komplex angelegter Thriller mit hoher Spannungsgarantie.

Robert Brack ist mittlerweile Experte in Sachen Mord und Totschlag im Hamburg des beginnenden 20. Jahrhunderts. Sein aktueller Roman "Die Morde von St. Pauli" (Ullstein, 428 Seiten, 9,99 Euro) ist eine Art Fortsetzung des Krimis "Die Toten von St. Pauli", in beiden Büchern lässt Brack seinen Kriminalkommissar Alfred Weber ermitteln. Was den aktuellen wie auch den vorherigen Titel vor allem auszeichnet, ist die genau gezeichnete und exakt recherchierte Atmosphäre jener Jahre mit wunderbaren kleinen Milieustudien: Das Hamburg der wilden 20er-Jahre atmet in Bracks Büchern. Und Weber muss dieses Mal nicht nur in vornehmen Bürgerhäusern ermitteln, sondern ihm macht auch eine äußerst bizarre Mordserie zu schaffen: Die Taten sind offenbar sorgsam inszeniert, die Opfer werden öffentlich ausgestellt. Es scheint sich ein morbides Zeichensystem hinter den Taten zu verbergen, was Weber erst sehr spät mithilfe einer jungen Kollegin von der gerade ins Leben gerufenen weiblichen Kriminalpolizei zu entziffern weiß. Hautnahe Historie.

Im Subgenre des Alpenkrimis geht's nicht eben selten recht garstig zu, diverse Autorinnen und Autoren haben mittlerweile auf diese spezielle Spielart des Regionalkrimis gesetzt. Aus dieser schreibenden Masse herausragend ist neben Jörg Maurer der nahe Wasserburg lebende Autor Andreas Föhr. Auch bei ihm kommen komische Elemente nicht zu kurz, die spannend erzählte Geschichte aber steht weit über dem bajuwarischen Lokalkolorit. In Föhrs neuem, seinem siebten Fall, "Schwarzwasser" (Knaur, 400 Seiten, 14,99 Euro), bekommt es sein kurioses Ermittlerduo – der ewig frierende Wallner und der gern ein wenig jenseits der Legalität wirkende Kreuthner – mit einer Geschichte zu tun, die zurückreicht bis zu einem Immobilienskandal im Berlin der 1990er-Jahre. Doch erst einmal ist da im schönen Oberbayern die Leiche eines alten Mannes, der unter höchst seltsamen Umständen zu Tode gekommen ist. Und dessen Identität so einige Überraschungen bereithält: Alle Dokumente, die der Tote bei sich trägt, sind gefälscht. Wallner ist ratlos, Kreuthner stolpert von einem Fettnapf in den nächsten. Ein höchst unterhaltsamer, intelligent konstruierter Kriminalroman.

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