Hamburg

Ausgekochtes Kindermusiktheater

Die Inszenierung "Teufels Küche" macht Zuschauern ab 5 Jahren Appetit auf Klang

Hamburg. Es blubbert und zischt, es rummst und bimmelt, es klappert und klirrt und tönt und dampft. ­Küchenchaos total, da wird akustisch geklotzt und optisch gekleckert, und am lautesten quietscht über all dem: das junge Publikum. Vor Vergnügen.

Mag schon sein, dass viele Köche den Brei verderben, andernorts. In der Opera Stabile allerdings haben Carola Schaal an der Klarinette, Sonja Lena Schmid (Salut Salon) am Violoncello, Stephan Krause am Schlagwerk und ihr Chefkoch Apostolos Dulakis, der das Ganze teuflisch dirigieren und sabotieren darf, ganz offensichtlich höllischen Spaß bei der kollektiven Zubereitung. Und ihre Zuschauer sowieso. Denn gekocht wird in "Teufels Küche" tatsächlich, nach einem musikalischen Rezept von Moritz Eggert und Heiko Hentschel ("gut von Moll nach Dur verrührt, als Kanon portioniert, in den Geschmackssorten largo, espressivo und con brio").

Kinder ab fünf Jahren dürfen bei ihnen Gast auf einer musikalischen Küchenparty sein – auf der die unermüdlichen Küchenfeen nicht nur wunderbare Musiker sind, die ihre Instrumente zur Not auch mit Eierlöffel statt Cellobogen zum Klingen bringen (und übrigens auch eine singende Säge, scheppernde Schneebesen und ein Fahrradhupen­orchesterchen beherrschen). Sondern sie schnetzeln nebenbei Möhren und schmoren Zwiebeln und zaubern so eine köstlich duftende Karotten-Kokos-Suppe, während sie – mithilfe eifriger, kleiner Sous Chefs aus den ersten Parkettreihen – die verrücktesten Klänge ordentlich durch den Fleischwolf drehen.

Dabei werden – zwar wortlos, aber alles andere als geräuscharm – Fragen beantwortet, die man sich als langweiliger Durchschnittserwachsener so nie gestellt hatte: Wie klingen eigentlich Kartoffelschalen? Was ist Schnibbel-Percussion? Wie musikalisch ist ein Sparschäler? Wie viel Sinfonie steckt in einem Rotkohl? Letzterer wird per Wiegemesser zum merkwürdigen Gesöff verkeltert, das ein Nachwuchs-Gourmet im Kita-Alter lässig als "Rotkohl-Wein, was denn sonst" identifiziert. Einige mutige Kinder dürfen mit Liebesperlen- und Reisrasseln mitlärmen oder an der ziemlich scharfen Gemüsereibe herzhaft hobeln, da müssen mitgebrachte Erziehungsberechtigte halt mal stark sein. Das Abschluss-Dinner an der (zunächst) hübsch eingedeckten Festtafel wird dann zur hellen Freude der Kleinen zum hemmungsloses Schlabber-Gelage, glücklicherweise ohne Publikumsbeteiligung. Reichlich "Don't try this at home"-Momente für das ausgesprochen sympathische Musiker-Ensemble.

Da hat die Opera Stabile ein wirklich feines Süppchen gekocht. Das dürfte auch krüschen Kindern schmecken.

"Teufels Küche", Opera Stabile, Kleine Theaterstraße (U Gänsemarkt/S Dammtor), wieder vom 26.–28.4., 11.30 und am 25. und 27.4. um 9.00, Karten zu 5,- bis 10,- unter T. 35 68 68

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.